Katholischer Pfarrer: Grönländer besorgt über Trumps Äußerungen
US-Präsident Trump will Grönland übernehmen. Eine Idee, die auf der Insel für Irritationen sorgt.
Die Debatte über eine mögliche Übernahme Grönlands durch die USA sorgt auch bei der kleinen katholischen Minderheit auf der Insel für Verunsicherung. „Die Menschen in Grönland sind sehr überrascht und besorgt über diese Diskussionen – und zwar nicht nur oberflächlich, sondern in einer Weise, die ihr Identitätsgefühl und ihre Zukunft berührt“, sagte der katholische Pfarrer in Nuuk, Pater Tomaz Majcen, dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de. „Viele haben das Gefühl, dass Außenstehende plötzlich über ihre Heimat sprechen, als wäre sie eine Immobilie auf dem Markt.“
Hintergrund sind wiederholte Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Interesse an einem Kauf Grönlands bekundete und zuletzt auch militärische Optionen nicht ausgeschlossen hatte. Grönland gehört formell zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom. Die grönländische Regierung hat die Übernahmepläne mehrfach zurückgewiesen und betont, die Insel stehe nicht zum Verkauf.
Kirche sieht sich als Zufluchtsort
In der einzigen katholischen Gemeinde der Arktis-Insel werde das Thema weniger politisch, sondern vor allem als menschliche Frage diskutiert, sagte Majcen. „Einige Gemeindemitglieder machen sich Sorgen darüber, wie sich all diese Diskussionen auf das Sicherheitsgefühl der Kinder auswirken, andere fragen sich, wie sich dies auf unsere Arbeitsplätze oder Familien auswirkt.“ Aufgabe der Kirche sei es, zuzuhören und Halt zu geben, nicht geopolitische Debatten zu führen. In Grönland leben nach Angaben des Priesters rund 500 Katholiken bei insgesamt etwa 57.000 Einwohnern. Die meisten Menschen gehörten der evangelisch-lutherischen Kirche an.
Trotz der Verunsicherung nehme er auch ein starkes Bewusstsein für Selbstbestimmung wahr, sagte Majcen. Die Mehrheit der Menschen sei entschlossen, selbst über die Zukunft Grönlands zu entscheiden und Teil des bestehenden politischen Bündnisses mit Dänemark, der EU und der Nato zu bleiben. Unterstützung aus Europa werde geschätzt, zugleich wünschten sich viele mehr Aufmerksamkeit für die Situation vor Ort.