2 Min.
15.01.2026
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Kirchengeschichte in strahlenden Fenstern

Kirchenfenster gehören zu den eindrucksvollsten und zugleich geheimnisvollsten Kunstwerken in sakralen Bauwerken. Sie verwandeln Sonnenlicht in leuchtende Farben, erzählen Geschichten aus der Bibel und stellen Heilige und Märtyrer dar oder zeigen Symbole des Glaubens. Besonders beeindruckend sind die Fenster in der Kirche St. Michael in Kirchborchen.

Von Patrick Kleibold
Kirchborchen

Die Geschichte des Dorfes Kirchborchen bei Paderborn ist eingebunden in eine 1 000-­jährige Tradition des Glaubens. Zu den Zeugen der langen Glaubensgeschichte gehören eine um 1024 erbaute Holzkirche, die um 1043 geweihte Galluskirche und der um 1100 erbaute Wehrturm im Tal mit der romanischen St.-Michaels-Kirche. Gerade der Innenraum der zuletzt aufgezählten Kirche ist geprägt durch seine vier leuchtenden Fenster im Ostchor. Sie zeigen eine kleine Kirchen- und Glaubensgeschichte der Pfarrgemeinde, wie Margarete Niggemeyer in ihrem Buch „Die Pfarrgemeinde St. Michael zu Kirchborchen“ beschrieben hat. Alle Fenster wurden von verschiedenen Kirchborchener Familien gestiftet. Welcher Künstler sie gestaltet und welche Werkstatt sie gefertigt hat, ist jedoch nicht mehr bekannt.

Das rechte Außenfenster an der Chor-Südwand zeigt Bischof Meinwerk, der Jesus das Modell der Kirchborchener Michaelskirche überreicht. Darunter verläuft ein Band mit der Inschrift: St. Meinwercus. Gestiftet wurde das Fenster im Jahr 1907 von der Familie Lückehe. Das Fenster an der linken Außenseite stammt ebenfalls aus dem Jahr 1907 und wurde von der Familie Josef Franke gestiftet. Es zeigt den heiligen Michael, der Papst Pius X. krönt. Papst Pius trägt eine weiße Albe, ein braun-goldenes Messgewand und darüber einen goldenen Chormantel. Der Papst kniet vor einem Altar und im Hintergrund ist St. Michael dargestellt. Die Stifterfamilien der beiden mittleren Fenster sind nicht mehr bekannt. Das linke Fenster zeigt Jesus, der Petrus den Himmelsschlüssel überreicht. Auf dem rechten Bild wird Jesus als der gute Hirt dargestellt.

Fenster zeigen Kirchen- und Glaubensgeschichte

Ziel bei der Gestaltung war es, die Kirchen- und Glaubensgeschichte der Region abzubilden. Margarete Niggemeyer schreibt in ihrem Buch: „Die Pfarrkirche St. Michael, die Bischof Meinwerk Jesus entgegenhält, weist auf die Ursprünge kirchlichen Lebens in diesem Raum hin. Meinwerk erlaubte den Südborchenern den Bau einer eigenen Kirche, deren Nachfolgekirche die mittelalterliche Wehrkirche ist.“ Weiter schreibt Niggemeyer: „St. Michael ist der Patron der neuen Kirche und stellt im linken Fenster die Verbindung her zur Kirche in Rom mit dem Papst. Jede Kirche vor Ort ist eingebunden in die katholische, allumfassende Gemeinschaft der Weltkirche.“ Weiter ist zu lesen: „Von der inneren Dimension der Kirche spricht das Bild vom guten Hirten. Jesus ist der eigentliche Hirte seiner Kirche, und sein Vertreter auf Erden, dargestellt in Petrus, leitet in seinem Namen die Herde. Er hat die Schlüssel des Himmelreiches von Christus erhalten, und alle Nachfolger stehen in dieser gleichen Hirtensorge für die Kirche ein. So erinnern diese vier Fenster an die große Gemeinschaft der Kirche, die sich in der Ortsgemeinde St. Michael immer neu unter diesen Bildern um den Altar versammelt.“

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