2 Min.
26.03.2024
Neben Menden gibt es die Tradition der Kreuztracht auch in Bad Driburg-­Pömbsen, Brakel-­Gehrden, Del­brück, Sundern-­Stockum und Wiedenbrück (Foto). Die Bräuche sind dabei unterschiedlich, so werden in Wiedenbrück die Marterwerkzeuge symbolisch gezeigt. Gemeinsam ist, dass die Gläubigen in einer Prozession mit mehreren Stationen beten und dabei an den Leidensweg Jesu erinnern.
Foto / Quelle: Wiedenhaus

Mit dem Kreuz über den Berg

Seit über 300 Jahren gehen Mendener den Weg mit dem Kreuz. Auch in diesem Jahr findet die Kreuztracht zu Karfreitag statt. Die Tradition wird auch an anderen Orten gehalten.

Menden

Einen Tag und zwei Nächte lang wird in Menden fast stündlich bis Karsamstag um 6.00 Uhr an den Leidensweg Jesu in einer Prozession über den Kapellenberg gedacht. Die Hauptprozession am Karfreitagmorgen um 9.00 Uhr ist mit etwa 10 000 Menschen das Herzstück der Stundenprozessionen und die Jugendkreuztracht am Gründonnerstagabend um 21.00 Uhr ­eröffnet die Reihe der Kreuztrachten.

Trotz ihrer jahrhundertealten Tradition hat die Mendener Kreuztracht auch heute für die Menschen eine wichtige Bedeutung. Viele Legenden und Anekdoten ranken sich um die ­Tradition, wie beispielsweise ­prominente Kreuzträger als Sünder.

Immer wieder hat die Frage nach der Entstehung der Mendener Kreuztracht die Gemüter der Einwohner Mendens beschäftigt. Es ist heute sicher, dass der Brauch nicht auf ein Gelübde zurückgeht, wie oft behauptet worden ist.

Nach zunächst privaten Abendwallfahrten zur Kapelle auf dem Rodenberg kamen Ende des 18. Jahrhunderts alljährlich am Karfreitag bereits so viele fromme Beter zur Kreuzkapelle auf dem Rodenberg, dass der damalige Mendener Pfarrer und Erzpriester Johannes Eberhard Zum­broich sich gezwungen sah, eine Prozessionsordnung zu erlassen.

So erhielt die Mendener Kreuztracht die Gestalt, die sie mit geringfügigen Änderungen bis zur heutigen Zeit behalten hat. Ausgangspunkt der Kreuztracht ist das Missionskreuz auf dem Kirchplatz der St.-Vincenz-­Kirche.

Traditionell werden die anonymen Darsteller in Menden ausgelost

Angeführt wird die Prozession von zwei mit historischen Gewändern bekleideten Personen, einem Christusdarsteller, welcher eine Dornenkrone trägt und bis zur Unkenntlichkeit verfremdet ist, sowie einem Darsteller des Simon von Cyrene. Traditionell werden die anonymen Darsteller in Menden ausgelost. Der Kreuzträger schultert dabei das Kreuz, um es in Nachvollziehung des Leidensweges des Herrn von der Kirche entlang des Fußfallweges zum Kapellenberg und den seit der Kreuzauffindungsprozession 1686 üblichen Prozessionsweg ­zurück zur Mutterkirche zu tragen.

An den traditionellen Fußfallstationen entlang des Weges macht die Prozession halt und die Prozessionsteilnehmer beten. Nach etwa zwei Stunden trifft die Prozession dann wieder an der St.-Vincenz-­Kirche ein, wo ein stiller Segen die große Kreuztracht beschließt.

Die Anfänge der Jugendkreuztracht reichen bis in das Jahr 1948 zurück. Auch für Familien eignet sich die Kreuztracht, für sie wurden eigens einige Betrachtungen und Gebete zusammengestellt. Darüber hinaus wurden Gedanken und Gebete zur Mendener Kreuztracht in einem Gebetsheft zusammengetragen.

(AS)
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen