Kölner Dom verlangt künftig Eintritt von Touristen
Sechs Millionen Gäste kommen jedes Jahr in den Kölner Dom – bislang kostenfrei. Das soll sich bald ändern. Denn die Kathedrale steht unter finanziellem Druck.
Vor dem Kölner Dom herrscht das übliche Gewusel. Mit der Sonne sind die Touristinnen und Touristen zurückgekommen. An einem roten Absperrband und den rot bekleideten Domschweizern vorbei drängen sie in Deutschlands bekannteste Kirche. Bald könnten sie an dieser Stelle Schlange stehen. Denn der Dom soll ab der zweiten Jahreshälfte Eintritt kosten.
Das gab Dompropst Guido Assmann am Donnerstag bekannt. Der Geistliche hofft, dass die Kathedrale so aus der finanziellen Schieflage herauskommt. Wie hoch die Zugangsgebühr genau sein soll, steht noch nicht fest. Und: Die Kirche soll für Gottesdienste und das persönliche Gebet weiterhin kostenfrei zugänglich bleiben. Das ist Assmann wichtig. Wie der Zugang in der Praxis künftig ablaufen soll, konnte er aber noch nicht sagen. Konzepte würden jetzt erarbeitet.
Kosten steigen weiter
Den Kölner Dom besuchen jedes Jahr rund sechs Millionen Menschen. Die allermeisten davon sind Touristinnen und Touristen. Mit der neuen Eintrittsgebühr winkt der Kathedrale also eine sprudelnde Einnahmequelle. Und die scheint auch nötig zu sein: In den vergangenen acht Jahren rutschte die Kathedrale sechsmal ins Minus. Im Corona-Jahr 2020 betrug das Defizit etwa 2,2 Millionen Euro. Damals blieben mit den Besuchenden auch die Einnahmen für Turmbesteigung und Domschatzkammer aus. Zudem spendeten weniger Menschen Geld, um eine Kerze anzuzünden.
2024 betrug das Minus immer noch 240.000 Euro. Laut Domrendant Clemens van de Ven dürften die Kosten absehbar weiter steigen, während die Zuwendungen durch das Erzbistum Köln, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Köln in etwa gleich bleiben. Bislang konnten die Defizite durch Rücklagen ausgeglichen werden. Die seien jedoch erschöpft, sagt van de Ven. „Der Dom ist jetzt an dem Punkt, wo er zwingend neue Einnahmen generieren muss. Einnahmen, die für Erhalt und Unterhalt notwendig sind.“
Eintritt in Deutschland unüblich
Etwa 14,2 Millionen Euro betrugen die Gesamtkosten 2024 – bei Einnahmen von rund 14 Millionen Euro. Trotzdem: Der Schritt ist ungewöhnlich. Der Besuch von Kirchen kostet in Deutschland üblicherweise kein Geld. Eine prominente Ausnahme ist der Berliner Dom. Wer die evangelische Kirche besichtigen möchte, zahlt regulär 15 Euro.
Im Ausland sind Zugangsgebühren für Kirchen sehr viel üblicher. So verlangt die Sagrada Família in Barcelona 26 Euro, der Stephansdom in Wien 29 Euro. Entsprechend gelassen reagiert Praveen Krishnamurthy aus Indien, der am Donnerstag mit seiner Frau Preethi Sundararaman vor dem Dom steht. „Für Touristen ist das normal. Ich denke, wir würden die Kirche trotzdem besuchen“, sagt er. Seine Frau widerspricht. Der Besuch von Tempeln koste in Indien nichts, weil sie Orte des Gebets seien. „Es kommt darauf an, wie ihr diesen Ort aufstellen wollt“, findet Sundararaman.
"Bis fünf Euro wäre okay"
Auch Julia Henne, Stella Starke und Dominik Eiwen aus Stuttgart haben eine differenzierte Meinung. „Bis fünf Euro wäre das theoretisch für uns in Ordnung, dass wir weiter reingehen“, sagt Julia Henne. „Wir finden es aber fragwürdig, dass eine Kirche Eintritt verlangt.“ Andererseits haben die drei Verständnis dafür, dass der Erhalt des Doms viel Geld kostet. Sie fänden es aber besser, wenn die Preise für die Führungen erhöht würden, statt ein allgemeines Eintrittsgeld zu erheben.
Ein Besucher zeigt sich grundsätzlich ablehnend. „So viel Kirchensteuer wie wir alle zahlen – da ist das fast nicht angebracht.“ Seinen Namen möchte er nicht nennen. Er ist mit einer Gruppe aus Rosenheim nach Köln gekommen. Die Männer bewegen sich in Richtung Eingang. Noch kommen sie ohne Eintritt in den Dom.