3 Min.
10.01.2026
Die romantische Seite des Winterwetters.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Ein Kraftakt für den Körper

Was Kälte mit uns macht. Warum wir zittern und Gänsehaut bekommen.

Bonn

Gänsehaut, rote Nasen, steife Gelenke und kalte Füße: Das gegenwärtige Winterwetter fordert den menschlichen Körper heraus. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beschreibt, was die Kälte mit dem Körper macht.

Frieren ist ein äußerst wichtiger Schutzmechanismus. Im Normalfall hat der Körper eine Temperatur von etwa 37 Grad Celsius. Damit er seine Funktionen aufrechterhalten kann, sollte diese Temperatur weitgehend konstant bleiben. Weicht die Außentemperatur erheblich von der Körpertemperatur ab, wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Die Wärmerezeptoren in der Haut erkennen die Veränderung. Sie leiten diese Informationen an das Gehirn weiter, damit der Körper entsprechend darauf reagieren kann.

Signale an die Haut

Bereits bei einer Außentemperatur von unter 15 Grad Celsius reagiert der Körper, um die Temperatur aufrecht zu erhalten. Er sendet Signale an die Blutgefäße in der Haut und den Extremitäten, die sich daraufhin zusammenziehen, um einen Wärmeverlust zu verhindern. Der Blutdruck steigt. Organfunktionen werden gedrosselt, Puls und Atmung langsamer. Das Blut wird zu den überlebenswichtigen Organen und damit zur Körpermitte umverteilt. Das spürt man besonders unangenehm an Händen, Füßen, Ohren oder Lippen. Es kann zu Frostbeulen oder im schlimmeren Fall zu Erfrierungen an Nase, Ohren, Händen und Füßen kommen.

Wenn wir frieren, entsteht auch eine sogenannte Gänsehaut. Die Haare auf dem Körper sind mit einem Muskel verbunden. Spannt sich dieser an, richten sich die feinen Härchen auf und die Gänsehaut entsteht. Zwischen der Hautoberfläche und den aufgestellten Härchen entsteht eine Luftschicht, die vor Wärmeverlust schützt. Da der Mensch nur noch über spärliche Körperbehaarung verfügt, hat die Gänsehaut allerdings ihre ursprüngliche Funktion weitgehend verloren.

Das Zittern ist ein weiterer Schutzmechanismus. Denn dabei spannt der Körper immer wieder kurz die Muskeln an. Diese Muskelkontraktionen erzeugen wiederum Wärme und schützen den Körper einige Zeit vor dem Auskühlen. Neben dem unfreiwilligen Zittern bewegen wir uns, wenn uns kalt wird, oft auch gezielt, etwa indem wir auf der Stelle treten oder kalte Hände aneinander reiben. Auch dadurch wird Wärme erzeugt.

Bei dem Anblick wird einem doch schon wärmer.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Menschen nehmen Kälte unterschiedlich wahr. Das hat etwas mit dem Körperbau (Form, Größe, Muskelmasse, Fettgewebe) zu tun; aber auch Geschlecht und Alter spielen eine Rolle. Grundsätzlich gilt: Je größer das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse, desto höher ist der Wärmeverlust. Frauen haben in der Regel eine größere Oberfläche und eine geringere Gesamtkörpermasse als Männer. Daher geben sie mehr Wärme ab. Die Muskelmasse hat einen zusätzlichen Effekt. Denn Muskeln erzeugen Wärme. Auch der Körperfettanteil, vor allem das Unterhautfettgewebe, spielt eine wesentliche Rolle. Das Fett isoliert den Körper, weshalb Menschen mit einem höheren Körperfettanteil nachweislich seltener frieren.

Besonders vorsichtig sollten ältere Menschen bei eisigen Temperaturen sein. Mit steigendem Alter lässt das Kälteempfinden langsam nach; man nimmt die Kälte nicht mehr so gut wahr. Gleichzeitig kann der Körper in kalter Umgebung schlechter die normale Körpertemperatur aufrechterhalten, was unter anderem am altersbedingten Verlust an Muskelmasse liegt.

Von der Tagesform abhängig

Wie empfindlich wir auf Kälte reagieren, hängt auch von der aktuellen Verfassung ab. Bei Müdigkeit zum Beispiel ist vor allem der Parasympathikus aktiviert – jener Teil des vegetativen Nervensystems, der Verdauung und Regeneration steuert. Alles andere läuft auf Sparflamme. Die maximale Sauerstoffaufnahme verringert sich, was Leistung schwächt und Ermüdung beschleunigt. Verwirrtheit und Desorientierung können auftreten. Wer bei Kälte einschläft, läuft deshalb Gefahr zu erfrieren.

Gute und trockene Kleidung spielt eine wichtige Rolle. Ideal sind mehrere Schichten, zwischen denen sich ein Luftpolster bilden kann. Bei sportlichen Aktivitäten im Freien friert der Körper schneller, wenn er durch Schwitzen nass ist. In Wohnräumen sollten etwa 20 bis 22 Grad Celsius herrschen. Wer länger auf dem Sofa oder am Schreibtisch sitzt, kann sich durch dicke Socken oder eine Wolldecke warm halten.

Kälte auszuhalten kann man in einem gewissen Maß üben. Wer im Winter regelmäßig ins Freie geht, senkt die Empfindlichkeit seiner Kälterezeptoren. Wechselbäder, kalt-warmes Duschen oder Saunabesuche trainieren die Blutgefäße, die sich dann besser an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

(KNA)
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