2 Min.
02.10.2026
Zum Thema Migration im Kreis Unna gab es einen Aktionstag.
Foto / Quelle: Caritasverband für den Kreis Unna e.V.

Integration braucht Zeit

Aktionstag im Kreis Unna: Migrationsberatungen in Gefahr.

Kreis Unna

Vor vier Jahren flüchtete Lesia Ivzhenko (49) mit ihrer Tochter vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland und landete in Unna. Heute arbeitet sie als Pflegehelferin im St.-Bonifatius-Pflegeheim. Ihr Beispiel zeigt: Integration geschieht nicht über Nacht. Sie braucht Unterstützung, Begleitung und Zeit. Das gehörte zu den wichtigsten Erkenntnissen des Aktionstages der Migrationsberatungen im Kreis Unna.

Beraterinnen, Berater, Vorstände sowie Migrantinnen und Migranten schilderten beim Aktionstag die Arbeit der Migrationsberatungen für Erwachsene, der Jugendmigrationsdienste und der Integrationsagenturen im Kreis Unna. Insgesamt 10,7 Stellen stehen für diese Dienste im gesamten Kreis zur Verfügung, getragen vom Mulitkulturellen Forum e.V., dem AWO-Unterbezirk Ruhr-Lippe-Ems und dem Caritasverband für den Kreis Unna e.V..

Übte Kritik: Ralf Plogmann, Vorstand des Caritasverbandes für den Kreis Unna e.V..
Foto / Quelle: Caritasverband für den Kreis Unna e.V.

Im Jahr 2025 unterstützten allein die Beraterinnen und berater der Caritas und des Multikulturellen Forums 1234 Migrantinnen und Migranten sowie weitere 571 mitberatene Personen. Darunter auch Lesia Ivzhenko aus der Ukraine. Sie berichtete, wie sie anfangs so ganz ohne Deutschkenntnisse und Wissen über die deutsche Bürokratie vor einem Berg von Aufgaben stand, der nicht zu bewältigen erschien. Mit Hilfe der Migrationsberatung baute sie sich Schritt für Schritt ein neues Leben in Deutschland auf. „Das hat Jahre gedauert, aber heute sind wir glücklich und dankbar“, erklärt die 49-Jährige, die nun eigenständig lebt und ohne finanzielle Unterstützung ihre kleine Familie ernährt.

Doch solche Integrationserfolge seien in Gefahr. Abgesehen von der ohnehin jährlich in Frage stehenden Finanzierung durch Bund (Migrationsberatung für Erwachsene und Jugendmigrationsdienst) und Land (Integrationsagenturen) steht nun die Forderung im Raum, Migrationsberatungen grundsätzlich auf drei Jahre zu begrenzen. „Das geht an der Realität vorbei“, erklärte Ralf Plogmann, Vorstand des Caritasverbandes, beim Aktionstag den teilnehmenden Politikern aus Bundestag, Landtag und dem Kreis. „Integration braucht länger, das wissen wir aus der Praxis“, so Plogmann. Ohnehin sei die Finanzierung inzwischen kaum noch zu stemmen, denn die Träger müssten zehn Prozent der Personalkosten und einen großen Teil der Sachkosten schon jetzt selbst tragen. „Das werden viele Träger nicht lange durchhalten“, so der Caritas-Vorstand.

Oliver Kaczmarek (MdB) signalisierten Verständnis für die Sorgen der Migrationsdienste.
Foto / Quelle: Caritasverband für den Kreis Unna e.V.

Agnes Yavari, Fachbereichsleiterin beim Multikulturellen Forum, erklärte: „Wenn wir an falscher Stelle sparen, dann gehen die Strukturen kaputt und wir verlieren langjährige beschäftigte Fachkräfte“. Auch Christine Scholl, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems, fand kritische Worte: „Die stetige Unsicherheit bei der Finanzierung der Migrationsdienste wird den Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft, für die wir uns einsetzen, nicht gerecht. Wer Integration erfolgreich gestalten will, braucht verlässliche Strukturen statt ständiger Debatten über die Zukunft bewährter Angebote.“

Die eingeladenen Politikerinnen und Politiker Oliver Kaczmarek (MdB), Hartmut Ganzke (MdL) und Susanne Schneider (MdL) signalisierten Verständnis. „Die bestehenden Strukturen bei den Trägern sind so angespannt, dass die Gefahr besteht, sie nicht mehr halten zu können“, so Oliver Kacmarek. Dabei sei Prävention auch viel günstiger als Nachsorge.

0 Kommentare
Älteste
Neuste