Ein umstrittenes Denkmal
Friedensorte sind Leuchttürme für das Frieden stiftende Engagement unserer Kirche und unserer Gesellschaft. Ein Ehrenmal im Stadtpark in Halle ist ein solcher Ort.
Im Stadtpark von Halle erinnert ein Ehrenmal an den Schöpfer des Parks. Dass das Denkmal heute noch existiert, ist nicht selbstverständlich, denn während der NS-Zeit stand sein Abriss zur Debatte. Der Leinenkaufmann Hermann Hagedorn (1735–1826) hat den Landschaftspark mit dem Pavillon, auch bekannt als „Kaffeemühle“, angelegt. Mit dem Park verwirklichte er eine Idee seiner Zeit: die „Erhöhung“ der Natur durch den Menschen zu dessen Freude und Nutzen.
Hagedorn bekam von seinen Kindern und Enkeln im Jahr 1802 ein Denkmal zu seinem 68. Geburtstag geschenkt. Die Inschriften beschreiben ihn als „Schöpfer des Tempels“ und würdigen seine Liebe zu Natur, Kunst und den Menschen. Das Ehrenmal aus Sandstein wurde am Fuße der Treppe, die zum Pavillon führte, aufgestellt. Diese existiert seit 1954 nicht mehr – und beinahe wäre auch das Denkmal entfernt worden. So steht es in Unterlagen aus dem Haller Stadtarchiv, die zufällig entdeckt wurden.
Im Jahr 1937 forderte der Stadtrat Dr. Krause, zugleich Ortsgruppenleiter der NSDAP in Halle, während einer Ratssitzung den Abriss des Ehrenmals für Hermann Hagedorn. Seinen Behauptungen nach hätte es Beschwerden darüber gegeben. Die in den Sandstein eingemeißelten Worte und Zeichen sollen freimaurerisch gewesen sein. So eine Symbolik dürfe nicht auf dem Gelände der Stadt geduldet werden, denn die humanistisch eingestellten und international verbundenen Freimaurer galten den Nationalsozialisten als Feindbild.
Dem Antrag wurde einstimmig zugestimmt. Diskutiert wurden mehrere Vorgehensweisen: das Entfernen der „verdächtigen“ Symbole und Textstellen von dem Denkmal oder die Versetzung und Umnutzung des Denkmals als Brunnenanlage. Außerdem sollten die Nachfahren Hermann Hagedorns kontaktiert und auch die Kosten für den Umbau ermittelt werden. Diese Verzögerung nutzte der pensionierte Rektor Heinrich Strakerjahn, um dem Bürgermeister Meyer zu Hoberge einen Brief mit einem Appell für den Erhalt des Denkmals vorzulegen.
Strakerjahn betonte, das Denkmal sei in Form und Gestaltung Ausdruck fundamentaler christlicher Werte und schrieb weiter: „Es ist ihre heilige Pflicht, das Denkmal im Sinne der Stifter zu erhalten und keine Änderungen daran vorzunehmen. Wer ihm seine Symbole nimmt, raubt ihm seine Sprache, seinen künstlerischen Wert und seinen geistigen Plan.“ Seine Worte überzeugten und Dr. Krause musste sich geschlagen geben. Heute ist das Ehrenmal deshalb auch ein Zeichen des Widerstands gegen ideologisches Denken.
Zur Sache
Das Ehrenmal steht im Haller Stadtwald am Bergkamp. Es gibt einen 2,5 Kilometer langen Wanderweg, den Geschichtspfad Kaffeemühle, der über die Apothekerstraße zu erreichen ist.