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02.04.2026
Papst Franziskus starb vor einem Jahr.
Foto / Quelle: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Papst Franziskus' Stimme bleibt

Franziskus war ein Mahner gegen den Krieg und für den Frieden. Auch ein Jahr nach seinem Tod berühren seine Worte weiterhin Millionen.

Vatikanstadt

„Non rassegniamoci alla guerra“ hallt Papst Franziskus‘ Stimme durch das altehrwürdige Ariston-Theater in San Remo: Finden wir uns sich nicht mit dem Krieg ab! Ende Februar 2026 mahnt er das Millionenpublikum von Italiens berühmtestem Musikfestival eindringlich. Die Stimme des Mannes, der bereits seit 2014 vor dem Dritten Weltkrieg warnte, ist auch nach seinem Tod am 21. April 2025 – damals Ostermontag – nicht verstummt. Seine warnenden Worte und klaren Friedensappelle sind aktueller denn je.

Der am 17. Dezember 1936 im argentinischen Buenos Aires geborene Papst bleibt auch posthum populär. Nach wie vor ist sein Gesicht auf Postkarten, Kalendern und Magneten in den zahlreichen Souvenirläden der Ewigen Stadt zu sehen. Der Besuch seines Grabes bleibt für viele Rombesucher obligatorisch, auch wenn der Massenandrang in der Basilika Santa Maria Maggiore abgeebbt und die Absperrung drei hölzernen Kniebänken gewichen ist. Noch Monate nach seinem Tod standen Menschen lange an, um kurz an der Grabstätte aus weißem Marmor zu verweilen. Drängelgitter schlängelten sich über den großen Platz hinter der Kirche nahe dem römischen Hauptbahnhof.

Langes Leiden

Weltweit hatten die Menschen Anteil genommen an Franziskus‘ Tod und seiner vorangegangenen langen Leidenszeit. Die letzten Monate des am 12. März 2013 gewählten Kirchenoberhaupts waren geprägt von Krankheit und seinem bis dato längsten Klinikaufenthalt. 38 Tage verbrachte der 88-Jährige aufgrund einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung in der päpstlichen Krankenwohnung der römischen Gemelli-Klinik.

Während täglich Fotografen und Journalisten vor dem Krankenhaus auf ein Lebenszeichen warteten, kamen allabendlich Menschen auf dem Petersplatz zusammen, um für seine Genesung zu beten. Genau dort hörten die Menschen nach drei Wochen ohne persönliches Lebenszeichen wieder die Stimme des Papstes. Schwach und nach Luft ringend dankte Franziskus den Menschen in einer Audiobotschaft für ihre Gebete.

Zehn Tage später veröffentlichte der Vatikan erstmals ein Foto, das ihn in eingesunkener Sitzhaltung schräg von hinten zeigte. Sein Gesicht war nicht zu sehen, wohl aber seine stark geschwollene rechte Hand. Wiederum eine Woche später wurde der Papst für eine zweimonatige Erholungsphase in den Vatikan entlassen. Doch einmal aus der Klinik, tat Franziskus das, was während seiner gesamten Amtszeit sowohl den eigenen Apparat als auch die Medienvertreter auf Trab hielt: was er wollte. Kontrollieren ließ sich der eigenwillige Südamerikaner nie.

Papst Leo XIV. legt Blumen nieder am Grab von Papst Franziskus.
Foto / Quelle: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

So „durchschritt“ er die Heilige Pforte des Petersdoms mit seinem Rollstuhl, überraschte Pilger während einer Messe auf dem Petersplatz mit einem Spontan-Auftritt, besuchte seine römische Lieblingskirche Santa Maria Maggiore und empfing heimlich das britische Königspaar.

Einen legendären Auftritt hatte sich der gebürtige Argentinier auch bis kurz vor seinem Tod aufgespart: Bedeckt mit einem weiß-grün gestreiften Poncho ließ er sich für ein kurzes Gebet in den Petersdom schieben. Dort begrüßte er überraschte Besucher und segnete Kinder – genauso wie bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am Ostersonntag.

Weniger als 24 Stunden vor seinem Tod spendete er noch den wichtigen Segen „Urbi et orbi“ und ließ seine hochpolitische Osteransprache verlesen. Ein letztes Mal mahnte er darin Dialog und Frieden an und erinnerte an Kriege und Konflikte weltweit. Dann drehte er die finale Runde im Papamobil auf dem Petersplatz. An Ostermontag um 7.35 Uhr hörte sein Herz auf zu schlagen – und die Welt verabschiedete sich vom ersten Lateinamerikaner und ersten Jesuiten auf dem Papstthron.

Über 250.000 Menschen kamen zu seiner schlichten Trauerfeier auf dem Petersplatz. In Deutschland verfolgte fast jeder Vierte die Zeremonie, in der Franziskus seinen Kardinaldekan Giovanni Battista Re noch einmal seine beständigen Mahnungen für Frieden und den Einsatz für die Schwächsten vortragen ließ.

Hochpolitische Trauerfeier

Die Adressaten waren in großen Teilen selbst dabei: Am Requiem unter freiem Himmel vor dem Petersdom nahmen Vertreter von mehr als 30 christlichen Kirchen und aus über 150 Staaten teil, darunter 12 gekrönte Häupter, 52 Staatsoberhäupter und zahlreiche Regierungschefs, auch aus verfeindeten oder in Konflikten stehenden Staaten wie Israel, Palästina und Iran oder Indien und Pakistan. Am Rand der Feier trafen sich US-Präsident Donald Trump und sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj zu einem spontanen Gespräch im Petersdom.

Gemäß seinem Wunsch wurde Franziskus in Santa Maria Maggiore außerhalb der ihn so lange einengenden Vatikanmauern beigesetzt – nach einer allerletzten Fahrt mit dem Papamobil durch Rom. Knapp zwei Wochen später wurde mit Leo XIV. ein Nachfolger gewählt, der wohl nach Franziskus‘ Geschmack war.

Doch vergessen ist der Argentinier nicht. Neben seinem Kurzauftritt beim Musikfestival San Remo widmen sich Bücher und Kunstausstellungen seinem Gedenken; der Trailer eines kommenden Kinofilms beginnt mit der Aufnahme eines Treffens mit dem Papst im Vatikan. Wenige Monate nach seinem Tod wurde ein Krankenhaus in Süditalien nach ihm benannt. Und nicht zuletzt Leo XIV. zitiert seinen Vorgänger regelmäßig und in den verschiedensten Zusammenhängen. Franziskus ist tot, aber seine Stimme bleibt.

KNA

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