Papst Leos XIV. bislang längste Reise geht nach Afrika
11 Tage, 4 Länder, 18 Flüge, über 16.000 Kilometer
Nie zuvor besuchte ein Papst Algerien. Doch Leo XIV. war bereits zwei Mal im größten Land Nordafrikas – als Leiter des Augustinerordens. In dem weitgehend muslimischen Algerien liegen die Wurzeln seines Ordens. Der heilige Augustinus wurde 354 im heutigen Souk-Ahras geboren, und starb 430 in seiner Bischofsstadt Hippo Regius. In der Spätantike war die Region christlich geprägt, bei seiner Reise wird Leo XIV. aber auf wenige Katholiken treffen, sie machen nur etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung aus.
Algerien ist die erste Station von Leos XIV. bislang längster Auslandsreise. Vom 13. bis zum 23. April besucht er vier Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Nach Nordafrika folgt Kamerun, dann Angola und zum Abschluss Äquatorialguinea. So legt er über 16.000 Kilometer auf 18 Flügen zurück.
Dialog zwischen Christen und Muslimen
Europas Kolonialherrschaft wirkt in allen vier Ländern bis heute nach. In Algerien ist sie mit für die geringe Zahl der Katholiken verantwortlich. Nach der blutig erkämpften Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962 verließen hunderttausende Algerienfranzosen, meist Christen, das Land.
Heute ist die katholische Kirche in Algerien als einzige christliche Gemeinschaft offiziell registriert. Sie erfährt zwar weniger Einschränkung als die protestantischen Kirchen, im Jahr 2022 wurde jedoch ihr Sozialdienst Caritas geschlossen. Beim Papstbesuch werden darum der Dialog zwischen Muslimen und Christen sowie die Stärkung der lokalen Katholiken im Vordergrund stehen.
In Kamerun hat die Aufteilung der einst deutschen Kolonie unter Frankreich und Großbritannien bis heute Folgen. Seit Jahrzehnten schwelt ein Konflikt zwischen der frankophonen Zentralregierung und den kleineren anglophonen Teilen des Landes, deren Bevölkerung sich Benachteiligung ausgesetzt sieht. 2017 kam es zur Eskalation: Über Jahre lieferten sich Separatisten Kämpfe mit Sicherheitskräften der Regierung; Tausende starben, mehr als eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht. Von der unsicheren Lage profitieren heute kriminelle Banden.
Mit einem Friedenstreffen im anglophonen Bamenda will Leo XIV. die Menschen in Dialog bringen. Kameruns Bischöfe hoffen darauf, dass der Besuch die Einheit des vielfältigen Landes fördert, in dessen Norden die islamistische Terrorgruppe Boko Haram immer wieder Anschläge verübt. Der Papst wird darüber vermutlich auch mit dem weltältesten Staatschef sprechen. Der 93-jährige Paul Biya regiert das Land seit 1982, Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt.
Angola: Messe in chinesischer Retortenstadt
Sein angolanischer Amtskollege João Lourenço steht ebenfalls wegen Einschränkungen der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit in der Kritik. Immer wieder kommt es wegen Inflation und sozialer Ungleichheit zu Streiks und Demonstrationen gegen ihn. Er übernahm 2017 das Amt von Parteigenosse José Eduardo dos Santos, der das Land seit 1979 regierte. In dessen Amtszeit fiel der lange Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit von Portugal, der erst 2002 endete.
Das Land ist zwar reich an Rohstoffen wie Erdöl und Diamanten, trotzdem gilt die Hälfte der knapp 38 Millionen Einwohner als arm. Die Perspektivlosigkeit ist besonders unter jungen Menschen groß, die unter 24-Jährigen machen 64 Prozent der Bevölkerung aus. Auf viele von ihnen dürfte Papst Leo XIV. bei seiner Messe in Kilamba treffen. Die von China gebaute Retortenstadt liegt rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Luanda entfernt und bietet günstige Sozialwohnungen, die lange abbezahlt werden können.
Zudem reist das Kirchenoberhaupt in die knapp 800 Kilometer entfernte Stadt Saurimo, in die viele Menschen während des Bürgerkriegs geflohen sind. Dort, an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo, liegt auch eine der größten Diamantminen der Welt. Leo XIV. trifft in Angola fast ausschließlich Katholiken, ihr Bevölkerungsanteil liegt bei etwa 40 Prozent. Zudem ist die katholische Kirche stark im Bildungs- und Gesundheitswesen engagiert – auch das soll der Papstbesuch hervorheben.
Noch katholischer ist Äquatorialguinea, denn knapp 75 Prozent der rund 1,6 Millionen Einwohner sind Katholiken. Groß ist auch hier die Rolle der Kirche bei Bildung und Gesundheit. Dem trägt Leos XIV. Reiseprogramm Rechnung: Der frühere Mathe- und Physiklehrer besucht einen nach ihm benannten Campus der Nationaluniversität sowie eine technische Schule, die den Namen seines Vorgängers Franziskus trägt. Johannes Paul II. besuchte das einzige spanischsprachige Land Afrikas im Jahr 1982 als erster Papst.
Der Staat von der Größe Brandenburgs wird seit 1979 von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo diktatorisch regiert. Seinen Nachfolger hat er auch schon bestimmt: Es wird sein Sohn und aktueller Vizepräsident Teodoro Nguema Obiang Mangue, der in Frankreich wegen Geldwäsche und der Veruntreuung von öffentlichen Geldern verurteilt wurde.
Papst der diplomatischen Töne
Weite Teile der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze – Tendenz steigend. Und auch in Äquatorialguinea sind Grundfreiheiten stark eingeschränkt. Papst Leo XIV. wird Gefängnisinsassen in Bata, der größten Stadt des Landes, besuchen. Ebenso gedenkt er der Opfer einer großen Explosionsserie im Jahr 2021, bei der über 100 Menschen starben und viele ihr Zuhause verloren. Eine Stadionmesse in der alten Hauptstadt Malabo wird sein letzter Akt auf dem afrikanischen Kontinent sein, bevor er nach Rom zurückkehrt.
Wie deutlich sich Leo XIV. zur politischen Situation in den Besuchsländern äußern wird, ist ungewiss. Anders als sein Vorgänger Franziskus, der den Kontinent zuletzt Anfang 2023 besuchte, zeigt sich der gebürtige US-Amerikaner bislang oft zurückhaltend bei politischen Themen und äußert sich meist diplomatisch und versöhnlich. Um in den Ländern und bei ihren Machthabern deutliche Spuren zu hinterlassen, müsste er andere Töne anschlagen.
KNA