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26.03.2024

Ukrainischer Theologe Hovorun nimmt Papst in Schutz

„Mut zur weißen Fahne“ hatte Franziskus der Ukraine geraten und damit Empörung ausgelöst. Der ukrainische Theologieprofessor Cyril Hovorun verteidigt nun den Papst

Franziskus' Interview-Aussage, die Ukraine möge "Mut zur weißen Fahne" haben, hatte vor gut zwei Wochen in Kiew und international viel Kritik ausgelöst.
Foto / Quelle: KNA
Kiew

Der orthodoxe Theologe Cyril Hovorun wirbt angesichts des russischen Angriffskriegs für eine weitere Zusammenarbeit seines Heimatlands Ukraine mit Papst Franziskus. Statt das Oberhaupt der katholischen Kirche zu verfluchen, sollte die Ukraine weiter mit ihm kooperieren, sagte der Stockholmer Theologie-Professor dem Kiewer Nachrichtenportal „Ukrajinska Prawda“. „Es ist wichtig zu verstehen: Franziskus ist unser Verbündeter. Ein unbeständiger, launischer, aber ein Verbündeter.“

Der aus Argentinien stammende Papst sei zudem „unser wichtigster Fürsprecher im globalen Süden“, so Hovorun. Dort werde Franziskus sehr viel Gehör geschenkt. Zwar müsse Kiew hart auf manche seiner Äußerungen reagieren. Aber man sollte so intervenieren, dass die Brücken zu ihm nicht zerstört würden.

Franziskus‘ Interview-Aussage, die Ukraine möge „Mut zur weißen Fahne“ haben, hatte vor gut zwei Wochen in Kiew und international viel Kritik ausgelöst. Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte, der Papst habe „vor allem zu einem Waffenstillstand aufrufen und den Mut zu Verhandlungen wiederbeleben“ wollen. Vor allem in Osteuropa meldeten sich Regierungen zu Wort und wiesen die Äußerungen des Papstes vehement zurück.

Vatikan engagiere sich weiter für einen Austausch von Kriegsgefangenen

Laut Hovorun kennt Franziskus die Ukraine besser als umgekehrt das Land ihn. Der Theologe stellte fest, dass die Vermittlungsbemühungen des Vatikans für einen Waffenstillstand bisher keinen Erfolg gehabt hätten. Aber der Vatikan engagiere sich weiter für einen Austausch von Kriegsgefangenen zwischen Russland und der Ukraine und die Rückkehr verschleppter ukrainischer Kinder in ihre Heimat. „Das machen sie gut, und dafür sollten wir dem Heiligen Stuhl dankbar sein“, so der orthodoxe Geistliche.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hatte Hovorun Ende 2023 die Priesterwürde aberkannt, nachdem dieser gegen die Unterstützung der russisch-orthodoxen Kirche für den Angriffskrieg protestiert hatte. Seit 2022 ist Hovorun auch Gastprofessor an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

(KNA)
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