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21.01.2026
Die Diskussion um die Lebensarbeitszeit geht weiter.
Foto / Quelle: pixabay

Längere Lebensarbeitszeit braucht neue Arbeitsbedingungen

Ein Demografie-Forscher erklärt, warum sich der Arbeitsmarkt grundlegend verändern muss. Dies sei auch eine Frage der Generationen-Gerechtigkeit.

Berlin/Mailand

Wenn Menschen länger arbeiten sollen, müssen sich die Umstände am Arbeitsmarkt verändern: Das betont der Demografie-Forscher Arnstein Aassve. So brauche es altersfreundliche Arbeitsplätze, Förderung für lebenslanges Lernen sowie weniger Altersdiskriminierung, sagte Aassve am Dienstag bei einer Veranstaltung des Population Europe Sekretariats.

Diese Maßnahmen wären in der Debatte um die Lebensarbeitszeit entscheidend, mahnte der Leiter des von der EU finanzierten FutuRes Policy Lab in Mailand. „So wie sich die Demografie entwickelt, muss man gesellschaftliche Prozesse neu denken.“ Der bisherige Generationenvertrag gehe in allen europäischen Ländern von einer Altersstruktur aus, die nicht mehr existiere.

Junge Generation massiv herausgefordert

Aassve ging auf die Unzufriedenheit vieler junger Menschen ein: Sie litten unter strukturell bedingter Ungerechtigkeit, etwa bezüglich der Vermögensverteilung. Ältere seien wohlhabender, weil sie von Immobilienbesitz und besseren Sparmodellen profitierten; die Unterschiede seien indes frappierend. Diese Ungleichheit werde durch wenig nachhaltige Renten- und Gesundheitssysteme zusätzlich verschärft.

Umfragen zeigten, dass jungen Menschen vor allem finanzielle Sicherheit sowie die eigene Gesundheit wichtig seien. Im „Reproductive Choice Survey“ des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen nannten dies 84 beziehungsweise 79 Prozent der Befragten. Selbst Kinder zu haben, bezeichneten 46 Prozent als sehr wichtig, einen Lebenspartner 54 Prozent. Dies deute darauf hin, dass das Erwachsenwerden heute ein Aushandlungsprozess sei, der weniger an einzelnen Ereignissen festgemacht werde als an der Einstellung zum Leben, erklärte der Experte.

Junge Menschen hätten keine Welt ohne Social Media kennengelernt, und sie seien zahlenmäßig in der Minderheit: Über diese Verschiebungen werde zu wenig gesprochen. Viele Länder erlebten zudem eine ideologische Kluft zwischen den Geschlechtern, fügte Aassve hinzu. So zeige sich nicht nur in Deutschland, sondern auch etwa in Südkorea, den USA oder Großbritannien seit einigen Jahren, dass junge Frauen immer liberaler dächten, junge Männer dagegen immer konservativer. „Am Ende tun sie sich nicht zusammen“, mahnte der Forscher.

KNA

Hintergrund

Der Anteil an Rentnern, die in ihrem Ruhestand weiterarbeiten, ist im Zehnjahresvergleich laut einer Studie deutlich gestiegen. Von den 65- bis 69-Jährigen arbeiteten 2023 rund 20 Prozent, wie die Universität Duisburg-Essen am Dienstag mitteilte. Laut deren repräsentativem Altersübergangs-Report waren es 2013 noch 13 Prozent.  Ein Grund für die Entwicklung ist laut Universität der Renteneintritt der kinderreichen Generation der Babyboomer. In Zeiten des Fachkräftemangels stünden sie im Fokus der Politik. Mit Konzepten wie der Aktivrente werde versucht, sie länger oder teilweise im Erwerbsleben zu halten. Die Forscher hinterfragen allerdings den Beitrag erwerbstätiger Rentner zur Schließung von Fachkräftelücken. Mit zunehmendem Alter sinke etwa der Anteil der Vollzeitbeschäftigten. Rund die Hälfte der arbeitenden Rentner sei für 15 Stunden in der Woche und weniger beschäftigt. (KNA)

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