3 Min.
02.03.2026
Sonnenaufgang an der Beirut Waterfront.
Foto / Quelle: Andrea Krogmann/KNA

"Libanon zahlt für den Konflikt zwischen Israel, USA und Iran"

Der Beiruter Jesuit Samir Bechara über die aktuelle Lage in seinem Land.

Beirut/Rom

Wie viele Tote und Verletzte es nach der jüngsten Attacke Israels gegen den Libanon gegeben hat, weiß der Beiruter Jesuit Samir Bechara am Montag nicht genau. „Ich habe noch keine Nachrichten gelesen; manchmal vermeide ich das“, sagt der Ordensmann mit einem bitteren Lachen. Denn schon wieder sind die Menschen in seinem Land unter Druck, und schon wieder ist die libanesische Terrororganisation Hisbollah Haupt-Auslöser.

Nach den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran bombardierte die von dort unterstützte islamistische Hisbollah-Miliz Israel; und das antwortete prompt mit Luftangriffen auf den Südlibanon, wo viele Kämpfer vermutet werden. Die Rede ist von mindestens 30 Toten und 150 Verletzten sowie vielen Menschen auf der Flucht.

Flüchtlinge in der Kirche, Unis und Schulen geschlossen

„In unserer Kirche beherbergen wir jetzt Menschen, die sich in Sicherheit bringen, vor allem Arbeitsmigranten von den Philippinen, aus dem Sudan und Sri Lanka“, berichtet Bechara. „Schulen, Universitäten und Institutionen sind geschlossen. Die Leute sind mehr oder weniger gefasst. Wir verlieren die Hoffnung nicht, dass diese schlimme Situation bald ein Ende hat, und wir sind das ja fast gewohnt.“

Nahezu auf den Tag drei Monate ist es her, seit Papst Leo XIV. die einstige „Schweiz des Nahen Ostens“ besuchte, um den Menschen Mut und Hoffnung zuzusprechen. Damals traf er auch die traditionell religiös paritätisch besetzte Regierung des Landes, in der Muslime und Christen zusammenarbeiten: Präsident Joseph Aoun ist Christ, während Ministerpräsident Nawaf Salam sunnitischer Muslim und der Präsident der Nationalversammlung, Nabih Berri, ein Schiit ist.

Samir Bechara, Jesuitenpater aus Beirut, im Wallfahrtsort Unsere Liebe Frau vom Libanon in Harissa (Libanon).
Foto / Quelle: Sabine Kleyboldt/KNA

Doch das Hauptziel, nämlich die islamistische Hisbollah zu entwaffnen, sei der seit gut einem Jahr amtierenden Regierung noch nicht gelungen – auch aufgrund interner Differenzen, meint Bechara. „Als verlängerter Arm des Irans trägt die Hisbollah einen Krieg der großen Länder in unseren kleinen Libanon“, so der Ordensmann. „Wir wollen nicht den Preis für diese Kriege der Amerikaner, Russen, Iraner, Israelis und all dieser anderen Mächte tragen, die ihren Krieg nicht in ihrem Land, sondern in unserem führen. Aber Libanon ist ein kleines schwaches Land“, betont der Jesuit. „Wenn es aber keinen echten Dialog zwischen den Ländern gibt und wenn die UN sich nicht wirklich darum kümmern, dann werden wir das eigentliche Problem nicht lösen.“

Und wie bewerten die Menschen im Libanon den Angriff der USA und Israels gegen den Iran? „Die meisten Christen verurteilen die iranische Politik und ich glaube, sie sind nicht gegen diesen Angriff. Andererseits führt Waffengewalt immer wieder zu einer neuen Eskalation der Gewalt, davor hatte auch der Papst am Sonntag bei seinem Mittagsgebet gewarnt“, sagt Bechara.

Papst Leo XIV. segnet einem Mann bei einem stillen Gebet am 2. Dezember 2025 am Ort der Explosion im Hafen von Beirut (Libanon).
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Selbst wenn der Tod von Ajatollah Chamenei von den meisten Iranern im Ausland und auch von Menschen im Libanon und anderen Ländern begrüßt werde, hege Bechara Zweifel. „Wir haben das schon beim Tod von Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah im Libanon gesehen: Alle waren sich sicher, dass dies das Ende der Hisbollah und dieser sinnlosen Politik bedeuten würde – doch vergeblich.“

Aufschwung dank Papstbesuch

Der Besuch von Papst Leo brachte laut Bechara bisher keine neuen religiösen oder politischen Initiativen für den Frieden, dennoch schöpften die Menschen Mut und Hoffnung. „Das Land funktioniert wieder, als gäbe es keinen Krieg, als herrsche Frieden. Die Menschen öffnen wieder Geschäfte und Restaurants und reisen. Der Papst hat also tatsächlich einen echten strategischen Einfluss auf die soziale und wirtschaftliche Lage vor Ort gehabt. Das Leben geht weiter, oder ging weiter, und es wird auch künftig weitergehen – trotz allem.“

Welchen Beitrag können Religionen, insbesondere Christen, zum Frieden im aktuellen Konflikt leisten? „Nun, ich würde sagen, einen sehr idealistischen: durch Beten und Fasten“, antwortet der Jesuit Bechara mit Blick auf die christliche Fastenzeit und den islamischen Fastenmonat Ramadan, die in diesem Jahr gleichzeitig stattfinden. „Wir alle beten gemeinsam für diesen Frieden, der bald kommt – inschallah – so Gott will.“

KNA

0 Kommentare
Älteste
Neuste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen