Zwischen Erwartung und Erfüllung

Mächtige Worte, die über ein Kind gesprochen werden

Lukas Rebbe, Magister Theologiae, wissenschaftlicher Mitarbeiter im IbiP und Promovend im Graduiertenkolleg der Theologischen Fakultät Paderborn.

 

„Der wird bestimmt mal Musiker, so gerne, wie der Musik hört.“ Einen solchen oder so ähnlichen Satz hören wir immer mal wieder über unseren Sohn, der mittlerweile anderthalb Jahre alt ist. Fast alle Eltern, Großeltern und Paten haben Erwartungen an „ihre“ Kinder, wünschen ihnen eine gelingende Zukunft und sehen auch Hoffnungsträger in ihnen, überfrachten sie aber vielleicht mit ihren Wünschen und ihren Vorstellungen vom Leben. Manchmal fühlen wir uns damit unwohl, weil wir unser Kind als Kind im Hier und Jetzt wahrnehmen und nicht schon weit vorausschauen wollen, was aus ihm werden könnte oder gar sollte.

Könnte es nicht sein, dass es Maria und Josef ähnlich empfanden, die mit Jesus in den Tempel gingen, um die Gebote des Mose zu erfüllen? Vielleicht haben sie nicht damit gerechnet, dort Simeon und Hanna zu treffen. Es ist nicht bekannt, ob sie sich vorher schon mal getroffen haben oder voneinander wussten. Sie begegnen dem greisen Simeon, der vom Heiligen Geist in den Tempel geleitet wurde. Er erkennt in Jesus den Retter aller Völker und Israels, als er Jesus in den Arm nimmt und Gott dafür preist. Und dann kommt auch noch die 84-jährige Hanna, die– in der Tradition der Propheten Israels stehend– Jesus als Erlöser Jerusalems sieht. Mächtige Worte, die da von den beiden alten und weisen Menschen ausgesprochen werden.

Von den Eltern Jesu wird in dieser Perikope nur berichtet, dass sie über die Worte, die über Jesus gesagt wurden, staunten. Ein Wort, das vieles offen lässt

Ahnten Maria und Josef etwas?

Das Tagesevangelium schließt lapidar mit der Aussage, dass das Kind heranwächst und stark wird. Allerdings wird nichts davon erzählt, wie die Zukunft konkret aussah. Ahnten Josef oder Maria schon, dass ihr Kind für andere Aufgaben bestimmt ist? Die Ankündigungen der Engel, der Sterndeuter und nicht zuletzt die von Simeon und Hanna aus dem heutigen Evangelium werden wohl in ihrem Hinterkopf gewesen sein. Uns als heutigen Lesern der biblischen Texte kann das umso mehr ins Auge fallen: Auch wenn wir nicht viel über die folgende Kindheit und Jugend Jesu wissen, wird er doch von Beginn an als heilbringender Erlöser gekennzeichnet.

Jesus gilt als Bote

Ebenso lässt sich die alttestamentliche Lesung auf die im Evangelium beschriebenen Ereignisse beziehen. Jesus gilt als Bote des Bundes, der herbeigewünscht wird. Angesichts der Worte Simeons liegt dieser Bezug nahe. Mit dem Hebräerbrief wird darauf verwiesen, was mit Jesus passieren wird. Sein ganzes menschliches Leben und Leiden kann als ganzes und komplexes Ereignis verstanden werden, was in die göttliche Dimension hineinreicht und Hoffnung schenkt. Wenn wir uns in seine Nachfolge stellen, wozu wir als Christinnen und Christen berufen sind, können wir zuversichtlich in die Zukunft blicken und uns mit hineinnehmen lassen in die ganze Fülle des Lebens jenseits von äußeren Erwartungen, egal, ob Kinder, Eltern, jung oder alt.

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