Vom Glamour eines Sitzmöbels

Geistlicher Glaubensimpuls

Manchmal macht einen das Leben zum Zeugen kleiner Begebenheiten, die von einer großen Sehnsucht erzählen: In der Warenausgabe eines Möbelhauses steht ein älteres Ehepaar, das das Leben augenscheinlich nicht zu den oberen Zehntausend gespült hat, sondern eher in die andere Richtung. Der Mann erzählt den Mitwartenden von einem spontanen, beglückenden Schnäppchenkauf.

Manchmal macht einen das Leben zum Zeugen kleiner Begebenheiten, die von einer großen Sehnsucht erzählen: In der Warenausgabe eines Möbelhauses steht ein älteres Ehepaar, das das Leben augenscheinlich nicht zu den oberen Zehntausend gespült hat, sondern eher in die andere Richtung. Der Mann erzählt den Mitwartenden von einem spontanen, beglückenden Schnäppchenkauf. Im Eingang des Möbelhauses stand eine Holly­woodschaukel, preisreduziert. Sie haben zugeschlagen und wollen sie nun abholen. Der Verkäufer schaut sich den Beleg an, sagt, dass die Gartenschaukel vorrätig sei und er sie aus dem Lager hole. „Ja“, entgegnet ihm der Käufer, „die Hollywoodschaukel nehmen wir gleich mit.“ Es dauert ein paar Minuten, der Mann erzählt derweil, dass sie Probe gesessen haben, dann schallt es aus dem Lager: „Eine Gartenschaukel!“ Der Mann meldet sich und sagt: „Die Hollywoodschaukel, die ist für uns!“

In der Zwischenzeit stellt man sich vor, wie es bei ihnen zu Hause aussieht und wo Platz für eine Garten..., pardon, für eine Hollywoodschaukel sein könnte. Und man sieht sie vor dem inneren Auge darin sitzen und hin- und herschwingen. Und man hört mit dem inneren Ohr, wie sie anderen von ihrer neuen Hollywoodschaukel erzählen. Und man ahnt, welche Kraft von diesem Sitzmöbel ausgeht, dass es nämlich das Zeug hat, dem eigenen kleinen Leben Weite und Glamour und Bedeutung zu verleihen und auch ein bisschen Leichtigkeit. Als Kind hat man ja selbst von so einem Ding geträumt.

Ab diesem Sonntag bekommen viele Kinder in unseren Gemeinden erstmals ein Stück Brot in die Hand gelegt, das sie womöglich rein optisch noch nicht einmal als Brot erkennen. Hoffentlich hat ihnen jemand erzählt, dass es dabei auch um Weite und Leichtigkeit und Bedeutung für ihr Leben geht.

Claudia Auffenberg

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