Erzbistum: Wojtyla kümmerte sich nicht um Missbrauchsbetroffene
Polens Bischöfe verteidigen gern Papst Johannes Paul II. gegen jede Kritik. Nun aber bekennt sein Heimatbistum auch Fehler.
Das südpolnische Erzbistum Krakau betrachtet den Umgang seines ehemaligen Bischofs Karol Wojtyla, des späteren Papstes Johannes Paul II. (1978-2005), mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch inzwischen kritisch.
„Er hat sich nicht um die Geschädigten gekümmert“, sagte Bistumssprecher Piotr Studnicki, dem Wochenmagazin „Tygodnik Powszechny“. Karol Wojtyla habe damals nicht erkannt, „wie wichtig es ist, die Perspektive der Missbrauchsbetroffenen einzunehmen, sich mit ihnen zu treffen und ihnen zuzuhören“.
Wojtyla war von 1964 bis zu seiner Papstwahl 1978 Erzbischof von Krakau. Damals ging der 2014 heiliggesprochene Papst laut dem Bistumssprecher allerdings gegen jene Priester vor, die Kindern Leid zugefügt hatten. Studnicki betonte, Kardinal Wojtyla habe in diesen Fällen die damaligen staatlichen Gesetze und das Kirchenrecht beachtet.
"Nicht frei von Fehlern"
Wenn man Wojtylas Reaktionen aber aus heutiger Sicht beurteile, „können wir enttäuscht sein, dass er keine Maßnahmen ergriffen hat, die uns heute selbstverständlich erscheinen“, erklärte er. Obwohl der heutige Heilige von der moralischen Verwerflichkeit von Pädophilie überzeugt gewesen sei, „blieb er nicht frei von Fehlern“.
Zuletzt hatte eine Recherche der Zeitung „Rzeczpospolita“ ergeben, dass Wojtyla Missbrauchsfälle nicht vertuschte, sondern Maßnahmen gegen Täter ergriff. Die Zeitung konnte in den vergangenen Wochen Dokumente aus dem Archiv des Erzbistums Krakau auswerten. Die Bischofskonferenz des Landes verteidigt Johannes Paul II. seit Jahren gegen Vorwürfe, er habe Missbrauchsfälle vertuscht.
In Polen gilt der einstige Papst bis heute als Nationalheld. Er hatte maßgeblich zum Fall des kommunistischen Regimes in Warschau und in anderen Ländern des Ostblocks beigetragen.
KNA