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11.12.2025
Siegelstempel aus der frühen Neuzeit, verziert mit einem Tier mit Geweih und einer geheimnisvollen hebräischen Inschrift.
Foto / Quelle: U. Grimm

Jüdischer Siegelstempel in Westfalen entdeckt

Neues Exponat im LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn.

Paderborn

Archäologinnen und Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben vor einigen Wochen ein ungewöhnliches Metallobjekt erhalten: Einen kleinen Siegelstempel aus dem 17. Jahrhundert, verziert mit einem Tier mit Geweih und einer geheimnisvollen hebräischen Inschrift. Gefunden wurde das Stück von einem Ehepaar aus Nieheim (Kreis Höxter) bei einem Spaziergang. Sie übergaben den Fund umgehend an die Fachleute des LWL. Mittlerweile ist der Siegelstempel in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen übergegangen. Noch bis zum 1. März 2026 ist er in der Sonderausstellung „775 – Westfalen“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn zu sehen.

Hebräische Inschrift aus dem 17. Jahrhundert entschlüsselt

Dr. Martin Kroker, Leiter des LWL-Museums in der Kaiserpfalz: „Da der Platz knapp war, wurden einige Buchstaben sichtbar zusammengedrängt. Vermutlich handelt es sich bei der Umschrift um einen Hinweis auf den Besitzer des Siegels mit dem Namen Jakob Abraham Sohn des Samuel, in Verbindung mit der in der jüdischen Kultur gängigen Grußformel Schalom. Möglicherweise ist das Schalom auch als Segensformel für den Vater Samuel zu interpretieren. Da uns solche Stempel als archäologische Funde in Westfalen noch nicht vorliegen, ist er für uns von besonderem Wert. Er zeigt, wie lebendig die jüdische Kultur selbst im ländlichen Raum war.“

Der Siegelstempel wird in der Ausstellung „775. Westfalen“ zusammen mit weiteren besonderen Objekten zur jüdischen Geschichte der Region gezeigt – darunter eine Thorarolle aus Paderborn, eine Sederschüssel, das ist ein verzierter Teller für die zeremonielle Mahlzeit am Beginn des Pessach-Festes, und ein Sabbatleuchter aus Detmold.

Dieser Schatzfund wurde einem jüdischen Bewohner Münsters zugeordnet. 1. Hälfte 14. Jahrhundert. Silber, Gold, Edelsteine.
Foto / Quelle: Foto: LWL/ B. Mazhiqi

Neben diesen Exponaten aus dem 18. und 19 Jahrhundert, finden sich über die gesamte Ausstellung verteilt zahlreiche Zeugnisse jüdischen Lebens aus früheren Jahrhunderten:

– ein großer Silberschatz aus Münster, der vermutlich vor einem Pogrom versteckt, den aber seine Besitzer nicht mehr bergen konnten,
– ein spätmittelalterlicher jüdischer Leuchter aus Höxter,
– ein als Bucheinband wiederverwendeter hebräischer Text des „Schma Israel“, eines der wichtigsten Gebete des Judentums, aus dem 14. Jahrhundert,
– sowie ein Schutzbrief für einen jüdischen Bewohner der Stadt Warburg. Gemeint ist der aus Kassel stammende Simon, der gegen Entgelt die Erlaubnis der Stadt Warburg einholen musste, um unter dem Schutz des Rates mit seiner Familie in der Stadt wohnen zu dürfen. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein mussten Jüdinnen und Juden Schutzbriefe erwerben, mit denen sie Aufenthalts- und Gewerberechte nachweisen konnten.

„Diese Funde machen sichtbar, dass jüdische Gemeinden in Westfalen immer wieder entstanden, wuchsen, aber auch strukturell benachteiligt und verfolgt wurden“, so Kroker.

Internationales Interesse

Der neu entdeckte Siegelstempel ergänzt die Darstellung der westfälischen Geschichte in der Sonderausstellung zum 1250-jährigen Jubiläum der Region und ist ein Bespiel für die Vielschichtigkeit Westfalens und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Laut Kroker verbinde der Stempel regionale Geschichte mit persönlichen Schicksalen und einer langen, aber oft tragisch unterbrochenen, jüdischen Tradition.

Hintergrund

Von einer rätselhaften Ersterwähnung im Jahr 775 zum Herzogtum über ein Königreich bis zur preußischen Provinz: Westfalen hatte in der Geschichte viele Gesichter. In der Kaiserpfalz in Paderborn geht das Publikum an einem Stützpunkt Karls des Großen in den Sachsenkriegen durch Westfalens 1250-jährige Geschichte. Auf rund 1.000 Quadratmetern erleben Besuchende, wie sich Westfalen und seine Menschen über Jahrhunderte hinweg verändert haben. Archäologische Funde, kostbare Handschriften und westfälische Kunst erzählen von Tradition, Identität und Wandel. Zahlreiche interaktive Stationen und das Begleitprogramm laden zum Mitmachen ein.

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