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12.03.2026
Papst Leo XIV. winkt bei der Generalaudienz am 11. März 2026 auf dem Petersplatz im Vatikan.
Foto / Quelle: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Darum hält der Papst sich zum Irankrieg auffallend zurück

Leo XIV. auf der Suche nach dem rechten Wort in der Außenpolitik.

Vatikanstadt

Am 28. Februar begannen die massiven Luftangriffe Israels und der USA gegen den Iran. Papst Leo XIV. reagierte am Tag danach beim Angelus-Gebet mit den Worten: „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen erreichen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog.“ Er appellierte an die Beteiligten, „moralische Verantwortung zu übernehmen und die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet“.

Zu den ersten Opfern dieses Abgrunds zählten da bereits mehr als 160 Schülerinnen, die bei einem Raketeneinschlag in einer Schule im südiranischen Minab ums Leben kamen. Wie genau es dazu kam, war lange unklar; doch inzwischen scheint sicher, dass es sich nicht um eine iranische Propaganda-Lüge handelte.

Auch im Vatikan dauerte es lange, bis man sich zu einer Stellungnahme durchrang. Erst am 6. März publizierte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ auf dem Titel die Luftaufnahme der beiden Bagger, die reihenweise Kindergräber für die Opfer dieses Kollateralschadens aushoben. Darüber die Zeile: „Das Gesicht des Krieges“.

"Tiefer Schmerz"

Es dauerte weitere drei Tage, bis der Heilige Stuhl am Montagabend den Medien mitteilte: „Papst Leo XIV. bringt seinen tiefen Schmerz zum Ausdruck für alle Opfer der Bombardierungen dieser Tage im Mittleren Osten, für die vielen Unschuldigen, darunter viele Kinder.“ Am Montagvormittag hatte der iranische Botschafter beim Vatikan in einem Pressegespräch moniert, dass der Papst nicht „wenigstens den Angriff auf die Schule und die Tötung der Kinder verurteilt hat“.

Das vatikaneigene Portal „Vatican News“ wählte für seinen Bericht über die Mitteilung des Papstes die Überschrift „Der Papst: Trauer wegen der unschuldigen Kinder und aller Opfer in Nahost“. Gleich daneben erschien wenig später ein Artikel, der unter Berufung auf die „New York Times“ erklärte, dass es offenbar US-Raketen waren, die das Massaker an der Schule angerichtet hatten.

Politisch sensible Medien des Vatikans

Dass die vom Staatssekretariat geleiteten Medienorgane in Krisenzeiten feines politisches Gespür zeigen, ist für Vatikanbeobachter nichts Ungewöhnliches. Oft sind hier wie bei einem Seismographen Bewegungen früher abzulesen als im großen Maßstab päpstlicher Ansprachen auf offener Bühne.

Auf dieser Ebene ist Leo XIV. bislang weit hinter dem zurückgeblieben, was Johannes Paul II. im Jahr 2003 sagte und tat, um den damaligen Großangriff westlicher Streitkräfte auf den Irak doch noch zu verhindern – und ihn später öffentlich zu verurteilen. Zwar wird auch der Papst aus den USA nicht müde, für Frieden und Diplomatie zu werben. Doch das schärfste Schwert, das ihm als Oberhaupt der weltgrößten Religionsgemeinschaft zur Verfügung steht – die öffentliche Verurteilung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder eine moralische Verurteilung des Angriffskriegs – hat er bislang nicht gezückt.

Dass Leo sich zurückhält und auch von Schmerz und Trauer nur mit Verzögerung spricht, liegt nicht nur an der undurchsichtigen Nachrichtenlage. Sie ist im Fall des Iran zusätzlich dadurch erschwert, dass es derzeit keinen Papstbotschafter vor Ort gibt. Auch das ist anders als seinerzeit im Irak, wo die Kirchenvertreter bis zuletzt ausharrten.

Verteilte Rollen im Vatikan

Die Zurückhaltung des Papstes hat offenbar auch mit einer neuen Rollenteilung im Vatikan zu tun. Im ersten halben Jahr seines Pontifikats sprach Leo XIV. – vor allem an seinem Zweitwohnsitz in Castel Gandolfo – noch recht häufig mit den Medien und machte dabei auch politische Statements. Dies löste, so ist aus dem Staatssekretariat zu hören, bei den für Außenpolitik Verantwortlichen Alarmsignale aus.

Dort fürchtete man, in den Polit-Wirrwarr des Franziskus-Pontifikats zurückzufallen: Der Papst äußerte sich damals unbefangen (und manchmal auch unbedarft) gegenüber Medien zu aktuellen außenpolitischen Fragen – und die Diplomaten mussten das zerschlagene Porzellan wieder kitten. Das, so die Ansage aus dem Staatssekretariat, solle sich besser nicht wiederholen.

Und so kommt nun fast jede Woche aus Castel Gandolfo über interne Kanäle die Ansage: „Der Papst wird heute nicht sprechen.“ Eine moralische Verurteilung des Kriegs überlässt der Papst bislang dem Staatssekretariat – und den in diesen Tagen sehr vernehmbaren Kardinälen in den USA. Bei der jüngsten Generalaudienz auf dem Petersplatz rief Leo XIV. zwar zum Gebet für die Kriegsopfer in Nahost auf und erwähnte erneut die vielen unschuldigen Kinder. Eine verschärfte Wortwahl oder eine Verurteilung der Angriffe vermied er jedoch abermals.

KNA
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