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27.03.2026
Kunstvolle Kalligrafie auf zwei Schriftrollen: Die fünf Bücher Mose hat Hans Schulte an die Tradition jüdischer Tora-­Rollen angelehnt.
Foto / Quelle: Andreas Wiedenhaus

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Hans Schulte aus Paderborn überträgt biblische Texte in Kalligrafie.

von Andreas Wiedenhaus
Paderborn

Hans Schulte nähert sich der Bibel auf seine ganz eigene Weise: Er greift zu Feder und Tinte und schreibt die Texte in kalligrafischer Form. So führt er durch die „Kunst des schönen Schreibens“ Inhalt und Form auf faszinierende Art zusammen. „Für mich entfalten die Worte bei diesem Akt des Schreibens ihre Bedeutung in einer ganz speziellen Weise, so wird der Schreibprozess für mich zu einer Möglichkeit, mich ganz intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen“, sagt der 87-­jährige Paderborner.

Auf die Psalmen, mit denen er begann, folgten die Evangelien – Text aus der „Mitte der Bibel“, wie Hans Schulte sich erinnert. Doch dann sei es Zeit gewesen, „zum Anfang zu kommen“. So widmete sich Schulte den „fünf Büchern Mose“ – in der lateinischen Bibel-­Übersetzung als Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium bekannt. Im Judentum bilden diese Schriften die „Tora“, das „Gesetz“, die Gesellschaftsordnung des jüdischen Volkes – für gläubige Juden bis heute. Ein zentraler Aspekt, den auch Hans Schulte von Beginn an im Blick hatte: „Die Texte haben ihre Relevanz bis zum heutigen Tag nicht verloren, man darf sie nicht nur theologisch-­historisch betrachten, sonst übersieht man ihren gesellschaftlichen Bezug.“

Präzise wurde Seite an Seite gefügt: Die Texte ergaben eine 85 Meter lange Schriftrolle.
Foto / Quelle: Andreas Wiedenhaus

Ihm sei bewusst gewesen, dass es eine Mammut­aufgabe sei, doch er habe „munter drauflosgeschrieben“: „Das war Ende Juni 2023.“ Rückblickend sieht er sich dabei auf einem Marathonlauf, obwohl er nie an einem teilgenommen habe: „Genesis und Exodus fielen mir leicht, Texte daraus sind nicht zuletzt durch die Lesungen in der Osternacht bekannt.“ Mit Levitikus und Numeri habe dann, so der Paderborner, eine „Schotterpiste“ begonnen. Weil sich Deuteronomium „leichter las“, zog er dieses Buch vor. Doch schließlich und endlich war er im Oktober 2025 am Ziel dieses besonderen Marathons: 410 kunstvoll beschriebene Seiten lagen vor ihm.

Irgendwann sei ihm dann der Gedanke gekommen, sich bei diesem Projekt auch von der Form her der jüdischen Tradition zu nähern: „Diese Texte gehören auf eine Schriftrolle!“ Die Tora wird im Judentum in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer („reiner“) Tiere geschrieben. Eines stellt der 87-­Jährige deshalb klar: „Ich habe mich von der Tora inspirieren lassen und mehr nicht! Alles andere wäre anmaßend!“ Bei der praktischen Umsetzung half dem gelernten Maurermeister Dr. Rudolf Jopen aus Paderborn, langjähriger Hausarzt und Freund von Hans Schulte – und nicht zuletzt versierter Hobby-­Tischler. Gemeinsam nahmen beide alle Hürden bei Konstruktion und Bau, sodass sich die Texte heute genauso präsentieren, wie Hans Schulte sich das vorgestellt hat: als eine Annäherung an die jüdischen Wurzeln des Christentums, als Brückenschlag zwischen zwei Religionen, der das Gemeinsame betont und vor Augen führt.

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