Bischöfe setzen auf Boom bei Erwachsenentaufen
In Frankreich erlebt die katholische Kirche einen überraschenden Aufschwung. Lässt sich das auf Deutschland übertragen?
Die katholischen Bischöfe in Deutschland hoffen auf einen Boom bei Erwachsenentaufen wie in Frankreich. Dort finden überraschend viele junge Menschen über Soziale Medien und Influencer zum Glauben. „Wir können Frankreich nicht kopieren“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, am Donnerstag zum Abschluss der Herbsttagung in Fulda. „Aber ich glaube schon, dass wir von Frankreich lernen können.
In Frankreich stieg die Zahl der Erwachsenentaufen seit 2019 um 210 Prozent, in Schweden um 140 Prozent, in Belgien um 119 Prozent. „Wir in Deutschland liegen bisher erst bei plus 28 Prozent, wir stehen also noch am Anfang eines Wegs“, sagte Wilmer. Die Bischöfe sollten sich aber „ein bisschen lockerer machen und jungen Leuten sagen: Hey, auf, nicht so bange. Ihr seid die Missionarinnen und Missionare.“
Weniger Kindertaufen
Zugleich warnte der Münsteraner Bischof vor voreiligen Schlüssen: Wenn sich mehr Erwachsene entscheiden, durch die Taufe Kirchenmitglieder zu werden, bedeute das noch „keine Trendumkehr der Säkularisierung“. Denn zugleich sinke vielerorts die Zahl der Kindertaufen.
Es komme aber darauf an, die neuen Kirchenmitglieder mit offenen Armen zu empfangen: „Wenn neue Leute kommen, heißt das für die bestehende Gemeinde, dass sie sich zu verändern hat. Wir brauchen mehr Dynamik, wir brauchen eine Öffnung.“
Mit großer Sorge blicken die Bischöfe auf den Aufstieg der AfD. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt“, sagte Wilmer. Es sei erschreckend, dass bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auch unter den katholischen Wählern rund 30 Prozent für die AfD gestimmt hätten. Die Partei stelle die Grundwerte des Zusammenlebens in Frage und wolle ein anderes Deutschland.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz mahnte zugleich, trotz allem weiter mit AfD-Wählerinnen und -Wählern im Gespräch zu bleiben: „Wir brauchen Räume und Zeiten, in denen wir zusammenkommen und in denen wir als katholische Kirche zunächst Hörende sind.“ Das sei allerdings nicht ganz leicht. Es gebe bisher auch kaum Gesprächswünsche von AfD-Anhängern an die Bischöfe.
Absage an Antisemitismus
Scharf verurteilte Wilmer den zunehmenden Antisemitismus – von rechts wie von links: „Was mich sehr nachdenklich stimmt, ist, wie die Linke in Berlin mit der jüdischen Gemeinschaft umgeht. Wie plötzlich antisemitische Parolen und antisemitisches Verhalten nach vorne gebracht werden.“
Die Bischöfe dringen auf die Fortsetzung des Fonds sexueller Missbrauch durch die Bundesregierung. Gerade für Betroffene außerhalb der Kirchen sei der Fonds die einzige Möglichkeit, finanzielle Anerkennung und Unterstützung zu erhalten, sagte Wilmer. Die Einstellung des Fonds sei für viele Betroffene eine sehr schlechte Nachricht.
Der Fonds war 2013 eingerichtet worden. Von Missbrauch Betroffene konnten Hilfen beantragen, die über Leistungen der Kranken- oder Pflegekassen oder andere Unterstützungen hinausgehen. Es handelte sich etwa um Therapien, berufliche Qualifikationen oder Dinge, die den Alltag erleichtern. Bis Ende 2023 wurden rund 164 Millionen Euro ausgezahlt.
Neue Kommissionen
Nach langer Planung und Vorbereitung beschloss die Bischofskonferenz eine Strukturreform ihrer Arbeitsgruppen. Sie wählte neue Vorsitzende und Mitglieder ihrer Fachkommissionen, die von bislang 14 auf jetzt 8 reduziert wurden.
Zum neuen Caritasbischof wählten die 59 Bischöfe den Bamberger Erzbischof Herwig Gössl. Er schlägt damit die Brücken zum Caritasverband, dem größten Wohlfahrtsverband in Deutschland. Als Kulturbischof wurde der Münchner Kardinal Reinhard Marx beauftragt. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist neuer Beauftragter der Bischofskonferenz im Kontakt zu Nahost.
In der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Missbrauch bleibt es bei der bisherigen Leitungsstruktur mit Helmut Dieser (Aachen) und Stephan Burger (Freiburg). Weitere Mitglieder dieser Fachgruppe sind Franz Jung (Würzburg), Peter Kohlgraf (Mainz) und Stefan Oster (Passau).
Zur Sache
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz leitet als Vorsitzender die Kommission V: Gesellschaft und caritative Fragen. Weihbischof Josef Holtkotte ist ebenfalls in dieser Kommission engagiert, er arbeitet zudem in der Kommission IV: Familie, Jugend und Bildung mit. Weihbischof Matthias König bringt sich in die Kommission VIII: Weltkirche und Migration ein. Die Arbeitsperiode der Kommissionen dauert von 2026 bis 2031. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist zudem Vorsitzender der bischöflichen Arbeitsgruppe Europa und dadurch Delegierter der COMECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union). Weihbischof Matthias König bleibt Beauftragter für die deutschsprachige Seelsorge im Ausland. Weihbischof Josef Holtkotte ist über die Mitgliedschaft in den beiden Kommissionen IV und V Mitglied der Gemeinsamen Konferenz von Deutscher Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. (pdp)