Früherer Erzbischof Becker entschuldigt sich bei Missbrauchsopfern
Bereits in den 1990ern war Becker an Entscheidungen beteiligt.
Der frühere Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, hat sich bei Missbrauchsbetroffenen dafür entschuldigt, sie nicht genug geschützt zu haben. „Wo mein Handeln auch in späterer Verantwortung dazu beigetragen hat, dass Betroffene nicht ausreichend gesehen, geschützt oder ernst genommen wurden, bitte ich dafür um Entschuldigung“, teilte er am Dienstag mit. Er bezog sich auf seine Position als Personaldezernent des Erzbistums in den 1990er-Jahren.
Vergangenen Donnerstag hatten Forscherinnen der Universität Paderborn eine Studie zu sexueller Gewalt im Erzbistum Paderborn vorgestellt. Untersucht wurden die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt von 1941 bis 2002. Unter Degenhardt war Becker von 1995 bis 1999 als Personaldezernent tätig. Später wurde er Weihbischof und im Juli 2003 Erzbischof von Paderborn.
"Nehme Untersuchung sehr ernst"
„Als Personaldezernent war ich damals in Abläufe eingebunden, in denen über den Umgang mit beschuldigten Priestern entschieden wurde, auch wenn die maßgeblichen Entscheidungen nicht in meiner Verantwortung lagen. Ich will mich dabei nicht hinter Zuständigkeiten verstecken“, erklärte Becker weiter. „Ich nehme diese Untersuchung sehr ernst und prüfe sorgfältig, welche Fragen sich daraus für mein eigenes damaliges Handeln ergeben.“
Laut Uni-Studie gab es im Erzbistum Paderborn sehr viel mehr Fälle von sexuellem Missbrauch als bisher bekannt. Die Kirchenhistorikerinnen werfen den früheren Erzbischöfen Jaeger und Degenhardt zudem Vertuschung vor. Darüber hinaus erhebt die Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn Missbrauchsvorwürfe gegen Degenhardt.
Beckers Amtszeit wird in einer gesonderten Untersuchung aufgearbeitet. Sie soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Becker stand bis 2022 an der Spitze des Erzbistums.
KNA