Bischof Feige: Auch Christen können Ideologien verfallen
Den Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat der hohe Anteil christlicher AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt nicht völlig überrascht.
Der Magdeburger katholische Bischof Gerhard Feige ist nur bedingt überrascht, dass fast jeder dritte christliche Wähler in Sachsen-Anhalt für die gesichert rechtsextreme AfD votiert hat. „Ich nehme an, dass manche sich gar nicht mit der Programmatik der AfD auseinandergesetzt haben, sondern einfach durch die krisenhafte Lage gefrustet waren, der bisherigen Politik überdrüssig – und dann irgendeinen freundlich erscheinenden Bekannten aus ihrer Umgebung gewählt haben“, sagte er am Dienstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Magdeburg. Anlass ist die Konstituierung des neuen Landtags von Sachsen-Anhalt an diesem Tag.
Laut einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen machten 33 Prozent der evangelischen und 32 Prozent der katholischen Wähler bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September ihr Kreuz bei der AfD. Insgesamt bekam die Partei 43,8 Prozent. Die Kirchen hatten intensiv vor dem völkischen Nationalismus der AfD und seinen Folgen für das Zusammenleben gewarnt.
Auch Christen können Verbrecher werden
„Formal einer Kirche anzugehören, bedeutet noch nicht, ihren Sinn und ihre Sendung wirklich verstanden und verinnerlicht zu haben. Im Extremfall können selbst Christen zu Verbrechern werden“, sagte Feige. „Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass das Evangelium Menschen menschlicher machen kann und Christen dafür vorbildhaft einstehen. Andererseits: Auch Christen können dem Zeitgeist und seinen Ideologien verfallen.“
Unter den AfD-Wählern sieht Bischof Feige auch solche, die einem „identitären Kulturchristentum“ anhingen und „wenig oder gar nichts“ vom Hauptgebot der Nächstenliebe zu halten schienen. Daneben gebe es rechtskonservative Kreise, die sich an Themen der Sexualität und Lebensweisen abarbeiteten und meinten, in der AfD besser vertreten zu sein als in den Kirchen.
Zudem beobachtet Feige eine zunehmende Tendenz zu einer individualistischen, welt- und zeitlosen Religiosität: „Glaube wird gerade von neuen Christen eher als persönliches ‚Wohlfühl-Elixier‘ verstanden und nicht als bedeutungsvoll für das gemeinsame Leben.“ Daher komme dann der Einwand, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen.
Er habe für seine klare Positionierung Beschimpfungen und Diffamierungen ebenso erhalten wie Dankschreiben und Solidarisierung, sagte Feige. Allerdings finde er es skurril, wenn jemandem, der sich im Sinne der Bibel für die Menschenwürde aller, für Freiheit und Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe einsetze, dann vorgeworfen werde, zur Spaltung der Gesellschaft beizutragen.