Papst betont Gemeinsamkeit von Christen und Muslimen
Während am Persischen Golf Krieg geführt wird, predigt Papst Leo XIV. in Algerien den Frieden. Auch zur Wirtschaft äußert er sich.
Papst Leo XIV. hat zum Auftakt seiner Afrikareise die Gemeinsamkeit von Muslimen und Christen im Glauben an den einen Gott betont. In einer Ansprache an Vertreter von Regierung, Diplomatie und Zivilgesellschaft sagte er am Montag in Algier: „Wir sind Brüder und Schwestern, weil wir denselben Vater im Himmel haben.“
Weiter sagte der Papst in seiner auf Englisch gehaltenen und ins Arabische übersetzten Rede: „In einer Welt voller Konflikte und Missverständnisse wollen wir einander begegnen und versuchen, einander zu verstehen, in der Erkenntnis, dass wir eine einzige Familie sind!“ Er unternehme seine Reise als „Zeuge des Friedens und der Hoffnung, nach denen sich die Welt zutiefst sehnt“.
Der Papst, der vor seiner Wahl bereits zweimal Algerien bereist hatte, lobte das algerische Volk für seine Gastfreundschaft, die tief in der arabischen und in der berberischen Kultur verwurzelt sei. Zugleich betonte er die Tugenden der Barmherzigkeit und des Gerechtigkeitssinns. „Ungerecht ist, wer Reichtümer anhäuft und anderen gegenüber gleichgültig bleibt“, erklärte er. „Eine Religion ohne Barmherzigkeit und ein gesellschaftliches Leben ohne Solidarität sind in den Augen Gottes ein Skandal.“
Kritik am Neokolonialismus
Der Papst fuhr fort mit einer Kritik an den wirtschaftlichen Großmächten der Gegenwart: „Viele Gesellschaften, die sich für fortschrittlich halten, stürzen immer tiefer in Ungleichheit und Ausgrenzung“, so Leo XIV. „Die Menschen und Organisationen, die über andere herrschen – das weiß Afrika nur zu gut -, zerstören die Welt.“ Er kritisierte „fortwährende Verstöße gegen das Völkerrecht und neokoloniale Versuchungen“ in der Gegenwart.
Die Verantwortlichen seien „nicht dazu bestimmt, zu beherrschen, sondern dem Volk und seiner Entwicklung zu dienen“. Politisches Handeln habe seinen Maßstab in der Gerechtigkeit, ohne die es keinen wahren Frieden gebe. „Es findet seinen Ausdruck in der Förderung gerechter und würdiger Lebensbedingungen für alle.“ Dazu wolle die katholische Kirche beitragen, so der Papst.
„Lasst uns die Oasen des Friedens vermehren, die Ursachen der Verzweiflung anprangern und beseitigen, gehen wir gegen diejenigen vor, die aus dem Unglück anderer Profit schlagen!“, sagte Leo XIV. „Denn die Gewinne derer, die mit dem menschlichen Leben spekulieren, dessen Würde unantastbar ist, sind unrechtmäßig.“
KNA