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07.02.2026
Zwei Frauen mit Blumenkränzen und "Strüßjer" feiern Karneval an Rosenmontag 2023 in Köln.
Foto / Quelle: Theo Barth/KNA

Fastnacht oder Karneval - wie heißt es korrekt?

Ein Kulturhistoriker verschafft Überblick.

Köln

Bald ist es also wieder soweit: Karneval – oder Fasching – oder Fastnacht. Wie heißt das denn eigentlich „richtig“, wenn man verkleidet den Winter austreibt und es so richtig krachen lässt? Der 2015 verstorbene Kulturhistoriker Wolfgang Herborn ist der Sache in seiner „Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600“ ganz tief auf den Grund gegangen. Und im Titel steckt auch schon die Antwort: Es ist – die Fastnacht.

Der Begriff Karneval, so Herborn, ist in Deutschland erst um 1700 belegt – und wohl aus Venedig importiert. Den „Fastelovend“, rheinisch für Fastnachtsabend, gebe es dagegen schon seit dem Mittelalter. Und der „Fastelovend“ ist eigentlich der Tag vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit – also der Dienstag vor dem Aschermittwoch, der im Jahr 1091 bei der Synode von Benevent als Fastenbeginn festgelegt wurde. Analog zum Fastnachtsabend: der Heiligabend als der Tag vor Weihnachten, ebenso der Sonnabend als der Tag vor dem Sonntag.

Ein Narrenschiff

Es habe zwar Versuche gegeben, die gesamte Geschichte des Brauchtums nur aus dem Begriff „Karneval“ herzuleiten. Ein Beispiel: die Wortkonstruktion „carrus navalis“ für ein Narrenschiff, die auf schiffsähnliche Wagen bei Umzügen für antike Götter zurückgreift. Eine solche Bezeichnung komme aber in keiner einzigen lateinischen Quelle vor, die er kenne, so Herborn. Sprachgeschichtliche Regeln sprächen auch gegen die weitverbreitete lateinische Herleitung „carne vale“ – „Fleisch, lebe wohl!“ Das Wort Karneval komme stattdessen von „carne levare“ – also das Fleisch wegnehmen.

Als Papst verkleideter Mann von der Katholischen Jugend (KAJU) Sankt Peter beim Rosenmontagszug in Koblenz.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Erste Belege für Fastnachtsfeiern im Rheinland stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Keine Spuren gibt es also für die hübsche These, dass schon die Römer den Karneval an den Rhein gebracht hätten. Viel spricht dafür, dass der Ursprung tatsächlich im Beginn der Fastenzeit zu suchen ist – und dass sich Brauchtum und Feiern erst allmählich daraus entwickelten. Denn bis Aschermittwoch mussten schließlich alle nicht lagerfähigen Lebensmittel verzehrt sein, weil sie sonst verdarben. Das führte, vornehm und modern ausgedrückt, oft zu Überkonsum. Ein Beleg: Im Französischen heißt der Fastelovend „Mardi Gras“ (Fetter Dienstag).

So war es im Übrigen ja auch bei der (inzwischen abgeschafften) 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten, der sogenannten Martins-Quadragese: An Sankt Martin, dem 11. November, war Pachttag. Oft wurde in Naturalien bezahlt und also vor dem Fasten noch mal richtig hingelangt. Bauchweh und Kater heißen auf Französisch auch heute noch „Martinsschmerzen“. Danach war dann aber Schmalhans Küchenmeister – bis zum Heiligabend.

Fetter Dienstag

Als älteste schriftliche Quelle für den Fetten Dienstag vor der Fastenzeit zitiert Herborn den rheinischen Mönch und Chronisten Caesarius von Heisterbach aus den 1220er Jahren; mit einer Lehr-Anekdote über einen Priester, der zum Fastnachtsabend Mönche aus Prüm eingeladen habe. Er tischt beste Weine und Speisen auf; und längst nach Mitternacht – am Aschermittwoch also – serviert er als Absacker noch ein fettes Huhn. Allerdings: Im Bauch des Huhns steckt eine Kröte – als Party Pooper sozusagen. Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort…

Nicht aus den Quellen erklären kann der Kulturhistoriker das Verkleiden als Bestandteil des Brauchtums. Erstmals erwähnt fand er es 1396. In den Jahren danach wurden häufiger Vermummungsverbote ausgesprochen. Der Rosenmontag – oder überhaupt der Montag als Tag im Karneval – taucht erst mit der Neubegründung der Fastnacht nach der Französischen Revolution auf. Das 1823 gegründete Kölner „Festordnende Comité“ legte den ersten Maskenzug auf den Montag. Die Fastnacht – also der bis dahin beherrschende Dienstag – trat in der Folge immer mehr zurück.

KNA

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