Segen Gottes für alle

P. Siegfried Modenbach über Segensfeiern für Menschen, die nicht kirchlich heiraten können

P. Siegfried Modenbach SAC (58), leitete viele Jahre den Jugendhof Pallotti in Olpe, von 1992 bis 2002 war er Regens der Pallottiner in Valendar und bis 2019 Leiter des Katholischen Centrums in Dortmund. Jetzt ist er Leiter des Geistlichen Zentrums auf dem Kohlhagen im Südsauerland. Foto: Auffenberg

 

Bis vor Kurzem haben es viele Priester– wenn überhaupt– nur ungern oder halbwegs geheim getan: Paare gesegnet, für die eine kirchliche Eheschließung nicht möglich ist, weil entweder beide Partner desselben Geschlechtes sind oder einer oder beide geschieden sind. Doch es kommt Bewegung in die Sache: Inzwischen sprechen sich immer mehr Bischöfe öffentlich für eine Segnung homosexueller Paare aus. Der Pallottinerpater Siegfried Modenbach aus Dortmund hat jetzt ein Buch mit solchen Segensfeiern veröffentlicht.

Pater Modenbach, warum erbitten Menschen von der Kirche den Segen, obwohl sie wissen, dass die Kirche ihre Lebensweise ablehnt?

Weil sie bei dieser Frage nicht zuerst an die Kirche denken, sondern weil es ihnen als Christen ein Bedürfnis ist. Sie sprechen mich an: „Ja, wir wissen, die Kirche hat ein Problem damit. Aber uns ist trotzdem wichtig, dass wir den Segen bekommen und dass wir die Gewissheit haben, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet.“ Sie sprechen oft sehr dezidiert ihr christliches Leben an und sagen, dass es für sie ein Bedürfnis ist, sich den Segen zusprechen zu lassen. Das ist mir immer wieder so begegnet.

Und wie reagieren Sie dann?

Ich sage dann in der Regel sehr schnell: „Wenn das so ist,“– und in den meisten Fällen kenne ich die Betreffenden ja auch– „wenn euch das wichtig ist, dann finden wir einen Weg, dass wir euch beiden in einer Feier ermöglichen können, diesen Segen zu bekommen.“

Oft gibt es die Sorge, dass eine solche Feier mit einer Trauung verwechselt wird. Was macht den Unterschied?

Es ist natürlich klar, dass eine katholische Eheschließung nur möglich ist zwischen Mann und Frau. Aber daneben sollte es möglich sein, Paaren in anderen Konstellationen, die füreinander Verantwortung übernehmen wollen, den Segen zukommen zu lassen. Ich habe übrigens die Angst nicht, dass es zu Verwechslungen kommt, weil vorher mit allen Beteiligten klar besprochen wird, dass eine Segnung etwas anderes ist. Natürlich, umgangssprachlich wird dann oft vom Heiraten gesprochen. Sie haben ja vielleicht auch schon standesamtlich geheiratet, staatlicherseits ist es ja möglich. Bei uns ist es nicht möglich, deswegen sprechen wir von Segensfeiern.

Diese Art von Segensfeiern, überhaupt solche Beziehungen, sind ja hoch umstritten, hoch emotional. Warum ist das Thema so brisant?

Kirchlicherseits kommt die Brisanz sicher daher, dass das klassische Familienbild eine große Rolle spielt und alles, was rechts und links davon ist, nicht sein darf oder sein kann. Einzig das Modell Mann– Frau– Kinder hat Geltung. Was dem nicht entspricht, gilt entweder als widernatürlich oder als sündig. Das sind eben die Folgen der katholischen Sexualmoral.

Aber haben Menschen, die Homosexualität ablehnen, nicht die Bibel auf ihrer Seite? Es gibt ja entsprechende Passagen im Buch Levitikus oder auch im Römerbrief.

Diese Stellen, auf die Sie jetzt anspielen, haben aber nichts mit dem zu tun, was wir heute unter homosexueller Liebe verstehen. Da werden Praktiken angesprochen, die im heidnischen Bereich und in heidnischen Kulten eine Rolle spielten und im Volk Israel verpönt waren. Es geht um Praktiken, die sich gegen Gott stellen. Wenn Paulus von diesen Dingen spricht, dann denkt er in keiner Weise an etwas, das mit Liebe zu tun hat. Er redet von homosexuellen Praktiken, die heterosexuelle Männer vollziehen, also von einer Praxis, die sich ganz bewusst gegen das göttliche Gesetz, männlich – weiblich, wendet. Es ist aber nicht an die homosexuelle Prägung eines Menschen gedacht.

Solche Prägungen wird es ja in biblischer Zeit auch schon gegeben haben. Finden Sie in der Bibel Passagen, die Ihnen Sicherheit geben, dass Sie heute tun dürfen, was Sie tun?

Es ist natürlich immer die Frage, wie man Dinge bewertet. Wenn man etwa die Geschichte der Freundschaft zwischen David und Jonathan liest, dann wird darin sehr wohl die Liebe zwischen den beiden beschrieben. Da heißt es z.B.: „Jonathan liebte David wie sein eigenes Leben.“ Das wäre ja nicht überliefert, wenn es nicht völlig akzeptiert gewesen wäre. Die Frage ist eben: Wo ist die Grenze? Wenn zwei Freunde einander sagen, dass sie sich gern haben, käme ja niemand auf die Idee, das sei unnatürlich oder gar Sünde. Aber bei dieser Geschichte von David und Jonathan würde ich schon von einer homoerotischen Liebesbeziehung sprechen.

In der auch Sexualität eine Rolle spielt?

Das ist nicht ganz eindeutig. Zumindest ist die Rede davon, dass sie sich küssen.

Die Sexualmoral der Kirche, über die wir hier sprechen, ist eines der vier Themen auf dem Synodalen Weg. Was erhoffen Sie sich da?

Ich erhoffe mir, dass wir endlich eine Segensfeier für Menschen, die sich lieben, offiziell ermöglichen können. Das wird ja schon lange gefordert, mittlerweile auch von kirchlichen Vertretern, ich denke da an Erzbischof Heße oder an Bischof Bode. Dass wir endlich sagen können: Segnungen homosexueller Paare sind möglich. Bei wieder verheirateten Geschiedenen ist die Sache nach meiner Wahrnehmung nicht so heikel, das wird etwas lockerer gesehen.

Das ganze Interview gibt es im Dom 26 zu lesen.

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Literaturtipp

Siegfried Modenbach: „Wer mit Segen, sät wird mit Segen ernten: Segensfeiern für Liebende.“

Das Buch erläutert den Begriff des Segens und enthält sechs Modelle für Segensfeiern, gebunden, 120 Seiten mit Leseband, ISBN 978-3-89710-847-9, Bonifatius-Verlag Paderborn

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