Zeitumstellung: Schlafforscher sieht kaum gesundheitliche Folgen
Guter und ausreichender Schlaf sind von großer Bedeutung für die Gesundheit.
Mit Blick auf die Zeitumstellung rät der Schlafforscher Dieter Riemann zur Gelassenheit. Der Umstieg auf die Sommerzeit irritiere zwar den Lebens- und Schlafrhythmus vieler Menschen, sagte der Vorstandsreferent der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in Leipzig im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Aber unser Körper und unser Gehirn sind sehr flexibel. Da ist die Zeitumstellung kein Drama.“
Riemann, bis 2024 Professor für Klinische Psychophysiologie an der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau, empfahl Personen, denen die Zeitumstellung besonders viel ausmacht, den Schlafrhythmus schon Tage vor der Umstellung langsam anzupassen, indem man jeden Abend 10 bis 15 Minuten früher ins Bett geht. „Auch viel Bewegung an der frischen Luft und bei Tageslicht helfen, die innere Uhr zu justieren.“
Frühjahrsmüdigkeit als kulturelles Phänomen
Mit Blick auf die von manchen Menschen beklagte Frühjahrsmüdigkeit sagte der Schlafforscher, er halte sie ebenso wie kürzlich Schweizer Forscher für ein kulturelles Phänomen: „Wenn wir uns im Frühjahr müde oder abgeschlagen fühlen, liefert die Frühjahrsmüdigkeit eine gute Begründung.“ In Wirklichkeit sei das Frühjahr mit seiner zunehmenden Helligkeit und Wärme ein sehr langsamer Prozess, an den man sich gut anpassen könne. „Dazu kommt, dass wir in modernen Zeiten auch im Winter mit sehr viel künstlichem Licht leben und es fast immer warm haben. Der Unterschied ist also gar nicht mehr so groß wie in früheren Zeiten.“
Der Schlafforscher bezeichnete es als sehr erfreulich, dass die Gesellschaft dem Schlaf mittlerweile eine größere Bedeutung beimesse. „Denn in einer Leistungsgesellschaft wird ja manchmal derjenige am meisten wertgeschätzt, der angeblich mit vier oder fünf Stunden Schlaf auskommt. Dabei sorgt gerade ausreichend Schlaf – das Minimum sollten sechs Stunden im Schnitt sein – für Leistungsbereitschaft.“
Reinigende Wirkung des Schlafs
Schlaf gebe dem Körper und insbesondere dem Gehirn die Möglichkeit, sich von den Strapazen des Tages zu erholen, erläuterte Riemann. Während des Schlafes repariere und regeneriere der Körper Gewebe, baue Muskeln auf und produziere wichtige Hormone. „Eine der faszinierendsten Entdeckungen der letzten Jahre ist die Rolle des Schlafs bei der Reinigung des Gehirns. Während des Tiefschlafs werden schädliche Proteinablagerungen und metabolische Abfälle aus dem Gehirn gespült, die sich während der Wachphasen angesammelt haben.“
KNA