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15.01.2026
Das Nequambuch ist ein neues Exponat in der Westfalenausstellung.
Foto / Quelle: LWL/ J. Hersh

Das Buch der Nichtsnutze

Ein Schlüsselzeugnis spätmittelalterlicher Ordnungskultur zeigt die Sonderausstellung „775 – Westfalen“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz.

Paderborn

Mit dem „Nequambuch“ präsentiert das LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn ein neues Exponat in der Sonderausstellung „775 – Westfalen“. Das außergewöhnliche Zeugnis spätmittelalterlicher Schrift- und Ordnungskultur eröffnet einen Blick auf die geistigen, rechtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen Westfalens im 14. Jahrhundert.  Es ist eines von drei zentralen Dokumenten des „Soester Rechts“, dem ältesten im deutschen Raum schriftlich niedergelegten Stadtrecht. Dieses Recht haben viele westfälische Städte, aber auch viele Städten vom Ostseeraum bis ins Baltikum übernommen.

Das „Nequambuch“ gehört zu jenen frühen Handschriften, in denen Wissen, Normen und Handlungsanweisungen schriftlich fixiert wurden – ein bedeutender Schritt in einer Epoche, die von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt war. Johanna Hersh, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL): „Im ‚Buch der Nichtsnutze‘, wie das Nequambuch in der Übersetzung aus dem Lateinischen heißt, finden sich die Strafen für die unterschiedlichsten Vergehen, bebildert mit kleinen Miniaturen. Darunter auch die Illustration einer Räderstrafe: Der Betroffene wird grausam hingerichtet, indem zunächst die Glieder gebrochen werden und er anschließend auf das Rad geflochten wird.“ Aber auch das „Wippen“ in den Soester Teich, heute eine lustige Tradition, die Stadtberühmtheiten wie Bürgermeister und andere über sich ergehen lassen müssen, finde sich unter den farbigen Abbildungen, so Hersh.

Noch bis zum 1. März zeigt das LWL-Museum in der Kaiserpfalz die Sonderausstellung "775 - Westalen" zum 1250-Jubiläum der Region.
Foto / Quelle: LWL/ B. Mazhiqi

„In einer Zeit politischer Neuordnung mit der Entstehung von Städten seit dem 12. Jahrhundert diente das geschriebene Wort als Instrument von Verwaltung, Recht und Mission“, erklärt Museumsleiter Dr. Martin Kroker. Das Nequambuch stehe exemplarisch für diesen Wandel. Kroker: „Es zeigt, wie Schriftlichkeit zunehmend zum Träger von Autorität und Verbindlichkeit wurde.“ Von 1315 bis 1421 wurden hier Ächtungen, Verbannungen und Urfehden, eidliche Versicherungen, niedergeschrieben.

Als Exponat der Ausstellung mache das „Nequambuch“ die Zeit des Spätmittelalters anschaulich. Hersh: „Es verweist auf die wichtige Rolle der Städte auch in Westfalen, die nun neben Klöstern als Wissensspeicher auftreten und in denen eine wirtschaftlich und sozial herausgehobene städtische Bürgerschicht zunehmend auch politische Macht ausübt. Das reich verzierte „Nequambuch“ repräsentiert das Selbstverständnis des Stadtrates und zeigt, wie eng wirtschaftliche und politische Macht und schriftliche Überlieferung miteinander verflochten waren.“

Kroker: „Mit dem ‘Nequambuch’ rückt ein seltenes und faszinierendes Objekt in den Mittelpunkt, das Geschichte nicht nur erzählt, sondern greifbar macht mit 13 wunderschönen, zum Teil aber auch grausamen Illustrationen.“

lwl

Informationen zum Museumsbesuch

Eintrittspreise
Erwachsene: 11 Euro
Ermäßigt: 6 Euro
Gruppe ab 16 Personen: 9 Euro pro Person
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: frei

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