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07.04.2026
Ludger Schepers, Weihbischof in Essen.
Foto / Quelle: Angelika Zinzow/KNA

Kirche muss alte Rollenbilder hinter sich lassen

Kritik an Tradwifes und alten Rollenbildern: Weihbischof Ludger Schepers warnt vor politischer Instrumentalisierung des Privaten.

Essen

Der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Ludger Schepers, fordert von der katholischen Kirche einen Kurswechsel bei Geschlechterfragen. Über viele Jahrhunderte habe die Kirche patriarchale Strukturen „nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag.

Dieses Menschenbild habe nichts mit dem christlichen Glauben zu tun, sondern mit Machtinteressen. Wer das heute noch verteidige, „verrät die eigene Botschaft“, so der Essener Weihbischof. Die katholische Kirche müsse hier klar Stellung beziehen, so Schepers. Sie dürfe Diskriminierung nicht hinnehmen. Eine Rückkehr zu alten Geschlechterbildern sei ein „Irrweg“.

„Die Vielfalt menschlicher Identitäten – ob homo-, trans- oder intergeschlechtlich – ist kein modernes Konstrukt, sondern Teil von Gottes Schöpfungsplan“, so Schepers weiter. Wer Menschen aufgrund ihrer Identität ausgrenze, handle nicht im Namen des Glaubens, sondern im Dienst einer Ideologie, die mit Christentum nichts gemein habe.

Angebote reichen nicht aus

Schepers fordert daher konkrete Veränderungen. Gleichberechtigung müsse im Alltag der Kirche sichtbar werden. Dazu gehörten Angebote für Frauen, Männer und queere Menschen sowie eine Pastoral, die alle Geschlechter ernst nimmt. Bestehende Projekte in Bistümern seien wichtig, aber nicht genug.

Kritisch äußerte sich Schepers auch zu Trends in sozialen Medien, etwa zu sogenannten Tradwifes. Die Darstellung einer Rückkehr zur klassischen Hausfrauenrolle sei eine „künstliche Ästhetik ohne Bodenhaftung“. Dahinter steckten oft politische Interessen, die alte Rollenbilder wieder stärken wollten. Persönliche Lebensweisen würden politisch genutzt. Die Rückkehr zu festen Rollen für Männer und Frauen sei kein harmloser Trend, sondern ein Problem für Freiheit und Gleichberechtigung.

KNA

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