Widerspruch gegen Antisemitismus gefordert
Erzbischof Dr. Bentz bei der Jahrestagung der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen.
„Es braucht Menschen, die für dieses Thema brennen, die Solidarität und persönliches Engagement zeigen“, betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz mit Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog, insbesondere auch als Thema im Schulunterricht. Der Paderborner Erzbischof nahm in der Katholischen Akademie Schwerte an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des jüdisch-christlichen Dialogs teil. Diese fand im Rahmen der zweitägigen Jahrestagung der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen im Erzbistum Paderborn (VKRG) in Kooperation mit der Katholischen Akademie Schwerte, dem Institut für Lehrerfortbildung Essen (IfL) und der Abteilung Religionspädagogik im Bereich Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn statt.
Schuld und Verpflichtung
„Das Verhältnis des Christentums zum Judentum zwischen Schuld und Verpflichtung“ lautete das Thema der Jahrestagung, bei der sich an der Podiumsdiskussion außerdem Monika Schrader-Bewermeier (kath. Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn e.V.), Prof. em. Dr. Katharina von Kellenbach und Alexander Sperling (Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe) unter der Leitung von Manuel Rahmann (VKRG Paderborn) und Petra Ritter-Osterfeld (VKRG Paderborn) beteiligten.
Erzbischof Dr. Bentz verwies in der Diskussion unter anderem auf die Mitmach-Kampagne „ZUSAMMEN:HALT!” des Erzbistums Paderborn, die dazu aufruft, gemeinsam ein Zeichen für Frieden und Demokratie und gegen Extremismus zu setzen. Das bedeute auch „Halt!“ zu sagen gegen alle Erscheinungsformen von Antisemitismus. Die Engagierten seien allerdings oft noch zu wenige und es sei wichtig, dass die Menschen „in Aktion kommen“. Diese Notwendigkeit unterstrich Prof. em. Dr. Katharina von Kellenbach. „Schöne Reden allein nützen nichts, es muss Farbe bekannt und eingegriffen werden“, forderte sie mit Bezug auf den dramatisch zugenommenen Antisemitismus in der Gesellschaft.
Alexander Sperling vom Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe beschrieb eine Entwicklung des jüdisch-christlichen Dialogs, der sich bis vor drei Jahren hoffnungsvoll entwickelt habe. Mit dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel, habe sich das „komplett zerschlagen“. „Jüdische Menschen sind in Deutschland aktuell so sehr unter Druck wie seit 80 Jahren nicht mehr“, beschrieb er die Situation. Er würdigte das Engagement der Kirchen dagegen, allerdings richte dies wenig aus gegen eine antisemitische Flut in den Sozialen Medien, insbesondere bei TikTok. „Auf institutioneller Ebene gibt es viel Empathie, aber aus der breiten Masse kommt dagegen nicht viel“, kritisierte Alexander Sperling.
Legitime Kritik oder Antisemitismus
Auf die Frage, wo die Grenze liege zwischen legitimer Kritik an der Politik Israels und israelbezogenem Antisemitismus, nannte Alexander Sperling drei Merkmale: „Delegitimation, doppelte Standards und Dämonisierung.“ Immer, wenn das Existenzrecht Israels in Frage gestellt werde oder auch legitime Kritik in unverhältnismäßig großer Menge und nur in Bezug auf Israel aufsummiert werde, sei eine Grenze überschritten.
Von der Schwierigkeit, das Thema im Unterricht angemessen aufzugreifen, den Dialog zu führen und zugleich israelfeindlichen Äußerungen entgegenzutreten, berichteten mehrere Teilnehmende aus dem Publikum. Alexander Sperling verwies dazu auf „Malmad“ (www.malmad.de), einen virtuellen Methodenkoffer gegen Antisemitismus, der für den Unterricht eingesetzt werden könne. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiums außerdem darüber, dass Begegnungen und die Beschäftigung mit Biografien jüdischer Familien sowie Austauschprogramme mit Israel wichtige Bausteine seien können. Bedeutsam sei darüber hinaus der Blick auf die Gemeinsamkeiten der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam.
pdp