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16.01.2026
Im Februar betet der Papst "für Kinder mit unheilbaren Krankheiten".
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

"Hoffnung wider alle Hoffnung"

Im Februar betet der Papst „für Kinder mit unheilbaren Krankheiten“.

Bonn

Das Gebetsanliegen des Papstes für den Februar mutet auf den ersten Blick paradox an. Katholikinnen und Katholiken werden eingeladen, für Kinder mit unheilbaren Krankheiten und auch für ihre Familien zu beten, damit sie Unterstützung erhalten und Kraft und Hoffnung nicht verlieren. Wenn es sich aber wirklich um eine unheilbare Erkrankung handelt, ist dann die Hoffnung nicht beinahe eine Art Selbstbetrug?

Papst Leo, der besonders als Geistlicher im peruanischen Chulucanas und als Bischof von Chiclayo mit Armut, Not und Ungerechtigkeit konfrontiert wurde, kennt die Sorgen solcher Familien aus eigener Anschauung. Er hat die Formulierung gewiss bewusst so gewählt.

Einerseits könnte es um die Hoffnung gehen, dass sich durch medizinischen Fortschritt für erkrankte Kinder künftig neue Heilungsmöglichkeiten ergeben. In einer Zeit, in der die moderne, auf wissenschaftlichen Kriterien beruhende Heilkunst von verschiedener Seite mit Misstrauen betrachtet wird, wäre es eine Einladung an Christinnen und Christen, den Mut nicht zu verlieren und ihn auch anderen nicht durch populistische Behauptungen über „die Medizin“ zu rauben.

Paulinische Tradition

Andererseits dürfte hinter der Formulierung des Papstes auch die paulinische Tradition der „Hoffnung wider alle Hoffnung“ stehen: Im Römerbrief schreibt der Völkerapostel diese Art der Hoffnung dem Patriarchen Abraham zu. Sara und er wagten nicht mehr, daran zu glauben, dass sich Gottes Verheißung noch erfüllen werde. Und obwohl sogar beide nacheinander im Angesicht Gottes lachend daran zweifelten, bewahrten sie sich ihre Hoffnung, dass Gottes Liebe sie nicht im Stich lassen werde.

Für von unheilbaren Krankheiten betroffene Kinder und ihre Familien mag diese Hoffnung ganz unterschiedliche Gestalt annehmen. Die einen hoffen vielleicht noch auf ein Wunder; andere wünschen sich, dass sie ein Leben in Selbstbestimmung und Würde führen können. Wieder andere bauen auf eine solidarische Gesellschaft, die zur gleichberechtigten Integration erkrankter Menschen bereit ist und den betroffenen Kindern so eine möglichst gute Lebensperspektive bietet.

Für Papst Leo wird bei diesem Gebetsanliegen vielleicht auch die Frage der Mittelverteilung mitschwingen. Leiden, die in wohlhabenden Ländern verbreitet sind, finden in der Forschung deutlich größere Aufmerksamkeit als so manche tropische Krankheit. Dazu kommen die hohen Kosten vieler Medikamente oder Hilfsmittel, die oft nur mit Hilfe der Gemeinschaft getragen werden können, die aber ein hoffnungsvolles, selbstbestimmtes Leben für betroffene Kinder verheißen. So kann das Gebetsanliegen dieses Monats auch zum Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität anspornen.

Doch ist das alles? Gibt es nicht auch unheilbare Krankheiten, die bereits in jungen Jahren zum Tod führen werden? Ist Hoffnung für die Betroffenen dann nicht eine Art Vertröstung, wie man sie dem christlichen Glauben manchmal ganz allgemein vorwirft? Natürlich sollte man sich davor hüten, Menschen unhaltbare Versprechungen zu machen oder gar eine magische Wirkung von Gebet und Sakramenten zu unterstellen. Ob und wie Kinder und Familien in einer solchen Situation Hoffnung wider alle Hoffnung zu spüren vermögen, lässt sich gewiss nicht von außen oder gar von oben herab bestimmen.

Liebevolle Zuwendung

In der liebevollen Zuwendung und Begleitung durch Seelsorgerinnen und Seelsorger, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige erblüht aber manchmal auf überraschende Weise ein solches Geschenk der Hoffnung, ohne dass man es genau beschreiben oder mit einem konkreten Inhalt füllen könnte. Auch in den Psalmen treten uns immer wieder Menschen entgegen, die aus Krankheit und Leid zu Gott rufen, ja sogar mit ihm streiten und seine scheinbare Tatenlosigkeit beklagen – und die doch das Gebet als Stütze und Halt erfahren.

In diese Tradition der jüdischen Geschwister dürfen auch wir uns stellen – ohne billige Vertröstungen und ohne pathetische Worte im Krankenzimmer. Wir dürfen auf die manchmal zuversichtliche, manchmal vielleicht zweifelnde Hoffnung bauen, dass Gott alle Wege mit uns Menschen geht – auch die dunkelsten und schwersten.

(KNA)
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