Exsultet: Vorzeichen und Ouvertüre

Mit einer eindrucksvollen Lichtfeier beginnt die Feier der Osternacht nach Einbruch der Dunkelheit bzw. vor der Morgendämmerung des Ostersonntags. Elemente dieser Lichtfeier sind die Segnung des Feuers, die Entzündung und der Einzug der Osterkerze als Symbol für Christus, das Licht, in die dunkle Kirche sowie das feierliche Osterlob. Dieses feierliche Osterlob wird nach seinem lateinischen Anfangswort auch Exsultet genannt.

Es ist zugleich Höhepunkt der Lichtfeier sowie entscheidendes Vorzeichen und programmatischer Auftakt der ganzen Osternacht­feier. Doch woher kommt das Exsultet und was bedeutet es?

Die Ursprünge des Exsultet dürften bereits in das vierte Jahrhundert zurückreichen. Gewisse Anklänge darin erinnern an die Theologie des heiligen Bischofs und Kirchenlehrers Ambrosius von Mailand (339–397). Auch ist mit liturgischen Vorbildern aus dem byzantinischen Bereich zu rechnen. Ein Blick auf die verschiedenen Bezeichnungen dieses Elementes hilft, etwas von Inhalt und Intention des Exsultet zu erfahren. Seit der Reform der Karwochenliturgie durch Papst Pius XII. in den 1950er-Jahren lautet die Überschrift dieses österlichen Gesangs „praeconium paschale“, also „Osterankündigung“ oder „Osterlob“. Andere Begriffe dafür sind „österliche Lichtdanksagung“, „Segnung der Kerze“ (benedictio cerei), „Weihe der Kerze“ (consecratio cerei) oder „Lob der Kerze“ (laus cerei).

Demnach geht es im feierlichen Osterlob also um Dank, Lob und Bitte (um Segen), wodurch das Exsultet in seiner Grundstruktur die Form eines (um Zusätze erweiterten) „Hochgebetes“ annimmt. Das Anfangswort Exsultet selbst bedeutet wörtlich „es jauchze“, womit die Einladung zu Jubel und Freude ausgesprochen wird. Dieses Motiv prägt schließlich das ganze Osterlob. In bildreicher Sprache wird schon eingangs jene tiefe Freude zum Ausdruck gebracht, die im Pascha-Mysterium, also im Christusereignis seinen Grund hat, das im Geschehen von Leiden, Tod und Auferstehung zum Höhepunkt gekommen ist: Christus hat den Tod besiegt und das Leben neu geschaffen; sein Opfertod am Kreuz sprengt die Ketten von Schuld, Sünde und Tod und verschafft neues Leben. Wie im Alten Bund das Volk Israel aus Ägypten auszog und von der Knechtschaft befreit wurde, so befreit Christus im Neuen Bund das Volk Gottes von allem Übel. Christus ist das Licht geworden, das die Dunkelheit vertreibt und den Menschen zur Erlösung führt. Dabei bleibt aber das Licht nicht als abstrakter Begriff stehen, sondern wird in Gestalt der Kerze anschaulich gemacht und ist damit ein programmatisches Symbol für die gesamte Feier der Osternacht.

von Stefan Kopp

Der Autor ist der neue Lehrstuhl­inhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn.

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