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19.03.2026
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Am Freitag sind Frühlingsanfang und Weltglückstag

Endlich Frühlingsanfang und längere Tage. Kein Wunder, dass die UNO den „Welttag des Glücks“ auf den 20. März gelegt hat.

Berlin

Krise als Dauerzustand. Nicht nur Horst Schlämmer, fiktiver Chefredakteur vom „Grevenbroicher Tagblatt“, hat die Faxen dicke: Im ganzen Land herrscht schlechte Laune. Donald Trump, die Kriege in der Ukraine, im Iran und im Sudan, steigende Preise an den Tankstellen und Klimakrise: Kurzum: Deutschland hat Rücken. Und zwar im Gesicht.

Kann man da noch so einfach über Glück reden? Hape Kerkeling hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für die Premiere seines Schlämmer-Films aussuchen können als den kommenden Freitag, um seine Kultfigur auf der Suche nach dem Glück auf eine Deutschlandreise zu schicken. Denn am 20. März ist nicht nur astronomischer Frühlingsanfang, sondern auch der von der UNO 2013 eingeführte Welttag des Glücks.

Tagundnachtgleiche

Lenz, Frühjahr, Frühling: Der Kalender jedenfalls lässt keinen Zweifel, dass der Winterblues vorbei ist. Am Freitag um 15.46 Uhr ist Tagundnachtgleiche, das Äquinoktium. Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne genau senkrecht über dem Äquator, Tag und Nacht sind jeweils zwölf Stunden lang. Bis zum Sommeranfang wendet sich die Nordhalbkugel der leicht geneigt stehenden Erde immer stärker der Sonne zu.

Gerühmt in Liedern (Veronika, der Lenz ist da) und Gedichten (Frühling lässt sein blaues Band), steht der kommende Abschnitt des Jahres für Aufbruch, neues Leben, Licht und Wärme. In Literatur und Malerei werden die Jahreszeiten oft mit den menschlichen Lebensaltern gleichgesetzt. Der Frühling steht dabei für die Jugend.

Mit dem Frühling kommt – das behaupten jedenfalls viele Gedichte und Lieder – auch das Glück. Doch was das ist, darüber machen sich die Menschen seit mehreren tausend Jahren Gedanken. Die Gründerväter der USA nahmen das individuelle „Streben nach Glück“ als eines der „unveräußerlichen Rechte“ in ihre Unabhängigkeitserklärung auf, die am 4. Juli 250 Jahre alt wird. Der vormalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begründete die Ausrufung des „World-Happiness-Day“ damit, dass zum Glück mehr gehöre als Wirtschaftswachstum und Umsatz. Es gehe um Mitgefühl, Gemeinwohl und nachhaltige Entwicklung.

Magnolienblüten kündigen den Frühling an.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Dass wirtschaftliches Wachstum nicht alles ist, hat das Königreich Bhutan im Himalaya schon lange erkannt. Seit 2008 ist das „Bruttonationalglück“ in der Verfassung verankert. Regelmäßig wird das Volk nach seiner Zufriedenheit befragt: nach Lebensstandard, Gesundheit, psychischem Wohlergehen, Bildung, Zeiteinteilung, guter Regierungsführung und Gemeinschaftsgefühl.

Wem diese Definitionen nicht reichen, der kann tiefer bohren: So lässt sich etwa unterscheiden zwischen dem Zufallsglück (englisch: luck) und dem Lebensglück (happiness). Oder zwischen einem kurzfristigen Hochgefühl und einer eher auf lange Sicht angelegten Lebenszufriedenheit. Beide können auch gegeneinanderstehen, wie eine im Februar veröffentlichte Studie der Uni Greifswald zeigt: So hebt die Geburt des ersten Kindes bei den Müttern die Stimmung und stärkt das Gefühl von Sinn im Leben – gleichzeitig sinken Lebenszufriedenheit und Partnerschaftsglück.

Glück als Handwerk?

Umstritten ist, wie weit man selber zum Glück beitragen kann: Manche Forscher argumentieren, es sei genetisch zum großen Teil festgelegt, ob man ein Glas als halb voll oder als halb leer ansieht. „Dein Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast“, meinte demgegenüber der römische Kaiser Marc Aurel. So ähnlich argumentieren auch aktuelle „Glücks“-Ratgeber. Ihre Botschaft: Glück kann man wie ein Handwerk lernen.

Manfred Lütz, Psychiater und katholischer Theologe, hält davon nichts. „Wer auf die Glücksratgeber hereinfällt und die Produktion von Glücksgefühlen anstrebt, indem er seine Füße in Orangensaft badet oder unentwegt an Duftstäbchen riecht, hat vom wirklichen Glück nichts verstanden“, so der Autor des Buches „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“. Nach Ansicht von Lütz führt eine maßlose Sehnsucht nach machbarem Glück in die Sackgasse. Arthur Schopenhauer, als Menschenhasser bekannt, wandte sich grundsätzlich gegen das Glücksverlangen. Der Mensch sei nicht geboren, um glücklich zu sein. Man müsse schon zufrieden sein, wenn man keine Schmerzen und kein Unglück empfinde.

KNA

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