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24.03.2026
In einem Nest liegen drei frische Eier von Hühnern, die aus Industriebetrieben gerettet wurden.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Ach, du dickes Ei: Droht eine Eier-Knappheit zu Ostern?

„Eier, wir brauchen Eier“, bellte Oliver Kahn einst in die Mikrofone. Der Appell des Torhüters könnte eine ungeahnte Aktualität bekommen.

Halle / Bonn

Ja, was denn nun? Am Wochenende schlug der Bundesverband Ei Alarm. Landwirte rechnen mit einer Eier-Knappheit, wie die in Halle erscheinende „Mitteldeutsche Zeitung“ meldete. Geflügelpest, Importeinbruch und eine steigende Nachfrage treiben dem Verbandsvorsitzender Hans-Peter Goldnick die Sorgenfalten auf die Stirn. „Es sind Einschläge, die in einem knappen Markt spürbar sind. Das wird sich an Ostern verschärfen.“

Engpässe ausgerechnet zu den Festtagen? Ach du dickes Ei! Dabei hatte es vor knapp zwei Wochen in einer Mitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung noch ganz anders ausgesehen – auf den ersten Blick. Der Jahresbedarf der Bundesbürger sei zuletzt um vier Eier pro Person auf nun 252 Eier gestiegen, hieß es da. Gleichzeitig hätten Deutschlands Hennen auf 299 Eier pro Henne und Jahr zugelegt – ebenfalls ein Plus von vier Eiern.

Nachfrage nimmt weiter zu

Rein rechnerisch eine ausgeglichene Bilanz, oder? Nein, denn in diesem Fall müsste es genau so viele Legehennen wie Bundesbürger geben, nämlich rund 83,5 Millionen. Tatsächlich halten Deutschlands Landwirte aber nur gut 51 Millionen Hennen.

Hinzu kommt: All diese Zahlen stammen aus dem vergangenen Jahr. Und die Nachfrage zieht weiter an, wie der Verbandsvorsitzende Goldnick erläutert: „Das Ei gilt nicht mehr als Cholesterinbombe, sondern als sympathischer Proteinträger.“ Er rechnet daher mit einem statistischen Mittel von 255 Eiern pro Person. Mahlzeit!

Unter solchen Voraussetzungen wird’s dann schon knapper, zumal auch die Importe zurückgehen. Laut Bundesverband Ei stammen mehr als zwei Drittel der Eier in den Supermärkten von regionalen Höfen. Der Rest werde aus den Niederlanden geliefert. Die dortigen Landwirte fahren Goldnicks Angaben zufolge die Massenproduktion jedoch zurück, um Umweltauflagen zu erfüllen. Zudem setze auch den niederländischen Betrieben die Geflügelpest zu.

Der mechanische Helfer des Osterhasen.
Foto / Quelle: Bert Bostelmann/KNA

Ei der Daus – was tun? Verbraucher könnten zum Beispiel bewusster konsumieren. „Die Produktion von Fleisch, Wurstwaren und Eiern belastet die Umwelt deutlich stärker als die von pflanzlichen Lebensmitteln“, heißt es etwa auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Außerdem ist der Eier-Einkauf auch eine Frage der Haltung, wie Verbraucherschützer und Umweltverbände betonen. „Glückliche Hühner – und Hähne – bleiben in der Eierproduktion noch immer die Ausnahme“, so der WWF. „Wer nicht auf Eier zum Frühstück oder beim Kochen verzichten möchte, sollte unbedingt den Code beachten, mit dem jedes Ei versehen ist.“ Die Faustregel: „Je kleiner die erste Ziffer, umso weniger leidet das Huhn.“

Die erste Zahl des Codes steht nämlich für die Haltungsform: 0 für ökologische Haltung, 1 für Freilandhaltung sowie 2 und 3 für Boden-, beziehungsweise Käfighaltung. Die Buchstaben hinter der ersten Ziffer stehen für das Land, in dem die Eier produziert wurden: DE für Deutschland, NL für Niederlande, AT für Österreich und BE für Belgien. Über die Ziffernfolge hinter dem Länderkürzel lässt sich sogar der Betrieb identifizieren, aus dem das Ei stammt. Wer es ganz genau wissen will, kann diesen Code auf der Seite was-steht-auf-dem-ei.de eingeben.

Mehr Freiland- und Bio-Eier

Aus den jüngst vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden geht hervor, dass in deutschen Betrieben die Bodenhaltung am weitesten verbreitet ist. Der Anteil der Eier aus Freilandhaltung steige aber weiter an und mache inzwischen fast ein Viertel aus. Eier aus ökologischer Erzeugung kamen demnach 2025 auf einen Anteil von 14,6 Prozent, ebenfalls ein leichter Zuwachs.

Im Vergleich zur Bundesanstalt für Landwirtschaft präsentierten die Statistiker in Wiesbaden leicht andere Zahlen. Deutschlands Hennen legten im vergangenen Jahr demnach rund 13,7 Millionen Eier und damit 304 pro Tier, fünf mehr als von der Bundesanstalt für Landwirtschaft ermittelt.

Das wiederum liegt an unterschiedlichen Bezugsgrößen. Das Statistische Bundesamt nahm Unternehmen „mit mindestens 3 000 Hennenhaltungsplätzen“ in die Statistik mit auf, die Bundesanstalt für Landwirtschaft auch Legehennen in Kleinbeständen, die tendenziell weniger Eier legen und damit den Schnitt senken.

Eijeijei! So oder so: Sollte die Nachfrage wie in den vergangenen Jahren weiter zunehmen, stellt sich die Frage, ob die Hennen ihre Leistung noch weiter steigern müssen. Unter Tierwohl-Gesichtspunkten sicher nicht das Gelbe vom Ei.

KNA

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