TitelKirche als Netzwerk in Zeiten des Wandels
200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Lichtmesstreffen der Katholischen Stadtkirche.
Mit dem traditionellen Lichtmesstreffen hat die Katholische Stadtkirche Dortmund einen Raum für Begegnung, Austausch und inhaltliche Auseinandersetzung geboten. Die jährlich rund um das „Fest Darstellung des Herrn“ (Mariä Lichtmess) stattfindende Veranstaltung brachte rund 200 Engagierte aus pastoralen Gremien, Kirchenvorständen, Verbänden und Einrichtungen der Katholischen Kirche in Dortmund zusammen. Den Auftakt bildete eine Eucharistiefeier in der Propsteikirche, in der Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf, Dozent für Glaubenskommunikation und kirchlichen Strukturwandel an der Theologischen Fakultät Paderborn, die Predigt hielt. Die Feier wurde vom Regenbogenchor Brechten und Dekanatskirchenmusiker Simon Daubhäußer an der Orgel musikalisch gestaltet.
„Es geht darum, das Vergangene zu lassen und als Tragfläche zu nehmen für eine gute Zukunft“, hatte Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf in seiner Predigt formuliert. Beim anschließenden „Abend der Begegnung“ im Katholischen Centrum griff er in einem Impulsvortrag diesen Gedanken auf und betonte mit Blick auf den Transformationsprozess im Erzbistum Paderborn: „Transformationsprozesse sind Unsicherheitsprozesse.“ Diese Unsicherheit biete aber die „Hoffnung auf mehr Nähe, mehr Glauben, mehr missionarische Dynamik“. Im Sinne des Bistumsprozesses im Erzbistum Paderborn mit dem Motto „Glauben. Gemeinsam. Gestalten.“ rief Professor Tolksdorf dazu auf, sich einzubringen und den eigenen Ort zu gestalten.
Netzwerke
Ein Weg dazu sei die Bildung von Netzwerken. So war sein Impulsvortrag auch „Netzwerke im Glauben? Kirche in Zeiten der Transformation“ überschrieben. Tolksdorf beschrieb die gegenwärtige Situation der Kirche als tiefgreifenden Umbruch. Rückläufige Kirchenbindung, sinkende Gottesdienstteilnahme, weniger Personal und ein anhaltender Vertrauensverlust stellten die Kirche vor große Herausforderungen. Diese Entwicklung erfordere mehr als strukturelle Anpassungen. „Es geht nicht um Optimierung, sondern um einen grundlegenden pastoralen Wandel“, machte Tolksdorf deutlich.
Zentral sei dabei das Zusammenspiel von Kontinuität und Veränderung. Die Sendung der Kirche bleibe bestehen, müsse aber unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen neu gelebt werden. Transformation verstehe sich dabei als geistlicher Weg, der an der Berufung aller Getauften ansetze.
Ergänzend zum theologischen Impuls wurden beim Lichtmesstreffen auch konkrete Perspektiven für Dortmund eingebracht. Vertreterinnen und Vertreter aus Jugendpastoral, Caritas und Ehrenamt formulierten ihre Erwartungen an eine Kirche im Wandel.
Susanne Skaliks-Weitner, bei der Caritas Dortmund verantwortlich für Gemeindecaritas und Ehrenamtskoordination, fand, dass die Caritasverbände und ihre Arbeit in den Veranstaltungen zum Bistumsprozess zu selten eine Rolle spielten. Dabei könnten „die Caritasverbände zentrale Akteure des Transformationsprozesses“ sein. In der caritativen Arbeit werde Kirche mitten im Leben der Menschen konkret.
Jugend
Um konkrete und praktische Fragen ging es auch Paul Kaupenjohann vom Stadtverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Er sieht das Risiko einer Schwächung der kirchlichen Jugendarbeit. So stelle sich beispielsweise im Zuge der Immobilienprozesse in den Gemeinden die Frage nach Räumen für Gruppenarbeit oder Lagermöglichkeiten für Material von Ferienfreizeiten. Eine starke und gut aufgestellte kirchliche Jugendarbeit könne eine Identifikation mit dem christlichen Glauben schaffen, brauche aber die entsprechenden Voraussetzungen.
Annette Weber vom Katholischen Stadtgremium brachte die Perspektive der Ehrenamtlichen ein. Ehrenamtliche, so Annette Werber, würden in den Gemeinden heute schon sehr viele Arbeiten übernehmen und hätten nicht selten drei und mehr Aufgaben. Wenn im Zuge der Transformation mehr Ehrenamt vorgesehen sei, brauche es mehr praktische Unterstützung und Anreize, etwa über eine Ehrenamtspauschale und Aufwandsentschädigungen.