2 Min.
01.04.2026
Benjamin Dahlke, Theologe an der Katholischen Universität Eichstätt.
Foto / Quelle: Christian Klenk/KNA

Theologe Dahlke erklärt die Botschaft des Karfreitags heute

Tanzverbot, Grillfest, Gottesdienst: Benjamin Dahlke erklärt, warum der stille Feiertag heute an Bedeutung verliert.

Bonn

Kirchengemeinden sind laut dem Eichstätter Theologen Benjamin Dahlke gefordert, neue Formen zu finden, um die Botschaft des Karfreitags aktueller zu präsentieren. „Man kann nicht einfach nur sagen: Der Karfreitag ist ein Feiertag, und der muss bleiben, weil die Gewerkschaften das auch gut finden. Man muss es inhaltlich mehr füllen“, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dahlke sagte, in den Kirchen sei noch viel zu tun, um den Karfreitag im Bewusstsein zu halten und sein Potenzial zu erschließen. Damit der Feiertag auf Dauer eine Bedeutung habe, könnten Kirchengemeinden zum Beispiel mehr in die Öffentlichkeit gehen, indem sie aktuellere Formate musikalischen Passionsgedenkens anböten -, bei denen auch jüngere Menschen gut anknüpfen könnten.

In von Fernsehsendern öffentlich inszenierten Karfreitagsveranstaltungen gehe es andernorts um Verrat, Leid, Liebe und das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle. „Da wird der Karfreitag genommen, um zu schauen: Wie geht es in unserem Leben, wie geht es in unserer Gesellschaft mit dem, was Jesus am Karfreitag erlebt hat?“, sagte Dahlke.

Den Karfreitag ernst nehmen

Der Frage, was der Karfreitag den Menschen heute noch zu sagen hat, geht Dahlke in einem Buch nach, das er aktuell gemeinsam mit Josefa Woditsch herausgegeben hat. Gegenüber der KNA fasst er zusammen: „Das Leiden Jesu am Kreuz, die Vereinsamung, Isolierung und Gottferne, die er vielleicht erlebt hat – das sind Dinge, die mit unserem eigenen Leben viel zu tun haben.“ So werde an Karfreitag etwas deutlich, was das menschliche Leben und Sterben betreffe.

In der Karfreitagsliturgie sollte aus seiner Sicht „das Herbe des Todes“ deutlich werden, ohne das Leid zu schnell mit der positiven Osterbotschaft zu relativieren. „Wenn man den Karfreitag ernst nimmt, bedeutet er eine Unterbrechung unseres normalen Tuns.“ Anstatt zu feiern, könne der Mensch an diesem Tag wahrnehmen, wie isoliert und verletzlich er sei. „Das sind ja Dinge, die wir in unserem normalen Alltag gerne zuschütten“, so Dahlke.

Der Karfreitag biete die Chance, neu wahrzunehmen, wie endlich das Leben ist. Er zeige, dass es wichtig sei, darüber nachzudenken: „Was mache ich eigentlich mit meiner Zeit? Wie kann ich im Bewusstsein des Todes vielleicht noch mal besser leben?“ Wer darüber ernsthaft nachdenke, lebe seinen Alltag anders.

KNA

Buchtipp

Benjamin Dahlke und Josefa Woditsch (Hrsg.): Karfreitag. Theologie – Liturgie – Praxis, erschienen in der Reihe wbg Academic im Verlag Herder, 384 Seiten, ISBN: 978-3-534-64286-1

0 Kommentare
Älteste
Neuste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen