Wie die Apostel Verbundenheit schufen

Die Bedeutung der Augen- und Ohrenzeugen des Lebens Jesu

Unmittelbar dabei sein, um authentisch berichten zu können– für die zwölf Apostel war die direkte Verbindung zu Jesus wichtig. Foto: Pixabay

 

Die Namensliste der zwölf Apostel steht im Zentrum des Evangeliums an diesem Sonntag. Zwei Bilder gebraucht der Evangelist Matthäus, um zu dieser Liste hinzuführen. Zum einen ist es das Bild von den Schafen und den Hirten. Schafe, die keinen guten Hirten haben, irren ziellos umher, zerstreuen sich und sind ihren natürlichen Feinden ausgeliefert. Das Bild von den Schafen und deren Hirten wird bereits im Alten Testament gebraucht, um das Volk Israel zu beschreiben, das ziellos umherirrt, wenn es keine guten und klugen Anführer hat.

Im Buch Numeri wird erzählt, wie Mose am Ende seines Lebens Gott um einen Nachfolger bittet, denn „die Gemeinde des HERRN soll nicht sein wie Schafe und Ziegen, die keinen Hirten haben“ (Num27,17). Gott selbst wählt Josua aus, um das Volk Israel auf dem letzten Abschnitt seines Weges durch die Wüste in das gelobte Land zu führen. Die Schreibweise der Namen Josua und Jesus ist in der griechischen Bibel gleich. Jesus ist der neue Josua, also der Hirte, der die Herde der zwölf Stämme Israels von Mose in der Endzeit übernimmt und sie dann ganz zu Gott führt.

Das zweite Bild ist die große Ernte, für die es aber nicht genug Arbeiter gibt, um sie einzuholen. Im Neuen Testament ist das Bild der Ernte stets ein Bild für das Endgericht (so etwa in Offb14,15): Das, was durch die Verkündigung und das Heilswirken Jesu gewachsen ist, soll zur Vollendung kommen, die Ernte soll eingeholt werden.

Zielloses Umherirren

Die Schafe irren ohne Hirten ziellos umher und die Ernte ist so groß, dass es noch nicht genug Arbeiter gibt: Diese beiden Bilder stellen als Situationsbeschreibung den Ausgangspunkt für die Bevollmächtigung und die Sendung der zwölf Jünger dar, die als Apostel bezeichnet werden.

Die Aufgabe der Apostel ist es, das Werk Jesu fortzusetzen. Sie sollen das anbrechende Himmelreich verkünden und diese Verkündigung durch mächtige Zeichen bekräftigen: Kranke werden geheilt, Tote werden auferweckt, Aussätzige werden rein gemacht und Dämonen werden ausgetrieben. Wie bei Jesus belegen diese Zeichenhandlungen, dass im anbrechenden Himmelreich das menschliche Leid bezwungen wird.

Gemeinschaft

Schon in den frühen Christengemeinden, die nach dem Tod und der Auferstehung Jesu langsam entstehen, ist es von entscheidender Bedeutung, in Gemeinschaft mit einem Apostel zu stehen. Die Apostel sind die Garanten dafür, dass es ganz im Sinne Jesu ist, wenn sich das Glaubens- und Gemeindeleben weiterentwickelt. Sie waren die engsten Begleiter Jesu, sie kannten ihn persönlich, sie waren Augen- und Ohrenzeugen, und sie wurden von Jesus selbst berufen und ausgesandt. Die wenigsten Christen hatten Jesus aus Nazareth persönlich kennengelernt.

Die Apostel nahmen eine Brückenfunktion zwischen Jesus und den Christen der Urgemeinden ein. Insofern war es für Matthäus und die anderen Evangelisten wichtig, ihre konkreten Namen in den Apostellisten festzuhalten. Wer mit einem Apostel in Verbindung stand, wusste sich mit dem Auferstandenen selbst verbunden. Noch heute scheint diese Brückenfunktion auf, wenn im Großen Glaubensbekenntnis von der apostolischen Kirche gesprochen wird.

 

Zum Autor:

Christian Städter studierte Theologie und Psychologie in Rom und ist Priester des Erzbistums Paderborn. Er arbeitet zurzeit in der Priesterausbildung.

Info

Zwölf Stämme – zwölf Apostel

Die Anzahl der Apostel verweist auf die zwölf Stämme Israels. Für die identitätsstiftende Einheit des Volkes Israel war die Idee von den zwölf Stämmen von großer Bedeutung. Die Einteilung des Volkes in zwölf Stämme besagte, dass alle im Volk einen gemeinsamen Urvater haben: Jakob, der zwölf Söhne hatte und nach seinem geheimnisvollen Kampf mit Gott selbst Israel, Gottesstreiter, genannt wurde (Gen32). Im 8.Jahrhundert v.Chr., als das Nordreich erobert wird, verschwinden die dort ansässigen zehn Stämme. Aber das Motiv der zwölf Stämme bleibt weiterhin ein Verweis auf den von Gott gefügten Ursprung. Wenn Jesus zwölf Apostel beruft und aussendet, gibt er damit zu verstehen, dass er das zerstreute Volk Gottes wieder zusammenführen wird.

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