Richtig Loben - Psychologen geben Tipps nach dem WM-Aus
Bundeskanzler Merz hat sich damit nach dem WM-Aus in die Nesseln gesetzt. Wie man es aus psychologischer Sicht besser machen kann.
Richtig loben will gelernt sein: Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach seinem Post auf „X“ zum WM-Ausscheiden der deutschen Kicker zu spüren bekommen. Sein Post falle auf, „weil er in einem krassen Missverhältnis zu dem steht, was der Rest der Republik auf dem Spielfeld gesehen hat“, sagte Psychologin Myriam Bechtoldt am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Merz‘ Statement decke sich nicht „mit der von anderen wahrgenommenen Realität“.
Es sei zwar grundsätzlich richtig und wichtig, einer Mannschaft auch nach einem Scheitern Wertschätzung entgegenzubringen, erklärte Sportpsychologe Darko Jekauc. Entscheidend sei aber, „dass diese Wertschätzung zur emotionalen Lage passt“. Nach einem enttäuschenden Ausscheiden könnten dies Frustration und Ärger sein. „Wenn man in dieser Situation zu schnell zu stark lobt, kann das so wirken, als würde das Scheitern relativiert oder schön geredet.“
"Aus Diskrepanz entsteht Häme"
Jekauc hält die Formulierungen von Merz für problematisch, weil diese sehr positiv seien. „‚Was für ein Spiel‘, ‚unser Land begeistert‘ und ‚Wir sind stolz auf euch‘ klingen nach einer großen emotionalen Zustimmung.“ Wenn viele Menschen das Spiel aber vor allem als Enttäuschung erlebt hätten, entstehe eine Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und politischer Botschaft. „Genau aus dieser Diskrepanz kann dann Häme entstehen.“
Mit solch einem Lob tue man auch den Spielern nichts Gutes – „die wissen ja selbst, dass es nicht gut war“, sagt Arbeitspsychologin Bechtoldt. Die Aussage des Bundeskanzlers sei sehr allgemein gehalten, und es fehle der Bezug zum Spiel. Wer loben wolle, sollte Gutes stattdessen konkret benennen, erklärte die Expertin für Emotionale Intelligenz.
Und er sollte laut Bechtholdt ehrlich sein. Statt unspezifischem Lob empfiehlt sie Merz eine Formulierung wie: „Ich weiß, dass Ihr großartig spielen könnt, Ihr habt es in der Vergangenheit gezeigt, und Ihr werdet es auch in Zukunft wieder können – aber gestern hat es nicht gereicht.“ Man dürfe die Wahrheit durchaus benennen, ohne sich dabei vom anderen abzuwenden.
Dies gelte auch für Eltern. „Wer sagt: ‚Du bist ein hochbegabtes Kind‘, auch wenn es eine Fünf nach der anderen schreibt, löst einen Widerspruch, eine Inkongruenz, im Selbsterleben aus.“ Das Kind frage sich dann: Was ist denn nun wahr?, erklärte Bechtoldt, die an der EBS Universität im hessischen Oestrich-Winkel lehrt.
Drei Elemente
Angemessenes Lob nach einer Niederlage sollte aus Sicht von Sportpsychologe Jekauc drei Elemente enthalten: Die Enttäuschung sollte klar benannt werden. Dennoch sei sinnvoll, konkret zu würdigen, was trotz des negativen Ergebnisses anerkennenswert gewesen sei – wie „Einsatz, Zusammenhalt, Haltung oder einzelne gute Phasen“. Und es gelte, den Blick wieder nach vorne richten, „ohne die notwendige Analyse zu überspringen“.
Merz hatte nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft auf Twitter geschrieben: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“