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27.01.2026
Opferkerzen mit Bildern des NS-Widerstandskämpfer Pater Rupert Mayer.
Foto / Quelle: Barbara Just/KNA

Erinnerung an NS-Opfer auch Auftrag für heute

Seit 30 Jahren erinnert Deutschland am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 ist der Tag ein internationaler Gedenktag.

Bonn

Vertreter des Judentums, von Kirchen und Politik erinnern zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte dazu in den Sozialen Medien: „Unsere historische Verantwortung bleibt: Antisemitismus hat keinen Platz in Deutschland.“ 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte vor den Folgen einer gesellschaftlichen Polarisierung für die Erinnerungskultur in Deutschland. „Der Antisemitismus hat eine unselige Eigenschaft: Er ist Brückenideologie für Rechtsextremisten, Linksextremisten und Islamisten gleichermaßen“, schrieb er in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenportal t-online. Schon jetzt seien die Kräfte beträchtlich, die die jüdische Gemeinschaft aus dem öffentlichen Leben verdrängen wollten.

Klöckner: "Ohne Wenn und Aber"

Der Jüdische Weltkongress verwies auf seine globale Kampagne #WeRemember, die in diesem Jahr zum zehnten mal stattfindet. Präsident Ronald S. Lauder betonte, beim Lernen aus der Vergangenheit gehe es nicht nur darum, die Geschichte zu ehren, sondern „sie als Werkzeug zu nutzen, um den Wellen des Hasses entgegenzutreten, die wir heute sehen, und eine stärkere, gerechtere Zukunft für alle aufzubauen“.

Auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) beteiligte sich an der Kampagne. „Wer #WeRemember sagt, muss Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegentreten – im Parlament und auf der Straße, ohne Wenn und Aber“, schrieb sie in den Sozialen Medien. Das grundgesetzliche Versprechen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, müsse eingelöst werden.

„Der Holocaust begann nicht in Auschwitz, sondern damit, dass Juden aus dem öffentlichen Raum verdrängt wurden – lange bevor die Nazis dies in Gesetzesform gossen“, schrieb der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Dass die Luft zum Atmen für Juden weltweit dünner werde, sei leider nichts Neues. Wer jüdische oder israelische Freunde habe, wisse seit Jahren, dass sie „unter ständiger Anspannung stehen, wenn sie den Davidstern tragen, oder genau wissen, wo sie besser kein Hebräisch sprechen“.

Doch 2025 habe sich etwas verändert, fügte Prosor hinzu. Von Jom Kippur in Manchester bis Chanukka in Sydney seien Juden an ihren Feiertagen erschossen worden, weil sie Juden gewesen seien. Auf der anderen Seite seien die jüngsten Anschläge auf Synagogen wie zum Beispiel im hessischen Gießen kaum noch eine Schlagzeile wert gewesen.

Auch Kirchen erinnern

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz erinnerte mit Worten ihres Vorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Schoah sei nicht nur bleibende Verpflichtung für alle Deutschen, sondern gehöre auch zur christlichen Grundüberzeugung. „Die Juden sind unsere Schwestern und Brüder. Nie wieder darf ihnen widerfahren, was sie in der Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben“, so Bätzing bei einem Besuch Ende Dezember.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Kirsten Fehrs, betonte, das „Nie wieder“ bleibe für Christinnen und Christen tägliche Aufgabe. „Jedes Jahr aufs Neue drohen diese unvorstellbaren Zahlen, mich sprachlos zu machen, ringe ich um Worte für dieses unfassbare Leid.“

Der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Michael Brand (CDU), erinnerte auch an die Sinti und Roma und alle anderen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Das Gedenken sei immer auch Auftrag für heute und morgen. Das Schicksal der Opfer verpflichte heute zu Verantwortung für die Demokratie sowie zum Schutz von Menschenwürde und Minderheitenrechten.

Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie legte ein besonderes Augenmerk auf Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die den sogenannten Euthanasie-Programmen zum Opfer fielen. „Das Wort re-member, wieder erinnern, können wir im weiteren Sinn verstehen als ein Wieder-Eingliedern“, erklärte der Verbandsvorsitzende Wolfgang Tyrychter. Sein Appell: „Nie wieder tödlich endende Ausgrenzung!“

KNA

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