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22.01.2026
Frauen haben beim Spenden ihre eigene Agenda.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Wie Frauen viel Geld ausgeben - für gute Zwecke

Milliardenspenden von MacKenzie Scott und Melinda French Gates rücken weibliche Wohltäter ins Rampenlicht. In welcher Tradition stehen ihre Gaben?

Bonn

MacKenzie Scott hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 6,1 Milliarden Euro gespendet. Sie ist die Ex-Frau von Jeff Bezos, mit dem zusammen sie das Unternehmen Amazon aufgebaut hat. Insgesamt hat sie in den vergangenen Jahren bereits mehr als 22 Milliarden Euro an 2.500 Organisationen gegeben. Menschen, die wie sie viel Geld für wohltätige Zwecke spenden, werden auch als Philanthropen bezeichnet.

Melinda French Gates ist ebenfalls eine Ex-Frau – und zwar die des Microsoft-Gründers Bill Gates. Er hat ihr im vergangenen Jahr knapp 7 Milliarden Euro für ihre Stiftung „Pivotal Philanthropies“ ausgezahlt, die damit zu einer der größten privaten Stiftungen in den USA wurde. Melinda French Gates beabsichtigt, sich damit in erster Linie auf sogenannte Frauenthemen auszurichten.

Wie Frauen als Spenderinnen wirken

Frauen wie Gates und Scott stehen in einer langen, aber häufig unsichtbaren Tradition von Philanthropinnen, die mit großem Vermögen gesellschaftliche, soziale und kulturelle Veränderungen angestoßen haben. In vielen Fällen stammt das Vermögen aus unternehmerischen Erfolgen – entweder aus der eigenen Karriere wie bei der US-Moderatorin Oprah Winfrey, aus Beteiligungen am Vermögen eines (Ex-)Partners oder aus dem Erbe wie bei Marlene Engelhorn. Was sich deutlich verändert hat: Frauen erben heute gleichberechtigter und sind durchaus in der Lage, größere Vermögen selbst zu erwirtschaften.

Das „Women’s Philanthropy Institute“ an der Indiana University (USA) beschäftigt sich in einem aktuellen Bericht mit dem weiblichen Geben. Die Philanthropie von Frauen ist demnach sichtbarer, stärker werteorientiert und sensibler für soziale und politische Ereignisse geworden. Frauen spenden häufiger und für ein breiteres Spektrum an Themen, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Gesundheit, Gerechtigkeit und Inklusion.

Als Spenderinnen, Ehrenamtliche und Führungspersönlichkeiten nutzen Frauen ihren Einfluss, um gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben und Gemeinschaften zu stärken. Dafür wurde ein neues Kunstwort geschaffen: Felanthropy, zusammengesetzt aus female (weiblich) und Philanthropy (Philanthropie).

Wer viel Geld hat, kann viel Gutes tun - odet auch nicht.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Historisch betrachtet war Philanthropie für Frauen lange einer der wenigen gesellschaftlich akzeptierten Räume, um öffentlich wirksam zu handeln. In Europa und Nordamerika engagierten sich Frauen bereits im 19. Jahrhundert massiv für soziale Zwecke: Sie gründeten Armenküchen, Bildungsvereine, Krankenhäuser oder Waisenhäuser. Diese Einsatz war jedoch eng an traditionelle Rollenbilder geknüpft: Wohltätigkeit galt als „weibliche Tugend“.

Zugleich hatten Frauen über Jahrhunderte kaum Zugriff auf eigenes Vermögen. Spenden erfolgten häufig im Namen von Ehemännern oder Familien. Mäzenatentum existierte, blieb aber unsichtbar oder wurde als private Mildtätigkeit abgetan. Philanthropische Macht – also die gezielte Steuerung gesellschaftlicher Entwicklungen durch Geld – lag fast ausschließlich bei Männern.

Im 20. Jahrhundert traten zunehmend Frauen als Stifterinnen und Förderinnen auf, zunächst oft in Bereichen wie Bildung, Gesundheit oder Kultur. Gleichzeitig entwickelten sich feministische Bewegungen, die Philanthropie auch kritisch betrachteten: Almosen, so die Kritik, ersetzten keine strukturelle Gerechtigkeit.

Diese Spannung prägt weibliche Philanthropie bis heute. Viele Frauen wollen nicht nur helfen, sondern verändern. Sie fragen nach Ursachen statt Symptomen und stellen Machtverhältnisse in Frage. Wie zum Beispiel die Erbin Marlene Engelhorn: Sie gilt als eine der prominentesten Stimmen einer neuen, systemkritischen Philanthropie im deutschsprachigen Raum. Die Erbin eines Teils des BASF-Vermögens hinterfragt die gesellschaftliche Legitimität großer Privatvermögen grundsätzlich und will den Großteil ihres Erbes – rund 25 Millionen Euro – wieder abgeben.

Kritik an der Wohltätigkeit sehr Reicher

Mit Initiativen wie dem „Guten Rat für Rückverteilung“ überträgt Engelhorn die Entscheidung über die Verwendung des Geldes bewusst an ausgeloste Bürgerinnen und Bürger. Sie versteht ihr Engagement nach eigenem Bekunden nicht als Wohltätigkeit, sondern als Akt demokratischer Umverteilung.

Philanthropen, seien es nun Frauen oder Männer, stehen bei aller Großzügigkeit im Fadenkreuz der Kritik aus unterschiedlichen politischen, akademischen und zivilgesellschaftlichen Richtungen. Der Kernvorwurf lautet: Philanthropie untergrabe demokratische Prozesse. Sehr reiche Menschen entschieden mit privaten Mitteln über gesellschaftliche Prioritäten, etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheit oder Klimapolitik – ohne demokratische Legitimation. Was gefördert werde, hänge vom Willen Einzelner ab, nicht von parlamentarischer, demokratischer Aushandlung.

Die Wohltätigkeit sehr reicher Menschen ist in den Augen von Kritikern also weniger Ausdruck von Großzügigkeit als ein Machtinstrument in ungleichen Gesellschaften. Statt freiwilligem Geben fordern sie daher stärkere Besteuerung, verbindliche Umverteilung und einen handlungsfähigen Sozialstaat. Doch bis es soweit ist, erfüllt Philanthropie trotz berechtigter Kritik durchaus einen Sinn.

KNA

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