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03.04.2026
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zelebrierte die Messe vom Letzten Abendmahl am Abend des Gründonnerstags im Paderborner Dom. V.l.n.r.: Apostolischer Protonotar Alfons Hardt, Weihbischof Matthias König, Diakon Viktor Schefer, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Weihbischof Josef Holtkotte.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Einsamkeit und Gemeinschaft

Gründonnerstag: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz feiert Messe vom Letzten Abendmahl im Paderborner Dom.

Paderborn

Am Abend des Gründonnerstags feierte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in der Bischofskirche des Erzbistums Paderborn die traditionelle Messe vom Letzten Abendmahl. Dabei wusch der Paderborner Erzbischof Frauen und Männern im Altarraum die Füße. Die „Fußwaschung“ und die gemeinsame Mahlfeier in Erinnerung an die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus sind zentrale Elemente des Gründonnerstag-Gottesdienstes. Durch den Live-Stream aus dem Paderborner Dom konnte die Eröffnung des österlichen Triduums, die heiligen drei Tage vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu, am Gründonnerstag, 2. April, auch am Bildschirm mitgefeiert werden.

„Inmitten von vielen Menschen, inmitten einer inflationären Kommunikation digitaler und medialer Art, greift die Einsamkeit um sich, weil auch eine Beziehungsarmut um sich greift“, betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seiner Predigt. Dabei sei Einsamkeit kein Randphänomen, vielmehr ein breites soziales Problem: Obgleich die Moderne Freiheit, Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung gesteigert habe, seien „fragile“ Bindungen oftmals der Preis dafür. Einsamkeit bleibe oft schambesetzt und tabuisiert. Der Paderborner Erzbischof konkretisierte: „Wer zu wenig ein tragendes Wir erfährt, entwickelt leichter Skepsis als Vertrauen, wer zu wenig ein tragendes Wir erfährt, erlebt den anderen eher als Konkurrenten, denn als Nächsten. Wer zu wenig ein tragendes Wir erfährt, droht innerlich zu vereinsamen.“ Ebenso werde eine Gesellschaft automatisch ärmer, wenn das Wir in ihr zu wenig gespürt werde. „Einsamkeit verändert nicht nur das Innenleben des Einzelnen. Einsamkeit verändert auch das Gemeinwesen“, bekräftigte Erzbischof Dr. Bentz.

„Die Eucharistie ist mehr als Erinnerung, in ihr verschmilzt Jesu Weg mit unserem Weg“, betonte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Predigt.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

„Die Eucharistie ist mehr als Erinnerung, in ihr verschmilzt Jesu Weg mit unserem Weg“, unterstrich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz im Gründonnerstags-Gottesdienst. Eucharistie ermögliche Communio, Gemeinschaft, da in ihr Jesus jedem einzelnen Menschen innerlich so nahe sei, wie es sonst nicht geht: „Er sieht mein Leben, meine Traurigkeit, meine Ölbergstunden, meine Grenzen, mein ‚Nicht-mehr-Können-Können‘, meine innere Unruhe, auch das an mir, was ich selbst kaum ertrage.“ Der Paderborner Erzbischof vertiefte im Hinblick auf das Geschehen an Gründonnerstag: „Die Fußwaschung sagt: Gott beugt sich in deiner Einsamkeit zu dir hinab. Das Mahl sagt: Gott schenkt sich dir und will dir innerlich werden. Der Ölberg sagt: Gott kennt deine Nacht, die Einsamkeit. Das Kreuz sagt: Gott stirbt keinen fremden Tod, sondern nimmt unsere Tode in seinen hinein, in seine Verlassenheit am Kreuz.“

Angebot der Gemeinschaft

Der Gründonnerstag, das letzte Mahl Jesu, all die Zeichen der Hingabe, seien ein Angebot an die einzelnen Menschen: „Du bist nicht allein, selbst in deiner Einsamkeit, in deinem einsamen Wandern im Nebel des Lebens, bist du nicht gottverlassen“, erinnerte Erzbischof Dr. Bentz. Wer diese lebendige Beziehung zu Jesus im Glauben finde, wer die Erfahrung der Nähe im Gebet, in der Liturgie, im Sakrament machen könne, der finde Kraft. Denn Jesus teile hier mit: „Mein Leib für euch! Ich bin da für Dich! Ich lasse dich nicht.“.

Der Glaube sei allerdings nicht allein ein Heilmittel gegen Einsamkeit im sozialen Sinn, führte Erzbischof Dr. Bentz abschließend aus. Der Glaube lehre auch die Kunst des Alleinseins, nicht jede Einsamkeit sei „nur“ Defizit. Es gebe auch den fruchtbaren Rückzug, die Sammlung, die Stille, das Nicht-sofort-Ablenkbare. Alleinsein müsse nicht nur Isolation sein, könne vielmehr Ort von Klarheit, Gelassenheit und Selbsterkenntnis werden. Es gelte zu unterscheiden: „Es gibt eine zerstörerische Einsamkeit, die vereisen lässt. Und es gibt eine quasi gesegnete Einsamkeit, in der der Mensch zu sich und zu Gott kommt.“ Erzbischof Dr. Bentz: „Jesus hat beides erfahren.“

„Wer zu wenig ein tragendes Wir erfährt, entwickelt leichter Skepsis als Vertrauen, erlebt den anderen eher als Konkurrenten, denn als Nächsten“, mahnte der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seiner Predigt im Gründonnerstags-Gottesdienst.
Foto / Quelle: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Im Anschluss an seine Predigt wusch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zwölf Frauen und Männern im Altarraum des Paderborner Domes die Füße. Die ausgewählten Frauen und Männer engagieren sich als Libori-Schreinträger, Lektoren, Kommunionhelfer, Messdiener oder in einem der Dom-Chöre rund um den Paderborner Dom. Die zeichenhafte Handlung knüpft an den biblischen Bericht aus dem Johannes-Evangelium (Joh 13) über Jesus an, der seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl die Füße wusch.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zelebrierte den Gottesdienst, Weihbischof Matthias König, Weihbischof Josef Holtkotte sowie Apostolischer Protonotar Alfons Hardt konzelebrierten. Der Paderborner Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning gestaltete den Gottesdienst musikalisch.

Betstunden

An den Abendmahl-Gottesdienst schloss sich das Gebet der Komplet an. Das Nachtgebet der Kirche betete Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz mit den Mitgliedern des Paderborner Metropolitankapitels und zahlreichen Gläubigen in der Krypta des Domes. Darauf folgten Betstunden in der Krypta des Paderborner Domes. Weihbischof Matthias König leitete die Betstunde „Dank für die Einsetzung der Eucharistie“ sowie die Betstunde „Bitte um Priester- und Ordensberufe“, Domkapitular Benedikt Fischer leitete das „Gebet um Einheit der Kirche“.

Nach dem Gottesdienst wurden sämtliche Decken und jeglicher Schmuck vom Altar der Bischofskirche entfernt. Der Gründonnerstags-Gottesdienst wird ohne die gewohnten Schlussriten eines Gottesdienstes beendet, wodurch deutlich wird, dass die Feier des österlichen Triduums eine einzige große Feier ist, die sich über drei Tage, vom Abend des Gründonnerstags bis zum Ostersonntag, erstreckt. Aus diesem Grund wird auch die Karfreitags-Liturgie ohne die gewohnten Eröffnungsriten eröffnet und ohne Schlussriten beendet.

pdp

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