Erzbistum rechnet auf Dauer mit Loch im Haushalt
Noch schreibt Paderborn schwarze Zahlen. Doch angesichts steigender Ausgaben und sinkender Katholikenzahl steht man unter wachsendem Sparzwang.
Trotz eines Millionenüberschusses steht das Erzbistum Paderborn nach eigenen Angaben unter wachsendem finanziellen Druck. In ihrer mittelfristigen Finanzplanung stellt die westfälische Erzdiözese ein „strukturelles Defizit“ fest. Sie müsse sich deshalb stärker auf wesentliche Aufgaben konzentrieren und Prioritäten setzen, heißt es im am Mittwoch veröffentlichten Finanzbericht für das Jahr 2025. Die Lage sei wegen der soliden Bilanz zwar beherrschbar, allerdings nur, wenn die nötige Kostendisziplin umgesetzt werde.
„Wir haben tendenziell weiterhin sinkende Erträge und steigende Aufwendungen, sodass die Schere trotz eines zusätzlichen Kirchensteuerertrages weiter auseinandergeht“, erklärte Diözesan-Ökonom Volker Mauß bei der Vorstellung des Berichts. Zugleich betonte er: „Wir brauchen Strukturen, die auch in 15 Jahren noch tragfähig sind.“ Im Zuge eines Reformprozesses sollen deshalb Seelsorge und Verwaltung neu ausgerichtet werden. Hintergrund seien demografische Veränderungen, sinkende Katholikenzahlen und weniger Priester.
Ausgaben steigen stärker
Im vergangenen Jahr stiegen die Aufwendungen des Erzbistums laut Finanzbericht um knapp 6 Prozent auf 511 Millionen Euro. Gründe waren vor allem höhere Zuweisungen an Kirchengemeinden, Kindertagesstätten und die Caritas. Die Erträge legten dagegen nur um 3 Prozent zu. Unter dem Strich sank der Jahresüberschuss um knapp 19 Prozent auf 67 Millionen Euro.
Ein auf den ersten Blick deutliches Plus bei der Kirchensteuer ist laut Mauß vor allem einem Sondereffekt geschuldet. Die Einnahmen stiegen zwar um 29 Millionen auf 450 Millionen Euro. Davon entfielen jedoch 23 Millionen Euro auf das sogenannte Clearing zwischen den deutschen Bistümern. Die Erträge aus diesem Ausgleichsverfahren erhöhten sich nach Angaben des Erzbistums von 28 Millionen Euro im Vorjahr auf rund 51 Millionen Euro. Ob sich der ungewöhnlich hohe Effekt wiederhole, sei nicht absehbar, sagte Mauß.
Die Zahl der Katholiken im Erzbistum sank 2025 um rund 40.700 oder gut 3 Prozent auf etwa 1,25 Millionen. In den vergangenen zehn Jahren ging sie nach Angaben des Bistums um gut 19 Prozent zurück. Für die nächsten Jahre rechnet das Erzbistum deshalb mit negativen Auswirkungen auf die Kirchensteuereinnahmen.
Der finanzielle Spielraum könnte sich bereits 2026 deutlich verringern. Für das laufende Jahr erwartet das Erzbistum einen Jahresüberschuss von nur noch rund 24 Millionen Euro. Parallel treibt es den Umbau seiner Strukturen voran. Zum ersten Advent soll eine Neuordnung in Kraft treten, bei der aus den derzeit 91 Seelsorgeeinheiten mit 597 Pfarrgemeinden 21 Seelsorgeräume entstehen sollen.
Online
Der gesamte Finanzbericht ist auf der Homepage des Erzbistums unter https://www.erzbistum-paderborn.de/news/finanzbericht-2025-bereit-fuer-morgen-kirche-veraendert-sich-und-bleibt-nah-bei-den-menschen/