Frischer Wind in alter Kirche
In Kirchborchen hat sich die AG „Alte Kirche – neu gedacht“ zum Ziel gesetzt, nicht nur die Kirche St. Michael für Menschen zu öffnen, sondern auch Raum für neue Ideen zu schaffen.
„kraftvoll – erfrischend – demokratisch“ ist auf der Leinwand zu lesen, ergänzt um das kfd-Logo. Auf einem weiteren Bild geht es um ein „gutes Klima in Kirche und Gesellschaft“. Die Wanderausstellung „kfd: katholisch – aber anders“ war gerade in der Kirche St. Michael in Kirchborchen zu sehen. Offiziell beendet wurde sie beim Neujahrsempfang der Gemeinde am vergangenen Sonntag.
„Die Planungen für die nächste Ausstellung laufen bereits“, sagt Johanna Magiera-Rammert von der AG „Alte Kirche – neu gedacht“ aus der Kirchborchener Gemeinde. Im Mai soll es um Maria gehen – im Licht der Geschichte und „Geschichten“. Wie bei den bisherigen Ausstellungen ist ein umfangreiches Beiprogramm geplant.
Einen ersten Anstoß zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft gaben die Feiern zum 1 000-jährigen Bestehen Kirchborchens, die im September 2024 stattfanden – im Ortskern rund um St. Michael.
„Bei diesem Fest war so viel los, man traf so viele Menschen – das hat uns motiviert“, erinnert sich Sabine Wandt von der AG, die aktuell 16 Mitglieder hat. „Wir wollten in der Kirche für mehr Leben und Begegnung sorgen und gleichzeitig einen Raum für Neues schaffen“, ergänzt Christa Kaiser. Denn statt zurückzuschauen sollte es eher darum gehen, die aktuelle Situation in der katholischen Kirche kritisch in den Blick zu nehmen sowie Ideen für die Zukunft zu entwickeln, war man sich in der AG einig.
Architektonisch bezieht sich der Begriff „alte Kirche“ aus dem Namen der Initiative auf den romanischen Teil der St.-Michaels-Kirche, der aus dem 12. Jahrhundert stammt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gotteshaus umfassend erweitert.
Aus dem Hauptschiff wurde das südliche Seitenschiff – nach Meinung der AG der ideale Ort für die geplanten Aktivitäten. Zurückzukehren an den Ursprungsort des kirchlichen Lebens in Kirchborchen hat zum einen große Symbolkraft, zum anderen gibt es auch praktische Gründe: Das Pfarrheim nebenan ist in die Jahre gekommen, über die weitere Nutzung soll der noch ausstehende Immobilienprozess entscheiden.
Mittlerweile fanden im romanischen Seitenschiff seit 2024 verschiedene Ausstellungen statt; etwa zum Pilgern und seiner Geschichte, zum Sonnengesang des heiligen Franziskus oder im vergangenen November zum Thema „Vergänglichkeit des Lebens“. Dazu gab es jeweils ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, musikalischen Darbietungen und Diskussionen.
Wer Neues wagen möchte in seiner Kirchengemeinde, der stößt mit seinen Ideen nicht immer und überall auf Gegenliebe – selbst wenn er den Pfarrer auf seiner Seite hat – diese Erfahrung mussten die Mitglieder der AG ebenfalls machen: „Pfarrer Dr. Thomas Witt unterstützt unsere Aktivitäten, aber als es zum Beispiel darum ging, Bänke aus dem Seitenschiff zu entfernen, gab es Kritik.“ Die Entscheidung, dass neue Stühle angeschafft werden, wurde mittlerweile vom Kirchenvorstand getroffen, einen kleinen Etat für die AG gibt es auch.
Wer neue Ideen in einer alten Kirche umsetzen möchte, braucht Geduld, Einfallsreichtum, Hartnäckigkeit und Diplomatie. Dass sie darüber verfügen, haben die Mitglieder der Kirchborchener AG mittlerweile bewiesen.