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13.09.2026
Hobbygärtner Tahsin Es.
Foto / Quelle: Sabine Schüller/KNA

Wo alte Sorten Wurzeln schlagen und Wissen weiterlebt

Bei Hobbygärtner Tahsin Es geht es um Vielfalt und um die Freude, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen.

Rheinbreitbach
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Es riecht nach Tomaten. Nach Basilikum und feuchter Erde. Im Gewächshaus hängen grüne, gelbe, rote, orangefarbene und sogar violette Früchte an den Pflanzen. Draußen wachsen Chili neben Paprika, Auberginen neben Brechbohnen, dazwischen Zucchini, Salat und sogar ein Feigenbaum. Wer den Garten von Tahsin Es betritt, braucht einen Moment, um alles aufzunehmen. Alles scheint seinen Platz zu haben, und doch wirkt nichts streng geplant, sondern eins fügt sich organisch ins andere.

„Ich liebe den Garten“, sagt der Hobbygärtner. „Das ist einfach schön, das Wachsen zu sehen. Der Garten tut mir und meiner Seele gut.“ Der kaufmännische Angestellte verbringt täglich viele Stunden zwischen seinen Pflanzen. Der Garten ist für ihn Rückzugsort, Experimentierfeld und zugleich eine Art lebendiges Archiv.

150 Sorten und jedes Jahr etwas Neues

Besonders die Tomaten haben es ihm angetan. Rund 150 verschiedene Sorten baut Tahsin Es inzwischen an. Darunter alte und seltenere, die nicht überall zu finden sind. Hybridpflanzen verwendet er nicht. Sie entsteht durch gezielte Kreuzung zweier verschiedener Elternlinien und zeigt in der ersten Generation besonders gewünschte Eigenschaften wie hohen Ertrag oder einheitliches Wachstum, lässt sich aber nicht sortenecht aus eigenem Saatgut weitervermehren. Stattdessen gewinnt er Saatgut aus samenfesten Pfanzen und entscheidet jedes Jahr neu, welche Sorten wieder ins Beet kommen.

„Welche Sorte habe ich schon lange nicht mehr ausgesät?“, fragt er sich dann. Einige bewährte Pflanzen bleiben, andere machen Platz für solche, die er eine Weile nicht angebaut hat, wie zum Beispiel die Tomatensorten Green Zebra, Schwarze Krim, Costoluto Genovese, Goldene Königin, Haubners Rote Vollendung, Moneymaker oder Herzförmige Rosa, eine Sorte aus der Türkei.

Seine Leidenschaft für die Vielfalt ist auch der Grund, warum Tahsin Es Saatgut weitergibt. Auf Saatgutbörsen ist er unterwegs, verkauft gelegentlich Saatgut und Jungpflanzen und gibt Interessierten auch direkt etwas aus seinem Bestand ab. „Ich mag es, die Sortenvielfalt zu erhalten“, sagt er.

Auch Auberginen fühlen sich bei Hobbygärtner Tahsin Es wohl.
Foto / Quelle: Sabine Schüller/KNA

Die Liebe zum Gärtnern hat Tahsin Es von seiner Familie mitgenommen. In seiner Kindheit im Nordwesten der Türkei, in Kirklareli, war er häufig mit seiner Großmutter unterwegs. Später lernte er von seinem Vater, wie man Pflanzen vermehrt und aus Stecklingen neue Pflanzen zieht.

Auch zwei ältere Nachbarinnen haben ihm viel beigebracht. Als sie ihren Garten selbst nicht mehr bewirtschaften konnten, fragten sie den Hobbygärtner, ob er sich darum kümmern wolle. Kartoffeln setzen, Bohnen einlegen, vieles von dem, was heute selbstverständlich zu seinem Garten gehört, lernte er auch von ihnen.

Wenn man mit ihm spricht, merkt man, dass er sich über die Jahre ein breites Wissen rund um das Thema Gärtnern angeeignet hat. Nicht nur Pflanzen wachsen hier, sondern auch altes Wissen und Erfahrungen werden weitergegeben.

Alles hat seinen Platz

Wer genauer hinsieht, entdeckt zwischen den Pflanzen immer neue Details. Eine gelbe Zucchini hängt kopfüber an der Überdachung herunter, sie darf bleiben, damit Es daraus Saatgut gewinnen kann. Salatpflanzen, die längst hochgeschossen sind, werden nicht einfach entfernt, wie etwa der Pflücksalat namens Teufelszunge: Auch er liefert Samen für die nächste Saison.

Im Boden sind kleine Löcher von Wildbienen zu entdecken. Ein Bienenstock gehört zum Garten sowie eine Wasserstelle für Insekten. Zwischen den Nutzpflanzen wächst Wolfsmilch, eine Pflanze, die gegen Wühlmäuse und Maulwürfe eingesetzt wird. So entsteht kein Garten in Reih und Glied, sondern ein lebendiges Nebeneinander mit System. Nutzpflanzen, Blumen, Bäume, Insekten und Tiere ergänzen sich.

Auch die Hitze dieses Sommers hat der Garten nach Es‘ Einschätzung gut verkraftet. Gegossen wird vor allem morgens. Das Wasser sollte dabei möglichst nicht zu kalt sein. „Überhaupt muss man lernen, die Pflanzen zu beobachten“, sagt der Experte. Nicht jeden Tag automatisch zur Gießkanne greifen – gerade Tomaten vertrügen keine Staunässe.

„Man muss nicht jeden Tag gießen. Man muss schon beobachten, was die Pflanze braucht.“ Was im Garten wächst, landet außerdem nicht zwangsläufig frisch auf dem Teller. Der Gemüsegärtner verarbeitet deshalb seine Ernte, macht Sirup, kocht und friert ein. Zwei Kühlschränke und Gefriertruhen helfen dabei, die Ernte über die Saison hinaus zu bewahren.

An diesem Tag steht Basilikumsirup auf dem Tisch. Die Blätter dürfen nicht mit kochendem Wasser übergossen werden, erklärt der Hobbygärtner. Etwa 60 bis 70 Grad seien besser, sonst könnten Bitterstoffe entstehen. Nach einer Ruhezeit wird der Sud abgeseiht und nach Geschmack gesüßt. Dann reicht Tahsin Es ein Glas zum Probieren. Der Garten ist schließlich nicht nur zum Anschauen da. Die Tomaten glänzen in der Nachmittagssonne. Für den Gartenliebhaber ist noch nicht Schluss. „Ich muss jetzt ernten“, sagt er und verschwindet zwischen den Pflanzen.

KNA
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