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07.03.2026
Gottfried Martens, Pfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde Berlin-Steglitz.
Foto / Quelle: Nikolas Ender/KNA

Zerrissen zwischen Hoffnung und Angst

Wieso die Familien vieler Exil-Iraner nicht nach Deutschland kommen.

Berlin

Wie wird die Intervention der USA und Israel im Iran von Exil-Iranern in Deutschland wahrgenommen? „Das Spektrum ist riesig“, sagt Pfarrer Gottfried Martens aus Berlin, in dessen Gemeinde viele geflüchtete Iraner leben. „Es gibt Gemeindeglieder, die große Hoffnungen in den Angriff setzen und Trump zujubeln, in der Erwartung, dass dies das Ende des Regimes einläutet“, erklärt er. Auf der anderen Seite stünden jene, die in den militärischen Schlägen eine Katastrophe sehen, die alles nur noch verschlimmere.

Besonders deutlich werde die Zerrissenheit an der Frage der politischen Zukunft des Landes. Während ein Teil der Gemeinde auf eine Rückkehr der Pahlavi-Dynastie hoffe, blickten insbesondere kurdische Gemeindemitglieder skeptisch auf diese Entwicklung. Mohammad Reza Pahlavi war der letzte iranische Schah. Sein Sohn, Reza Pahlavi, lebt in den USA und hat sich dazu bereit erklärt, im Falle eines Machtwechsels in den Iran zurückzukehren und dort eine Übergangsregierung zu bilden.

Die Kommunikation mit Verwandten im Iran gestaltet sich laut Martens für viele schwierig, da das Internet dort weitgehend gekappt sei. Informationen fließen oft nur über Umwege. Die Berichte, die hierzulande ankommen, zeichnen indes ein Bild der Lähmung: „Die Menschen sitzen in ihren Häusern und halten sich sprichwörtlich die Hände über dem Kopf zusammen“, so der Pfarrer. Selbst einfachste Dinge wie der Gang zur Bank seien kaum möglich, da die Angst vor Willkür und Gewalt allgegenwärtig sei.

Skepsis gegenüber Trumps Strategie

Martens selbst äußert sich skeptisch zur Hoffnung, das System durch gezielte Schläge gegen die Führung zu stürzen: „Das Bild, dass das System stürzt, wenn man der Schlange den Kopf abschlägt, stimmt leider nicht. Die Revolutionsgarden sind so gut vernetzt“, warnt er. Und vergleicht die Lage der Garden mit den Verhältnissen im Kommunismus – ein „Staat im Staate“, der auch ohne die oberste Führung handlungsfähig bleibe.

Die Revolutionsgarde verfügt über ein eigenes Heer, eine eigene Luftstreitkraft und einen eigenen Geheimdienst. Auch in der iranischen Wirtschaft sind viele Unternehmen von Personen aus der Organisation besetzt, die die EU sowie die USA als terroristisch einstufen. In diesem Zusammenhang kritisiert Martens auch die USA: „Ich glaube, dass man dort wieder einmal nicht sehr weit gedacht hat.“

Auf die Frage, wie es für die Menschen vor Ort weitergehen könne, sagt Martens, dass eine Flucht aus dem Iran kaum möglich sei. „Die zynische Auskunft deutscher Politiker ist ja oft, dass die Türkei die Grenzen geschlossen hält.“ Dabei hätten Deutschland und die EU „die Mauern so hochgezogen“, dass Schutzsuchende kaum eine Chance hätten, sicher zu entkommen. Das Ziel der europäischen Politik sei es offenbar, sich Probleme vom Hals zu halten, anstatt echte Perspektiven zu bieten, sagt Martens.

Große Hilfsinitiativen aus der Gemeinde heraus gebe es derzeit kaum, bedauert er: Dies setze eine Organisation voraus, die unter den aktuellen Bedingungen der Unsicherheit kaum zu leisten sei.

KNA

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