Und Gott sagte: „Safe!“ – Auftritt Erwin Grosche

Der Pastorale Raum „An Egge und Lippe“ hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben ­gerufen, in der Menschen Auskunft darüber geben sollen, wie sie es mit ihrem Glauben im Alltag handeln. Erster Gast war Erwin Grosche.

Gelungener Auftakt für die neue Veranstaltungsreihe (v. l.): Initiator Thomas Rudolphi, Corinna Mertens von der Marienloher Handwerksbäckerei Mertens, Erwin Grosche und Pfarrer Georg Kersting. (Fotos: Flüter)
Gelungener Auftakt für die neue Veranstaltungsreihe (v. l.): Initiator Thomas Rudolphi, Corinna Mertens von der Marienloher Handwerksbäckerei Mertens, Erwin Grosche und Pfarrer Georg Kersting. (Fotos: Flüter)
veröffentlicht am 30.01.2024
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Der Pastorale Raum „An Egge und Lippe“ hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben ­gerufen, in der Menschen Auskunft darüber geben sollen, wie sie es mit ihrem Glauben im Alltag handeln. Erster Gast war Erwin Grosche. Eine gute Wahl, wie sich herausstellte.

Bad Lippspringe. Einen besseren Ort hätten die Veranstalter für den Termin mit Erwin Grosche nicht wählen können. Der Schriftsteller, Kleinkünstler, Liedermacher und Lebenskünstler aus Paderborn war zu Gast in einer Filiale der Marienloher Handwerksbäckerei Mertens, die in Bad Lippspringe liegt – eine Art Heimkehr, denn wer das Werk und die Biografie von Erwin Grosche kennt, weiß, dass er in einer Bäckersfamilie aufwuchs und bis heute von diesen Erfahrungen zehrt.

Entspannt, freundlichund familiär

Das Café der Bäckerei war gut gefüllt, die Zuhörer konnten beim Vortrag des Bäckerjungen an Käsestangen knabbern. Sie hatten sich wegen des knappen Platzangebots schon lange vorher anmelden müssen und trotz des winterlichen Wetters, das draußen herrschte, war jeder Platz besetzt. Der Künstler stand vor dem Schaufenster, hinter ihm die ver­schneite Straße, während es drinnen gemütlich warm war – nicht nur wegen der Raumtemperatur, sondern auch wegen der entspannten, freundlichen und familiären Atmosphäre im Café.

Eingeladen hatte der Pastorale Raum „An Egge und Lippe“, der an diesem Abend seine Veranstaltungsreihe „Glauben und Leben“ startete. Sie soll in lockerer Folge fortgesetzt werden. Erwin Grosche war der erste, der Auskunft über seinen Umgang mit der Kirche und dem Glauben geben sollte. In drei Fragerunden tat er dies.

Natürlich – das Publikum wäre sonst sehr enttäuscht gewesen – war das Gespräch eingebettet in einen Auftritt des Künstlers. Die Fragen stellten Pfarrer Georg Kersting und Thomas Rudolphi, Mitglied der Kirchengemeinde St. Marien in Bad Lippspringe.

„Der Glaube war damals selbstverständlich“

Die Unterbrechungen fügten sich fast nahtlos in den Auftritt ein, denn Erwin Grosches Kunst ist stark autobiografisch von der Kindheit in einem katholischen Dorf in Westfalen geprägt. Seine Geschichten und Lieder beziehen sich oft auf die Kindheit, vor allem aus dem Gefühl des Vertrauens, das er aus den ersten Lebensjahren mitnahm und das seinen Texten Wärme, Trost, Hoffnung verleiht.

Wenn er über diese Zeit spricht, entsteht das Bild vom kleinsten von vier Bäckerssöhnen, die selbstverständlich alle mit ihren Eltern vor und nach dem Essen beteten und zur Messe gehen „sollten“, aber nicht „mussten“. Dieser Unterschied ist Erwin Grosche wichtig. In die Kirche gegangen ist er dennoch: „Der Glaube war damals selbstverständlich.“

Vor einigen Jahren hat Erwin Grosche begonnen, religiöse Bücher zu schreiben. Mittlerweile sind Dutzende Bände auf dem Markt: Kinderbibeln, Bibelgeschichten und Kindergebete, Bilderbücher wie der Band „Gott macht alles Kleine groß“. Ein wenig ist es so, als wollte der Dichter in diesen Werken seine eigene Kindheit heraufbeschwören, in der die Welt noch klein und langsamer war und alles für den kleinen Erwin einen eigenen Zauber hatte.

Dieser poetische Zugang prägt auch seinen Umgang mit dem Glauben. Er umschreibt das, woran er glaubt, nicht mit Definitionen und rationalen Feststellungen, sondern verwendet Dichterworte und Gleichnisse, Reime und Lieder. „Man bewegt sich so in einer schönen Welt“, sagt er, einer Welt, in der man träumen und hoffen könne.

Die Enge und die Nähe mit dem Publikum scheinen den Künstler Erwin Grosche zu inspirieren. In Bad Lippspringe präsentierte er sich in Höchstform.
Die Enge und die Nähe mit dem Publikum scheinen den Künstler Erwin Grosche zu inspirieren. In Bad Lippspringe präsentierte er sich in Höchstform.

„Gott macht alles Kleine groß“

Die künstlerische Beschäftigung mit dem Glauben habe ihn um neue religiöse Erfahrungen bereichert, sagte Erwin Grosche in Bad Lippspringe. Die in die Krise geratenen Kirchen würden gebraucht als Vermittler dieses Glaubens, aber auch der Traditionen und Rituale.

Auf die Frage, welchen Rat er der Kirche geben könne, lautet seine Antwort, auch die Kirche müsse bereit sein, Risiken einzugehen und auch mal loszulassen. Er selbst wagt Grenzüberschreitungen, etwa wenn er ein Gebet mit einem Witz ausklingen lässt. Wahrscheinlich macht ihn gerade das so erfolgreich. Die Bücher von Erwin Grosche sind gerade bei Erstkommunion-­Kindern begehrt, wie Pfarrer Georg Kersting bestätigte.

Grosches Vision ist eine Kirche, in der Gott seine Gläubigen mit der Versicherung begrüßt, alles sei „safe“. Zur Erklärung: Das massenhaft gebrauchte Jugendwort steht nicht für „Tresor“, sondern für „garantiert“ oder „sicher“. Gott versichert also, dass alles gut ist. Jedes Kind, jeder Jugendliche versteht die Bedeutung und auch den Unterton von Sicherheit und Vertrauen, die im Wörtchen „safe“ mitschwingen. In Kirchenkreisen, jedenfalls in offiziellen, ist das Wort so gut wie unbekannt.

Ein Trost für die, die schon mal gescheitert sind.

„Du schaffst das“, sang das Pu­blikum in Mertens’ Handwerksbäckerei im Chor mit, getröstet von poetischen Perlen wie dem „Lied vom Vehler“. Auch wer Fehler macht und nicht mitmachen kann oder will in einer Welt, die ununterbrochen nach Erfolg giert, gehört dazu. Ein großer Trost für alle, die schon mal gescheitert sind – also für alle Menschen, denn keiner bleibt ohne Niederlage. „Der Gewinner muss den Champagner versprühen“, sagt Erwin Grosche, der große Tröster, „der Verlierer darf ihn trinken.“

Karl-Martin Flüter

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