"Kleinste Kirche der Welt" macht zu Ostern in Open Air
Südafrika: Acht Plätze reichen selbst auf der Passhöhe keinesfalls aus.
Das Schild steht am Rand der Autobahn zwischen den südafrikanischen Metropolen Durban und Johannesburg. „Besuchen Sie die kleinste Kirche der Welt“, heißt es dort, kurz hinter dem Van Reenen-Pass mit seinem herrlichen Panoramablick in die Drakensberge. Wer abbiegt, entdeckt nur wenig später das Llandaff-Oratorium; ein Kirchengebäude klein wie eine Gartenlaube, mit Altar, kleinem Glockenturm und Gebetsbänken.
Eine vierköpfige Familie macht dort gerade Fotos – und hat dabei kaum Platz. Denn das katholische Gebäude auf dem 15 mal 15 Meter großen Grundstück war ursprünglich nur für acht Personen konzipiert – und ist trotz Verdoppelung der Sitzplätze im Kirchenschiff schnell überfüllt. Die dazugehörige kleine Gemeinde muss daher oft bei größeren kirchlichen Veranstaltungen – wie jetzt der Ostermesse – im benachbarten Teegarten improvisieren.
Es begann mit acht Plätzen
Erbaut wurde die Kirche 1925 von einem exzentrischen Waliser; im Gedenken an seinen Sohn, der bei einem Bergwerksunglück noch acht andere Kumpel rettete, bevor er selbst zu Tode kam. Als Verbeugung vor dieser Tat gab es zunächst auch nur acht Sitzplätze in der ihm zugeeigneten Kirche. „Meine Mutter bekam die Kirche dann später vom Erbauer als Hochzeitsgeschenk – und vererbte sie mir“, sagt die heutige Eigentümerin Geraldine Johnson – obwohl sie sich selbst gar nicht als Eigentümerin sieht: „Es ist Gottes Kirche – ich halte sie nur in Ordnung“, bekennt sie mit einem Lächeln.
1996 kaufte Johnson die benachbarte Scheune und baute sie zu einem idyllischen Teegarten um. „Im Jahr darauf habe ich ihn dann zum Ostermontag eröffnet“, erinnert sie sich. Der Teegarten fungiert an kirchlichen Feiertagen in direkter Nachbarschaft der kleinen Kirche quasi als Ort für eine Open-Air-Messe. Auch in diesem Jahr wird er von der kleinen örtlichen Gemeinschaft erneut genutzt werden. „Zu Ostern wird die Messe wieder im Teegarten abgehalten. Die Kirche ist einfach zu klein, weil ja auch noch viele Familien mit ihrem Besuch kommen und wir schnell auf 40 bis 50 Personen wachsen“, erklärt sie.
Stimmt also der Titel „weltweit kleinste Kirche“ überhaupt? „In den 1960er Jahren war dieser Ort jedenfalls im Guinness-Buch der Rekorde so aufgeführt“, kommt es zögernd von Geraldine Johnson; und eher ausweichend: „Was seither passiert ist, weiß ich nicht.“
Denn: Seit damals gab es eine ganze Reihe anderer Einträge, die den Alleinstellungsanspruch des kleinen Andachtsortes durchaus infrage stellen: Die spanische Santa Isabel de Hungría in Benalmádena etwa oder die irische Church of Saint Benan sind deutlich kleiner. Auch die Decker’s Chapel im US-Bundesstaat Pennsylvania erhebt Anspruch auf den Rekordtitel der „kleinsten Kirche der Welt“ – von der Heilig-Kreuz-Kathedrale im kroatischen Nin aus dem Jahr 800 noch zu schweigen.
Rekordhalter auf der Südhalbkugel
Geraldine Johnson ficht das nicht weiter an. „Dann sind wir aber ganz bestimmt noch die kleinste Kirche der Südlichen Hemisphäre“, sagt sie verschmitzt. Zudem habe sie heute ganz andere Sorgen. Die mit Gedenktafeln versehene Mauer hinter der Kirche musste etwa mit einigem Aufwand renoviert werden. Immer wieder hatten sich Steine aus dem Mauerwerk gelöst.
Johnson konnte sich das zunächst nicht erklären. Der Grund war jedenfalls keine Altersschwäche, wie sie bald feststellte: „Es gab da so eine Art moderne Schatzsuche namens Geocaching, bei dem die Teilnehmer versteckte Behälter anhand von GPS-Daten finden mussten. Und ganz offenkundig war unsere kleine Kirche dabei für die Teilnehmer ein beliebtes Ziel.“
KNA