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25.01.2026
Ein Priester spendet einem Mann die Kommunion bei einem Gottesdienst in einer Kapelle in der Kaserne in Koblenz.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Was Militärseelsorge leistet

Neue Studie zeigt hohe Zustimmung / Positiver Einfluss und große Wertschätzung auch bei Konfessionslosen.

Berlin

Was kann und was leistet die Militärseelsorge? Unter dieser Leitfrage hat das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten in einer repräsentativen Umfrage zu Religion und Seelsorge in der Bundeswehr befragt. Insgesamt zeigt sich, dass die Militärseelsorge trotz gesellschaftlicher Säkularisierungstendenzen in den Streitkräften eine enorme Akzeptanz genießt – auch bei konfessionslosen Soldaten. Das großangelegte Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr lief von 2019 bis 2023. Nun ist der Auswertungsband erschienen.

Laut Studie befürworten 91 Prozent der Soldatinnen und Soldaten die Militärseelsorge im Grundbetrieb vor Ort und 95 Prozent bei Auslandseinsätzen. Diese hohen Werte seien stabil und hingen nur bedingt von der persönlichen Religiosität ab. Gut die Hälfte der Befragten hat Angebote der Militärseelsorge bereits in Anspruch genommen und würde dies auch wieder tun. Rund 30 Prozent gaben an, dass die Militärseelsorge ihre Einstellung zu Religion und Kirche positiv beeinflusst habe.

Gottesdienste vor allem im Einsatz gefragt

Mit Blick auf die religiöse „Ansprechbarkeit“ zeigt sich: Sowohl ältere als auch die jüngsten Soldaten (unter 20 Jahren) sind hier besonders offen. Es zeigt sich ferner, dass Gottesdienste, die von der Militärseelsorge angeboten werden, für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten einer der wenigen oder auch der einzige Berührungspunkt mit den institutionalisierten Formen von religiöser Praxis sind. Vor allem im Einsatz wird das Angebot häufig angenommen und auch anderen weiterempfohlen. Insgesamt werden Angebote für einsatzbelastete Soldatinnen und Soldaten und deren Familien mit 64 Prozent am häufigsten empfohlen.

Trotz der von den Befragten mehrheitlich signalisierten religiösen Distanz geben viele auf Nachfrage an, persönliche Schutzrituale zu praktizieren oder Gegenstände als Glücksbringer oder Talismane bei sich zu tragen. Dazu zählen etwa kleine Figuren von Schutzpatronen oder Engeln, Rosenkränze oder Gebetsketten. Diese werden laut Studie besonders gern von katholischen Seelsorgern verschenkt. Bei Soldatinnen sind Tattoos mit spiritueller Bedeutung als Schutzzeichen verbreitet.

Eine neue Studie beschäftigt sich mit der Militärseelsorge.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Es zeigt sich ferner, dass die Akzeptanz für religiöse Pluralität in der Truppe höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Allerdings sinkt sie mit zunehmenden Auslandseinsätzen, ab fünf Einsätzen signifikant. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dort erlebte Konfrontationen und mögliche „moralische Verletzungen“ Ursachen dafür sind – darauf einzugehen, sei eine Aufgabe, bei der sich auch die Militärseelsorge einbringen solle, so die Studie.

Militärseelsorgerinnen und -seelsorger werden laut Befragung vor allem als unabhängige Ratgeber und Vertrauenspersonen wahrgenommen, wobei ihre Stellung außerhalb der militärischen Hierarchie und die absolute Verschwiegenheit für 95 Prozent der Befragten zentral sind. Den verpflichtenden Lebenskundlichen Unterricht (LKU), den die Seelsorger anbieten, halten 77 Prozent der Befragten für wichtig, wobei längere Seminarformate mit Übernachtung die höchste Zufriedenheit (86 Prozent) erzielen.

Die Studie nahm auch die generelle Wertorientierung der Bundeswehrangehörigen in den Blick. Demnach gibt es keine Hinweise auf eine „Sonderethik“. Allerdings ist ihnen Selbstverwirklichung deutlich wichtiger als dem Bevölkerungsdurchschnitt, ebenso die Orientierung, etwas im Beruf zu leisten. Gerade für die jüngeren Befragten haben Fleiß und Ehrgeiz hohe Priorität. Sehr wichtig sind den Soldatinnen und Soldaten auch Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Beitrag zur sozialen Integration

Der Glaube an Gott ist für die Älteren von erheblich größerer Bedeutung als für die Jüngeren. Insgesamt aber habe der Glaube an Gott als Wertorientierung für die Soldatinnen und Soldaten eine noch geringere Bedeutung als für die Gesamtbevölkerung. Bei den Wertorientierungen zeigen sich kaum Unterschiede in Bezug auf Geschlecht, Dienstgrad oder Alter. Auch eine zunehmende Einsatzerfahrung habe – entgegen nahe liegenden Annahmen – nach den vorliegenden Analysen keinen erkennbaren Einfluss darauf.

Die Studie bilanziert: Als „Kirche unter den Soldatinnen und Soldaten“ leiste die Militärseelsorge einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Integration und zur ethischen Orientierung im Sinne des Leitbildes vom Staatsbürger in Uniform. Besonders im Einsatz, wo die Streitkräfte mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert sind, gewinnt sie zusätzlich an Bedeutung. Für die Zukunft werde entscheidend sein, ob die Kirchen das notwendige Personal bereitstellen können und die Bundeswehr die notwendigen Freiräume für diese besondere Form der Seelsorge dauerhaft sichere.

KNA
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