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03.03.2026
Religionen verlieren bei jüngeren Erwachsenen weltweit an Bedeutung.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Studie: Bedeutung von Religion nimmt weltweit ab

In vielen Ländern zeigen junge Menschen weniger Interesse an Religion. Dieser Wandel folgt einem erstaunlich einheitlichen Muster.

Lausanne

Ein globaler Trend: Religion verliert weltweit an Bedeutung – vor allem von Generation zu Generation. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der Universität Lausanne, der Universität Oxford und des Pew Research Center, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde.

Zwischen 2008 und 2023 wurden Umfragedaten aus mehr als 100 Ländern ausgewertet. Drei zentrale Aspekte wurden untersucht: wie religiös Menschen sind, wie wichtig Religion für sie ist und ob sie sich einer Religion zugehörig fühlen. Der Vergleich zwischen jüngeren Erwachsenen (18 bis 39) und älteren Erwachsenen (40 plus) zeigt ein klares Bild: Jüngere sind fast überall weniger religiös als Ältere.

Der langsame Rückzug der Religion

Die Forscher beobachteten demnach weltweit einen ähnlichen Ablauf. Zuerst besuchten junge Menschen seltener Gottesdienste oder andere religiöse Treffen. Danach sagten viele, dass Religion in ihrem Leben nicht mehr so wichtig sei. Erst später gaben sie auch an, keiner Religion mehr anzugehören. Nach den Ergebnissen der Studie verläuft der religiöse Wandel weltweit in diesen drei Phasen in einem langfristigen, etwa 200 Jahre andauernden Prozess.

Manche Länder seien allerdings erst vor Kurzem in diesen Prozess eingetreten, heißt es. Ein unerwartetes Ergebnis: „Zunächst war ich sehr froh über die Idee, dass sich die Daten als Ausdruck eines einheitlichen Prinzips interpretieren lassen. Überraschend war dann, wie gut das Modell tatsächlich funktioniert – auf allen Kontinenten und auch in Ländern mit buddhistischer, hinduistischer oder muslimischer Tradition. Das hatten wir so nicht erwartet,“ so Jörg Stolz, Erstautor der Studie.

In der frühen Phase zeigt sich laut Studie der Unterschied der Generationen vor allem an der Teilnahme am Gottesdienst: Junge Menschen gehen zwar weniger oft hin, aber beide Altersgruppen finden Religion immer noch wichtig und fühlen sich religiös zugehörig. Dies ist hauptsächlich in afrikanischen Ländern zu beobachten. Ein Beispiel ist demnach Senegal: Dort nehmen 78 Prozent der älteren Erwachsenen wöchentlich an Gottesdiensten teil. Jüngere tun dies deutlich seltener – die Wahrscheinlichkeit liegt um 14 Prozentpunkte niedriger. Dennoch betrachten sowohl junge als auch ältere Menschen Religion weiterhin als sehr wichtig, und nahezu alle identifizieren sich als Muslime.

In Ländern, in denen Religion eine mittlere Bedeutung hat, zeigten sich Unterschiede zwischen den Generationen in allen drei Bereichen: Teilnahme, Bedeutung und Mitgliedschaft. Die jüngere Generation nahm demnach weniger an Gottesdiensten teil, fand Religion weniger wichtig und gehörte seltener einer Religion an. Beispielhaft dafür sind demnach die USA und viele Länder in Amerika und Asien.

In der dritten Phase unterscheiden sich die Generationen vor allem noch in der religiösen Zugehörigkeit. Die religiöse Praxis und die persönliche Bedeutung von Religion sind dann bereits in allen Altersgruppen auf niedrige Werte gesunken. Deutschland sowie andere westeuropäische Länder wie etwa Dänemark und Österreich gehören nach den Ergebnissen der Studie zu dieser Gruppe. Der wichtigste Unterschied zwischen Jung und Alt besteht hier darin, dass sich Jüngere deutlich häufiger als konfessionslos bezeichnen.

Rückgang auch in sehr religiösen Regionen

Bemerkenswert sei, so die Autoren, dass der Wandel nicht auf Europa oder den Westen beschränkt ist. Selbst in sehr religiösen Regionen zeigt sich ein erster Rückgang – häufig zunächst bei der Teilnahme an religiösen Feiern. Auch in Ländern mit starkem religiösem Hintergrund wie Polen, Chile oder Uruguay sind die Unterschiede zwischen den Generationen inzwischen deutlich sichtbar. Mehrheitlich muslimische Länder befinden sich derzeit überwiegend in der ersten oder zweiten Phase. Ob sie langfristig ebenfalls die dritte Phase erreichen, lässt sich laut den Forschenden noch nicht sagen.

Auffällig ist außerdem, dass der Wandel fast überall generationenbedingt verläuft. Nicht einzelne Menschen werden im Laufe ihres Lebens deutlich weniger religiös. Stattdessen wachsen jüngere Generationen von Anfang an mit größerer Distanz zur Religion auf.

Ganz einheitlich verläuft die Entwicklung jedoch nicht. In einigen osteuropäischen Ländern gewann Religion nach dem Ende des Kommunismus wieder an Bedeutung. Und in Israel sind jüngere Menschen teilweise religiöser als Ältere. Gründe sind demnach unter anderem die sicherheitspolitische Lage sowie hohe Geburtenraten in stark religiösen Bevölkerungsgruppen. Solche Beispiele zeigen laut Studienautoren: Geschichte, Politik und gesellschaftliche Rahmenbedingungen können den Verlauf des religiösen Wandels beeinflussen.

KNA

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