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20.01.2026
Schreiben mit der Hand ist nicht überholt, sagt die Forschung.
Foto / Quelle: pixabay

Darum ist Schreiben per Hand unverzichtbar

Tablet statt Tafel? Mit der Hand schreiben zu können, spielt auch im digitalen Zeitalter eine Schlüsselrolle, betont eine Forscherin.

Erlangen

Flüssig schreiben oder auch mit einer Schere schneiden: Solche Handgriffe werden für Kinder zunehmend zur Herausforderung. „Wir erleben seit Jahrzehnten einen massiven Rückgang feinmotorischer und schreibbezogener Grundfertigkeiten“, sagte die Erziehungswissenschaftlerin Stephanie Ingrid Müller am Montag in Erlangen. Sie äußerte sich vor dem Tag der Handschrift am kommenden Freitag.

Schreiben mit der Hand sei „keine überholte Kulturtechnik, sondern eine hochkomplexe neurobiologische Leistung“. Dabei griffen Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Selbstregulation ineinander. Dies unterstütze Denkprozesse, Textverständnis, Lerntransfer, Kreativität und Problemlösefähigkeit. Müller betont, all dies sei auch „eine zentrale Grundlage für digitale Kompetenz“.

Vereinfachte Übungen verlagern Probleme

Vereinfachungen sieht die Medienpädagogin kritisch, insbesondere sogenannte funktionale Schreib- oder Greiflösungen. Entwicklungslogisch betrachtet, gebe es eine korrekte Greif- und Stifthaltung. „Sie ist keine Meinungsfrage, sondern Voraussetzung für automatisiertes, entlastetes Schreiben“. Entscheidend sei die Frage, warum es Kindern so schwerfalle, verbunden zu schreiben: „Wer eine verbundene Schrift schreiben kann, hat einen zentralen Gehirnreifungsprozess durchlaufen. Wird dieser Schritt übersprungen, wird das Problem lediglich verlagert.“

Dies richte sich nicht gegen digitale Bildung, betonte Müller. Gefragt sei vielmehr beides – es komme jedoch auf die entwicklungslogische Reihenfolge an. „Ein gegenwärtiges Klassenzimmer braucht eine klassische Tafel für Kreide und ein digitales Board. Was Kinder nicht brauchen, sind dauerhafte Bildschirmreize ohne entwicklungsphysiologische Einbettung.“ Fehlende Tafelbilder, reduzierte Schreibanlässe und frühe Bildschirmdominanz könnten indes Wahrnehmung, Orientierung und Tiefenverarbeitung beeinträchtigen.

KNA

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