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09.03.2026
Der Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9 von Realschulen in Erzbischöflicher Trägerschaft verbindet Kunst, Religionspädagogik und digitales Lernen. (V.l.n.r.) Roland Karrasch, Carmen Matery-Meding und Dr. Christoph Stiegemann. Es fehlt Dr. Saskia Breuer.
Foto / Quelle: Anna-Sophie Meyer / Erzbistum Paderborn

Mitgefühl in der digitalen Welt

Neuer Schul-Wettbewerb „In-Motion“ verbindet Kunst, Religion und Medienethik.

Erzbistum Paderborn

Wenn Jugendliche online beleidigt, ausgegrenzt oder manipuliert werden, hat das Folgen. Hate Speech, Cybermobbing, Deepfakes und digitale Desinformation zählen inzwischen zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnen digitale Medien und KI neue Chancen für Kreativität, Beteiligung, Gemeinschaft und Arbeitswelt. Vor diesem Hintergrund startet im Erzbistum Paderborn das innovative Bildungsprojekt „In-Motion – Mitgefühl in der digitalen Welt“.

Der Wettbewerb, initiiert durch Dr. Saskia Breuer Schulrätin i.K. und Religionspädagogin im Erzbistum Paderborn und Roland Karrasch, Studiendirektor i.K. und zuständiger Vertreter der kirchlichen Schulaufsicht des Erzbistums Paderborn in Kooperation mit dem Verein für Christliche Kunst in der Kirchenprovinz Paderborn (VCK), richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9 von Realschulen in erzbischöflicher Trägerschaft. Er verbindet Kunst, Religionspädagogik und digitales Lernen. Ziel ist es, junge Menschen nicht nur technisch medienkompetent zu machen, sondern sie auch emotional, ethisch und kreativ für einen verantwortungsvollen Umgang im digitalen Raum zu sensibilisieren.

Wettbewerb mit pädagogischer Innovation

Das Projekt basiert auf dem modernen Unterrichtsansatz „Deeper Learning“. Er fördert selbstorganisiertes, projektorientiertes und lebensnahes Lernen. Die Jugendlichen entwickeln eigenständig künstlerische Projekte – von Kurzfilmen über Kunstwerke bis hin zu digitalen Formaten – und setzen sich dabei kritisch mit Fragen von Mitgefühl, Respekt, Empathie und digitaler Verantwortung auseinander. Denkbar sind beispielsweise Filmprojekte über Cybermobbing, Installationen zum Thema Einsamkeit im Netz oder digitale wie analoge Kunstwerke, die Empathie sichtbar machen.

„Mitgefühl ist keine sentimentale Idee, sondern eine gesellschaftliche Schlüsselkompetenz. Das gilt besonders in Zeiten digitaler Beschleunigung und emotionaler Entkopplung“, betont Professor Dr. Christoph Stiegemann, Erster Vorsitzender des VCK. „Mit ‚In-Motion‘ geben wir jungen Menschen die Möglichkeit, Mitgefühl nicht nur zu diskutieren, sondern kreativ sichtbar und erfahrbar zu machen.“

Kunst spielt im Projekt eine zentrale Rolle: als Ausdrucksform, als Reflexionsraum und als Medium gesellschaftlicher Debatte. „Kunst erlaubt Jugendlichen, komplexe Gefühle und Konflikte sichtbar zu machen, auch jene, die sich hinter Avataren, Likes und Chatverläufen verbergen“, erklärt Carmen Matery-Meding, Diözesanbaumeisterin und Vorstandsmitglied des VCK. „Der Wettbewerb eröffnet einen Raum, in dem junge Menschen ihre digitale Realität ernst genommen sehen. Dabei ohne Belehrung, aber mit echter Wertschätzung für ihre Perspektiven.“

Religion, Ethik und digitale Verantwortung

Das Projekt knüpft bewusst an religiöse und ethische Fragestellungen an, verzichtet jedoch auf moralische Vorgaben und setzt stattdessen auf Dialog, Reflexion und eigenständige Urteilsbildung. „Mitgefühl ist ein zentraler Wert des christlichen Menschenbildes und zugleich eine Schlüsselkompetenz für das Zusammenleben in digitalen Räumen“, sagt Dr. Breuer. „Jugendliche lernen, hinter Profilbildern wieder Menschen mit Würde, Verletzlichkeit und Verantwortung zu sehen und ihre eigenen Standpunkte kritisch zu reflektieren.“

Nach einer digitalen Kick-off-Veranstaltung Anfang März mit Professorin Dr. Britta Klopsch vom Institut für Schulpädagogik und Didaktik (ISD) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bei der die teilnehmenden Schulen in das Projekt, den Wettbewerbsrahmen und den pädagogischen Ansatz des „Deeper Learning“ eingeführt werden, beginnt die mehrmonatige Arbeitsphase. Begleitet von Kunst- oder Religionslehrkräften arbeiten die Schülerinnen und Schüler dann entweder in Klassen, Gruppen oder einzeln an ihren Projekten. Der Lernprozess wird in Logbüchern dokumentiert, sodass neben dem künstlerischen Endprodukt auch Reflexion, Teamarbeit und Eigenständigkeit in die Bewertung einfließen. Abgabeschluss ist vor den Herbstferien 2026. Die Initiatoren des Projektes kümmern sich auf Wunsch um den Transport von analogen Kunstwerken, die nicht übersendet werden können.

Anschluss an aktuelle gesellschaftliche Debatten

Eine Fachjury bewertet die eingereichten Arbeiten sowohl nach ihrer künstlerischen Qualität als auch nach der Tiefe des Lernprozesses. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 5.000 Euro vergeben. Anzahl und Staffelung der Preise richten sich nach der Zahl der eingereichten Beiträge. Besonders gelungene Projekte werden im Rahmen einer Wanderausstellung im Erzbistum Paderborn der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung startet voraussichtlich im späten Herbst bzw. Winter nach Wettbewerbsende und wird in Schulen sowie kirchlichen Einrichtungen gezeigt. 

pdp

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