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20.10.2026
Mario Enrico Delpini, Erzbischof von Mailand, bei einem Gottesdienst am 17. September 2018 in Mailand.
Foto / Quelle: KNA

Frustrierte Eltern schlechtes Vorbild

Seit Tagen erleben nicht nur Frankreich, sondern Italien und ganz Europa Ausschreitungen vor allem Jugendlicher; Innenstädte werden verwüstet, Hunderte festgenommen. Mailands Erzbischof sucht nach Gründen – und Lösungen.

Rom

Die gewalttätigen Jugend-Proteste in Italien und ganz Europa machen den Mailänder Erzbischof Mario Delpini ratlos. „Ich kann mir diesen Wutausbruch nicht erklären. Ich kann keine Schuld zuweisen oder Schuldige benennen“, sagte er der italienischen Tageszeitung „Avvenire“ (Dienstag).

Er frage sich, „aus welcher virtuellen Welt“ und welcher Gleichgültigkeit ein Verhalten komme, andere anzugreifen – ohne Angst vor den Konsequenzen, so der seit 2017 amtierende Bischof des norditalienischen Erzbistums. Dennoch dürfe man diese Gewalt nicht bloß verurteilen, sondern müsse „eine pädagogische Antwort“ darauf geben, unterstrich Delpini.

Meloni schickt Soldaten nach Mailand

Die Finanz- und Modemetropole Mailand erlebt seit Tagen Krawalle vor allem Jugendlicher, darunter viele Minderjährige. Am Dienstag entschied Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, 500 Soldaten in die lombardische Millionenstadt zu entsenden und Ausgangssperren zu prüfen. Am Montag hatte das Auswärtige Amt Deutsche in Italien dazu aufgerufen, die Demonstrationen weiträumig zu meiden.

Delpini betonte, die Gesellschaft, Ladenbesitzer und Bürger müssten versuchen, sich zu schützen. „Doch wie lassen sich Jugendliche bändigen, die sich nicht bändigen lassen? Die Sicherheitskräfte sind an Regeln gebunden, die diese jugendlichen Randalierer missachten.“ Daher seien rechtlich tragfähige und wirksame Strategien erforderlich.

Unglückliche Eltern - Kinder ohne Lebensmut

Über mögliche Auslöser der Wut der jungen Menschen sagte er: „Viele wiederholen das Klischee, dass die Eltern für alles verantwortlich sind.“ Dies seien ungerechte Verallgemeinerungen, in denen jedoch „ein Körnchen Wahrheit“ stecke, räumte er mit Blick auf das Vorbild der Elterngeneration ein.

„Vielleicht gibt es Erwachsene, die mit ihrem Erwachsensein selbst nicht glücklich sind, und die Jugendlichen gewinnen den Eindruck, dass es sich gar nicht lohnt, erwachsen zu werden.“ Dann stelle sich den Jugendlichen zwangsläufig die Frage, warum sie überhaupt auf der Welt seien.

Wenn die grundlegende Unterscheidung zwischen Gut und Böse keine Geltung mehr habe, gebe es kaum mehr einen Grund, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, gab der Erzbischof zu bedenken. „Die tragische Deutung der Geschichte ‚Wenn Gott nicht existiert, dann ist alles erlaubt!‘ hat durchaus ein ernstes Fundament.“

Kirchliche Jugendzentren als Anlaufstelle

Jetzt sei es hilfreich, Beziehungen aufzubauen: etwa durch gemeinsame Schul-, Sport- und Freizeitaktivitäten. „Hier geht es darum, zu verstehen – oder zumindest die Hand auszustrecken“, so der Geistliche. Kirchliche Jugendzentren könnten denjenigen helfen, die sie besuchen. „Doch ich glaube, wer dort ein und aus geht, sollte auch ermutigt werden, jenen zu helfen, die eben nicht dorthin kommen“, appellierte der Bischof.

Zudem äußerte er einen generellen Appell: „Es ist daher notwendig, dass Männer und Frauen jeden Alters und jeder Lebenslage, in allen Rollen und Berufen, hervortreten und sich an das Werk machen, die Welt in Ordnung zu bringen“, sagte Delpini.

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